20.05.2026, 09:32 Uhr
Die Debatte um nachhaltiges Investieren verlagert sich. Nicht mehr die Frage, ob nachhaltig investiert werden soll, treibt die Investoren um, sondern die glaubwürdige Messbarkeit der Wirkung. Dazu hat der...
Die weltweiten Ausschüttungen sind im ersten Quartal 2026 um 8.2 Prozent auf 419 Milliarden US-Dollar gestiegen. Schweizer Unternehmen lieferten in Europa den grössten Beitrag, allerdings primär dank Wechselkurs- und Saisoneffekten. Bergbauwerte führen die globale Sektorrangliste an. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung der Capital Group.
Das Dividendenjahr 2026 ist mit Schwung gestartet. Das gilt auch für die Schweiz. Wie aus dem aktuellen «Dividend Watch» der Capital Group Global Equity Study hervorgeht, legten die weltweiten Ausschüttungen im ersten Quartal um 8,2 Prozent auf 419 Milliarden US-Dollar zu – ein neuer Bestwert für ein Auftaktquartal. Die für die Beurteilung der zugrunde liegenden Dynamik aussagekräftigere Kernwachstumsrate, die Sondereffekte und Wechselkursbewegungen herausrechnet, lag bei 5,2 Prozent. Sie entspricht damit exakt dem mittleren Dividendenwachstum auf Unternehmensebene.
Innerhalb von zehn Jahren haben sich die globalen Dividenden damit mehr als verdoppelt. Treiber dieser Entwicklung sind steigende Unternehmensgewinne sowie eine breiter verankerte Ausschüttungskultur in den verschiedenen Märkten.
Die deutlichsten Wachstumsimpulse kamen im ersten Quartal aus dem Bergbau. Stichwort ist hier der Rohstoffhunger und der Gold-Boom. Aber auch ein gewisser Nachholeffekt macht sich hier deutlich. Nach Jahren der Kürzungen infolge schwacher Profitabilität haben 97 Prozent der im Capital-Group-Index erfassten Bergbauunternehmen ihre Dividenden erhöht. Der Sektor steuerte zusammen mit der Chemie ein Fünftel des globalen Quartalswachstums bei. Besonders Goldminengesellschaften profitierten von den historisch hohen Goldpreisen des Vorjahres. BHP lieferte als grösster Einzelwert die absolut höchste Steigerung, während die australische Fortescue ihre Ausschüttung um 24 Prozent anhob.
Auch die allgemeinen Finanzwerte überzeugten mit einem Kernwachstum von 16,2 Prozent. Goldman Sachs erhöhte seine Dividende um 50 Prozent und wurde damit zum grössten Q1-Zahler des Sektors. Software und Halbleiter blieben verlässliche Wachstumsstützen: Microsoft und Oracle steuerten drei Viertel des Software-Plus bei, während TSMC und Broadcom den Halbleiteranstieg von 10,2 Prozent dominierten. Der diversifizierte Maschinenbau verzeichnete ein mittleres Wachstum von 7,6 Prozent – deutlich über dem Marktschnitt.
Bei den drei grössten ausschüttenden Sektoren des Quartals – Pharma, Banken und Energie – verlief die Entwicklung verhaltener. Die Energiedividenden stiegen lediglich um 3,1 Prozent, was den Gewinndruck vor der Ölkrise sowie die Wirkung umfangreicher Aktienrückkäufe widerspiegelt. Die Bankenausschüttungen wurden durch Kürzungen in China, Brasilien und Schweden gebremst. Im Pharmasektor lag das Kernwachstum bei 4,3 Prozent; AstraZeneca, Novo Nordisk und Pfizer erhöhten ihre Dividenden nur marginal.
Mit 17,6 Milliarden US-Dollar respektive 13,9 Milliarden Franken stellten Schweizer Unternehmen das mit Abstand grösste Q1-Ausschüttungsvolumen Europas. Hauptgrund ist Novartis, das seine gesamte Jahresdividende im ersten Quartal entrichtet und damit über die Hälfte des schweizerischen Quartalsvolumens beisteuert. Das nominale Wachstum von 18,4 Prozent geht jedoch in erster Linie auf die Frankenstärke gegenüber dem US-Dollar zurück. Das Kernwachstum lag bei 4,4 Prozent – ein Wert, der die typischen Erhöhungen von Schweizer Unternehmen im einstelligen Bereich widerspiegelt und zusätzlich durch Aktienrückkäufe gedämpft wird, die die Dividendenbasis verkleinern.
Insgesamt hinkte Europa exklusive Grossbritannien dem globalen Trend hinterher: Das Kernwachstum lag bei lediglich 3,4 Prozent. Belastend wirkte vor allem eine deutliche Kürzung der dänischen AP Moller-Maersk, die in einem saisonal schwachen Quartal allein drei Prozentpunkte des regionalen Wachstums kostete. Spanien (+13,7 Prozent) und Deutschland (+11,4 Prozent) lieferten die stärksten Beiträge, wobei in Deutschland die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen durch Siemens Energy nach Auslaufen des Staatshilfeprogramms den Ausschlag gab. In Frankreich (+1,4 Prozent) bremsten Aktienrückkäufe bei TotalEnergies sowie eine Dividendenkürzung bei Kering, während Hermes seine Zwischendividende dank starker Geschäftsentwicklung deutlich anhob.
Grossbritannien wuchs mit 1,8 Prozent Kernrate ebenfalls verhalten – auch hier reduzieren umfangreiche Aktienrückkäufe, etwa bei Shell, die für Dividenden relevante Aktienbasis.
Die US-Dividenden stiegen um 6,0 Prozent auf 188,2 Milliarden Dollar – der 16. Quartalsrekord in Serie. Bemerkenswert: Topline- und Kernwachstum sind in den USA praktisch deckungsgleich, da Wechselkurseffekte entfallen. Den grössten Beitrag leisteten Microsoft, JPMorgan und Walt Disney. 90 Prozent der US-Unternehmen erhöhten ihre Ausschüttungen oder hielten sie stabil. Gebremst wurde die Entwicklung durch die anhaltende Schwäche der Chemieindustrie sowie die Streichung der Sonderdividende bei Ford, die auf Zollkosten und Verluste in der Elektrofahrzeugsparte zurückgeht.
In Kanada (+6,7 Prozent Kernwachstum) sorgte Barrick Mining für einen kräftigen Schub, der die Halbierung der BCE-Dividende mehr als kompensierte. In Australien (+15,0 Prozent) entfielen zwei Drittel des Kernwachstums auf BHP, das im August 2025 seine Ziel-Ausschüttungsquote von 50 auf 60 Prozent angehoben hatte und seine Dividende um 46 Prozent steigerte.
Während Japan dank Japan Tobacco ein Kernwachstum von 16,9 Prozent auswies (das sich allerdings im Jahresverlauf kaum wiederholen dürfte), zeigte sich China weiterhin schwach. Das offiziell ausgewiesene Kernminus von 8,7 Prozent wird teilweise durch Kalenderverschiebungen verzerrt – viele chinesische Gesellschaften haben begonnen, ihre Jahresdividende in zwei Tranchen aufzuteilen. Selbst bereinigt um diese Effekte verbliebe ein Rückgang von rund einem Prozent. Die chinesischen Banken, als grösster dividendenzahlender Sektor des Landes, haben im ersten Quartal mehrheitlich gekürzt und ziehen das Gesamtbild nach unten.
Aus den Schwellenländern ragt Südafrika heraus, wo Goldminengesellschaften zwei Drittel des Kernwachstums der gesamten Emerging-Markets-Region beisteuerten und die südafrikanischen Ausschüttungen um 155 Prozent in die Höhe trieben. Brasilien hingegen verzeichnete einen Kernrückgang von 18,6 Prozent.
Capital Group hält an seiner Jahresprognose von 2.20 Billionen US-Dollar Gesamtausschüttungen für 2026 fest, was einem Topline-Wachstum von 5.1 Prozent entspricht. Allerdings tragen Sonderdividenden und Wechselkurseffekte stärker zur Entwicklung bei als im Januar erwartet – das Kernwachstum dürfte mit 4,7 Prozent leicht unter der Gesamtrate bleiben.
Die geopolitische Lage prägt den Ausblick. Capital-Group-Ökonom Talha Khan fasst den Iran-Krieg im Bild zweier Uhren: jener der militärischen Operationen und jener der politischen Geduld – mit deutlich unterschiedlicher Geschwindigkeit in Teheran und Washington. Sollte der Konflikt rasch enden, bleibt die Capital Group für die USA und – mit gewissen Vorbehalten – auch für Europa optimistisch. China und Japan werden zurückhaltender eingeschätzt, Indien gilt als robust.
Die wichtigsten Profiteure sind die Energieunternehmen. Lag der Ölpreis Ende 2025 noch bei rund 60 Dollar pro Fass, durchlief er seither die gesamte Spanne bis 120 Dollar. Stärkere Cashflows stützen Bilanzen, die unter der Last umfangreicher Rückkaufprogramme und hoher Dividenden zu strapazieren begannen – BP etwa hatte Aktienrückkäufe vor wenigen Monaten ausgesetzt.
Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services für Europa und Asien-Pazifik bei Capital Group, betont die Rolle aktiv geführter Strategien: «Dividendenzahlende Aktien können zur Stabilisierung von Portfolios beitragen, wenn die Märkte volatiler werden. In diesem Umfeld sind fundiertes Research und Selektivität entscheidend, und aktive Manager sind gut positioniert, um jene Unternehmen zu identifizieren, die ihre Dividenden langfristig aufrechterhalten und steigern können.»
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Strukturmerkmal des US-Marktes: Die USA weisen mit 1,1 Prozent eine der tiefsten Dividendenrenditen unter den zehn grössten MSCI-ACWI-Ländern auf – deutlich hinter Grossbritannien (3,2 Prozent), Frankreich (3,1 Prozent) und der Schweiz (2,8 Prozent). US-Unternehmen bevorzugen traditionell Aktienrückkäufe und Reinvestitionen, was die Dividendenentwicklung weniger volatil, die laufende Rendite aber tiefer ausfallen lässt.