03.06.2026, 13:41 Uhr
Die Turbulenzen bei den Privatmarkt-Anbietern haben Partners Group voll erfasst. Nachdem der Zuger Finanzkonzern die Rücknahme eines Private Equity-Fonds eingeschränkt hat, sind die Titel an der Schweizer Börse auf...
Bitcoin steuert auf seinen grössten Wochenverlust seit November 2022 zu. Die Leitwährung fiel am Donnerstag zeitweise bis auf rund 61'300 US-Dollar und notiert damit etwa 50 Prozent unter dem Allzeithoch von gut 126'000 US-Dollar vom Oktober 2025. Experten sehen den Rückgang als kurzfristige Positionsbereinigung – und nicht als strukturelle Verschlechterung der Fundamentaldaten.
Der Bitcoin-Kurs hat über die ersten Junitage kontinuierlich nachgegeben. Notierte die Leitwährung am 1. Juni noch bei rund 72'100 US-Dollar, fiel sie bis zum 3. Juni auf etwa 67'000 US-Dollar. Am Donnerstag gab Bitcoin laut «Financial Times» zeitweise um bis zu 5,5 Prozent auf 61'344 US-Dollar nach, bevor er sich leicht erholte – das Wochenminus summiert sich damit auf knapp 14 Prozent und markiert den grössten Wochenverlust seit November 2022. Der Fear-and-Greed-Index, der die Marktstimmung abbildet, fiel auf 11 Punkte und damit in den Bereich «extreme Angst».
Im längerfristigen Kontext setzt sich eine Korrektur fort, die im Oktober 2025 vom Rekordhoch von 126'198 US-Dollar ihren Ausgang nahm. Anfang Februar 2026 war Bitcoin auf ein 17-Monats-Tief von knapp über 60'000 US-Dollar gefallen, ehe eine Erholung von rund 35 Prozent bis zu einem Zwischenhoch im Mai folgte. Mit dem erneuten Rückgang nähert sich der Kurs nun wieder den Februar-Tiefstständen.
Im Zentrum der Schlagzeilen stand zunächst Strategy, der grösste Unternehmens-Halter von Bitcoin. In einem SEC-Filing vom 1. Juni gab das Unternehmen bekannt, zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 77'135 US-Dollar verkauft zu haben, was etwa 2,5 Millionen US-Dollar einbrachte. Es war erst der zweite Verkauf überhaupt, seit das Unternehmen im August 2020 mit dem Aufbau seiner Position begann – und der erste seit Dezember 2022. Angesichts der bekannten «niemals verkaufen»-Haltung von Executive Chairman Michael Saylor sorgte der Schritt für Aufsehen; die MSTR-Aktie gab in Reaktion zwischen fünf und sieben Prozent nach.
Mehrere Faktoren relativieren die Bedeutung des Verkaufs:
Die eigentliche Brisanz des Verkaufs liegt im Finanzierungsmodell. Saylor hat seine Bitcoin-Käufe über Jahre mit Wandelanleihen und eigenkapitalnahen Instrumenten finanziert und das Unternehmen damit hoch verschuldet. Allein in den vergangenen zehn Monaten nahm Strategy laut «Financial Times» rund 10,5 Milliarden US-Dollar über eine Form perpetueller Vorzugsaktien («Stretch») auf, die eine Jahresdividende von 11,5 Prozent zahlen, jedoch keine an den Aktienkurs gekoppelte Kurschance bieten. Genau diese Dividenden bediente das Unternehmen mit dem jüngsten Verkauf. Kritiker verweisen darauf, dass ein solches Modell unter Druck gerät, wenn der Bitcoin-Preis fällt. Der bekannte Krypto-Skeptiker Peter Schiff warnte, problematisch sei nicht der kleine Verkauf selbst, sondern die Möglichkeit, dass ihm weitere und deutlich grössere folgen könnten.
Der gewichtigere Treiber des Rückgangs liegt bei den börsengehandelten Fonds. Nach Daten des Analysehauses SoSoValue verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs in der zweiten Maihälfte die längste Abflussserie ihrer Geschichte: Über neun aufeinanderfolgende Handelstage zogen Anleger rund 2,8 Milliarden US-Dollar ab. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) trug mit rund 2,04 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil, darunter ein einzelner Tagesabfluss von 527,84 Millionen US-Dollar am 28. Mai – der zweitgrösste in der Geschichte des Fonds. Am 26. Mai war zudem ein über einen Dark Pool abgewickelter Blockverkauf von 1,29 Milliarden US-Dollar in IBIT registriert worden, was auf eine institutionelle Umschichtung und nicht auf breite Privatanleger-Panik hindeutet.
In der Summe wurde der Mai mit rund 2,43 Milliarden US-Dollar Nettoabfluss zum schwächsten Monat des Jahres 2026 – nach dem April, der mit Nettozuflüssen von rund 1,97 Milliarden US-Dollar noch der stärkste Zuflussmonat des Jahres gewesen war. Damit kippte die institutionelle Nachfrage innerhalb weniger Wochen von Akkumulation in Distribution.
Mechanisch verstärken diese Abflüsse den Kursdruck: Geben Anleger ETF-Anteile zurück, müssen die Emittenten zugrundeliegende Bitcoin verkaufen, was zusätzlichen Verkaufsdruck am Spotmarkt erzeugt. Einordnend ist anzumerken, dass ausgeprägte Abflussserien historisch eher mit lokalen Kurstiefs zusammengefallen sind als mit dem Beginn langanhaltender Abwärtstrends.
Parallel zum institutionellen Rückzug hat sich auch das Privatkundengeschäft weitgehend aus dem Kryptomarkt zurückgezogen. Laut Jasper de Maere, Stratege beim Krypto-Handelshaus Wintermute, hätten sich Privatanleger praktisch vollständig aus dem Markt verabschiedet und orientierten sich zurück in Aktien. Treiber ist der von der Künstlichen Intelligenz befeuerte Aktienrally: Mit dem geplanten Börsengang von Elon Musks SpaceX – dem potenziell grössten Listing der Geschichte – sowie erwarteten Schritten von KI-Laboren wie Anthropic und OpenAI im weiteren Jahresverlauf bündelt sich die Risikobereitschaft der Anleger derzeit in Technologietiteln. De Maere bezeichnete es entsprechend als schwierig, künftige Nachfragequellen für Bitcoin auszumachen und die Richtung des Marktes zu prognostizieren.
Das dritte belastende Thema bleibt der Nahe Osten. Ende Mai hatten US-Militärschläge in der Nähe der Strasse von Hormus einen Konflikt wieder aufflammen lassen, den die Märkte bereits auszupreisen begonnen hatten. Inzwischen haben sich die USA und der Iran nach Angaben von US-Quellen weitgehend auf ein 60-tägiges Memorandum zur Verlängerung des Waffenstillstands geeinigt, das jedoch noch der Zustimmung von US-Präsident Donald Trump bedarf.
Die Ölpreise sind in der Folge rund 20 Prozent unter ihren 2026er-Höchstständen gefallen; Brent notierte zuletzt bei rund 92,56 US-Dollar je Fass. Diese teilweise Rücknahme der Ölpreisprämie ist eine positive Entwicklung für den Inflationsdruck und damit grundsätzlich auch für Risikoanlagen. Sygnum betont jedoch, dass der Waffenstillstand fragil bleibe und die Fortschritte bei einem umfassenderen Abkommen schleppend seien.
Sygnum teilt diese Sorge in der Substanz nicht: Der Verkauf verändere die zugrundeliegende These nicht. «Es handelt sich um eine Geschichte kurzfristiger Positionierung und Fragilität, nicht um fundamentale Veränderungen bei Bitcoin», heisst es in der Einschätzung der Bank.
Für Fabian Dori, Chief Investment Officer der Sygnum Bank, spiegelt der Rückgang kurzfristige Positionierungen und eine teilweise Enthebelung in einem unsicheren makroökonomischen Umfeld wider – nicht aber eine Verschlechterung der langfristigen Fundamentaldaten. Bitcoin habe sich seit Beginn des Konflikts relativ gut entwickelt und sei daher eine natürliche Liquiditätsquelle für Investoren gewesen, die ihre Portfoliorisiken reduzierten.
«Unserer Ansicht nach bleibt seine langfristige Rolle im Portfolio im Wesentlichen unverändert; seine Absicherungsfunktion wurde vorübergehend durch makroökonomische Positionierungen und Gewinnmitnahmen überlagert», so die Einschätzung. Die stützenden Faktoren – wachsende institutionelle Adoption, zunehmende regulatorische Klarheit und eine reifere Marktstruktur – blieben intakt. Konsolidierungsphasen seien eine normale Erscheinung dieser Anlageklasse.
Trotz der jüngsten Schwäche halten verschiedene Häuser an erhöhten langfristigen Kurszielen fest; einzelne Analysten und Institute nennen mittel- bis langfristige Zielmarken in einer Bandbreite von rund 120'000 bis 250'000 US-Dollar, wobei eine Rückkehr der ETF-Zuflüsse als zentrale Voraussetzung gilt.
Die regulatorische Perspektive ist dabei differenzierter zu beurteilen, als sie zuweilen dargestellt wird: Während ein bevorstehender US-Rechtsrahmen vielfach als möglicher Kurskatalysator angeführt wird, berichtet die «Financial Times» von einem Stillstand der Gesetzgebung zu digitalen Vermögenswerten im US-Senat – nach monatelangen Verhandlungen und Widerstand von US-Banken. Als Risiken bleiben damit neben der Geldpolitik der Notenbanken und der Geopolitik auch die regulatorische Hängepartie im Vordergrund.
Entscheidend für die kommenden Wochen dürfte sein, ob die institutionellen Mittelflüsse wieder drehen, ob die Privatanleger-Nachfrage zurückkehrt und ob der Waffenstillstand im Nahen Osten Bestand hat.