27.05.2026, 09:38 Uhr
Die Gründerfamilie Cornaro der Cornèr Bank hat die Beteiligung in Höhe von 19,6 Prozent der Familie Piotrkowski-Dollfus erworben. Damit erlangt sie die vollständige Kontrolle über die Tessiner Bank. Der Anteil...
Geopolitische Spannungen und strukturelle Unsicherheiten zwingen Family Offices zu einer Neuausrichtung ihrer Anlagestrategie. So viele wie noch nie wollen ihre strategische Asset Allocation anpassen – Diversifikation über Anlageklassen, Währungen und Regionen steht im Vordergrund.
Family Offices weltweit reagieren auf ein komplexer werdendes Anlageumfeld mit einer klaren Antwort: mehr Resilienz, mehr Diversifikation, mehr Selektivität. Das ist die zentrale Erkenntnis des UBS Global Family Office Report 2026. Für die Studie befragte UBS zwischen Januar und März 2026 weltweit 307 Family Offices aus über 30 Märkten mit einem durchschnittlichen Nettovermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar. Das aggregierte Vermögen der teilnehmenden Familien beläuft sich auf 627,4 Milliarden US-Dollar.
Erstmals seit Bestehen der Erhebung planen 60 Prozent der Family Offices, in den kommenden zwölf Monaten ihre strategische Asset Allocation anzupassen – ein neuer Höchstwert. Geopolitische Konflikte gelten kurz- wie langfristig als grösstes Risiko, hinzu kommen Sorgen über globale Verschuldung und mögliche Rezessionen. Statt abrupter Umschichtungen setzen die Befragten auf gezielte, disziplinierte Anpassungen.
«Der Bericht zeigt, dass Family Offices ihre Portfolios weiterhin auf besonnene Weise anpassen», sagt Benjamin Cavalli, Head of Strategic Clients & Global Connectivity bei UBS Global Wealth Management. «Sie diversifizieren über Anlageklassen, Währungen und Regionen hinweg und halten zugleich an langfristigen Themen wie künstlicher Intelligenz fest, wenn auch mit grösserer Selektivität.» Viele Family Offices erwögen, ihr Engagement im US-Dollar zu reduzieren oder regional stärker zu diversifizieren – dennoch machten nordamerikanische Anlagen weiterhin den grössten Anteil der Allokationen aus.
Besonders deutlich ist die Verschiebung bei der Währungsallokation: 65 Prozent der Family Offices erwarten, dass das Vertrauen in den Status des US-Dollars als Reservewährung sinkt. Entsprechend bewerten sie ihr Engagement in US-Dollar lautenden Anlagen neu und führen vermehrt Strukturen ein, die sich auf mehrere Währungen stützen. Als bevorzugte Alternativen gelten der Euro und der Schweizer Franken.
Geografisch entfällt zwar nach wie vor der grösste Teil der Anlagen auf Nordamerika, doch versuchen Family Offices aktiv, Konzentrationsrisiken zu reduzieren. Geplant ist ein stärkeres Engagement in Asien-Pazifik, im Grossraum China und in Westeuropa. Innerhalb der Anlageklassen verschieben sich Investitionen schrittweise von entwickelten Märkten hin zu Aktien aus Schwellenländern und zu alternativen Anlagen wie Infrastruktur. Das Engagement in Immobilien wird hingegen reduziert.
Künstliche Intelligenz behauptet sich als führendes Anlagethema. 65 Prozent der Family Offices haben bereits entlang der gesamten Wertschöpfungskette investiert – von Rechenzentrumsinfrastruktur über Softwareplattformen bis hin zu Halbleiterherstellern. Trotz Bedenken bezüglich aktueller Aktienbewertungen wollen die Befragten ihr Engagement beibehalten oder ausbauen.
«Künstliche Intelligenz bleibt das prägende Anlagethema dieses Jahrzehnts», sagt Yves-Alain Sommerhalder, Head of GWM Solutions bei UBS. Family Offices gingen das Thema sowohl mit Überzeugung als auch mit Selektivität an und suchten Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ergänzend investieren die Befragten in Energie und Rohstoffe (37 Prozent), Infrastruktur (37 Prozent) sowie KI-gestützte Gesundheitsversorgung (33 Prozent) – ein Hinweis darauf, dass das breitere Ökosystem zur Skalierung von KI mitgedacht wird.
Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte bleiben demgegenüber eine Nischenanlage: Nur 24 Prozent der Family Offices investieren in dieses Segment, meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Immerhin 44 Prozent der investierten Family Offices betrachten Krypto inzwischen als Teil ihrer strategischen Vermögensallokation.
Im internationalen Vergleich fallen die Schweizer Family Offices durch ein ausgewogenes, international diversifiziertes Portfolio auf. 50 Prozent ihrer Allokation entfallen auf Westeuropa, 37 Prozent auf Nordamerika. Thematisch führen Künstliche Intelligenz (59 Prozent), Energie und Rohstoffe (41 Prozent) sowie Automatisierung und Robotik (38 Prozent) die Liste an.
Auffällig: Schweizer Family Offices agieren bei Portfolio-Anpassungen deutlich zurückhaltender als ihre globalen Pendants. Nur 43 Prozent planen strategische Änderungen – gegenüber 60 Prozent im globalen Durchschnitt. Damit positionieren sie sich als stabilitätsorientierte Investoren mit Fokus auf langfristige Widerstandsfähigkeit und technologischen Wandel.
Ganz anders das Bild im Nahen Osten: Mit 82 Prozent planen dort weltweit am meisten Family Offices eine Anpassung ihrer strategischen Allokationen. Auch in Südostasien (81 Prozent), Nordasien (71 Prozent) und Europa ohne Schweiz (67 Prozent) ist die Neupositionierungsdynamik deutlich höher. US-amerikanische Family Offices zeigen mit 88 Prozent Portfolio-Anteil in Nordamerika weiterhin die stärkste Heimatpräferenz weltweit.
Während sich die Investitionsgeschäfte zunehmend professionalisieren, offenbart der Report kritische Lücken in Governance und Nachfolgeplanung. Zwar haben 68 Prozent der Family Offices formale Prozesse zur Messung der finanziellen Performance etabliert und 60 Prozent nutzen Anlageausschüsse. Doch weniger als die Hälfte verfügt über formale Governance-Strukturen mit Aufsicht auf Vorstandsebene, und nur 35 Prozent haben einen definierten Nachfolgeplan für das Family Office selbst.
Noch grösser ist die Lücke bei der Einbindung der nächsten Generation: Lediglich 27 Prozent nutzen einen strukturierten Prozess, um Erben auf zukünftige Rollen vorzubereiten. 29 Prozent nennen unzureichende Finanz- oder Governance-Kenntnisse als Herausforderung. Angesichts des in den kommenden Jahrzehnten anstehenden generationenübergreifenden Vermögenstransfers in Billionenhöhe ist diese Diskrepanz zwischen Absicht und Umsetzung besonders relevant. Immerhin: Viele Family Offices planen, Finanzbildungsprogramme auszubauen und die nächste Generation stärker in Anlageausschüsse, philanthropische und unternehmerische Projekte einzubinden.