15.04.2026, 08:43 Uhr
VIX über 30, Creditspreads in Bewegung, Sentiment auf Jahrestief – die Märkte senden gleichzeitig antizyklische Kaufsignale. Eine Analyse der historischen Muster und aktuellen Datenlagen.
Die Robotikbranche erlebt einen Strukturwandel historischen Ausmasses – angetrieben von KI, sinkenden Kosten und staatlichen Investitionsprogrammen. Für Anleger eröffnet sich ein Wachstumsmarkt, dessen Dynamik mit der Automobilrevolution verglichen wird, schreibt Christophe Pouchoy von La Financière de l’Echiquier (LFDE)
Die Zahlen sind beeindruckend: Bis 2030 könnte die Zahl humanoider Roboter weltweit auf eine Million steigen, bis 2060 gar auf drei Milliarden – so eine Prognose der Bank of America. Was lange als Science-Fiction galt, nimmt heute in Fabrikhallen, Logistikzentren und Operationssälen konkrete Gestalt an.
Weltweit sind derzeit mehr als 4,5 Millionen Industrieroboter im Einsatz. Allein 2024 wurden 540'000 neue Einheiten installiert. Die Robotik entwickelt sich damit zu einem zentralen Produktivitätstreiber – nicht zuletzt, weil sie den demografisch bedingten Rückgang der globalen Erwerbsbevölkerung strukturell abfedern kann. Die Einsatzbereiche reichen von der Logistik bis zur Landwirtschaft, so Christophe Pouchoy von La Financière de l’Echiquier (LFDE) in einer Analyse. «Wir sind überzeugt, dass diese Entwicklung attraktive langfristige Anlagechancen bietet – vergleichbar in ihrer Tragweite mit der Automobilrevolution», schreibt Christophe Pouchoy.
Besonders dynamisch wächst der Medizinrobotik-Markt: Getrieben von Unternehmen wie Intuitive Surgical, Stryker und Thermo Fisher soll er bis 2034 ein Volumen von 138,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Der Markt für autonome Fahrzeuge und Robotaxis wird bis 2040 auf über zwei Billionen US-Dollar geschätzt.
Bei humanoiden Robotern – der konkretesten Ausprägung physischer KI – dominieren derzeit Akteure aus den USA und China. Auf China entfielen 2025 rund 85 Prozent aller Installationen weltweit. Peking hat die humanoide Robotik zur nationalen Priorität erklärt und fördert Unternehmen wie UBTech Robotics, Agibot, Xiaomi, BYD und Unitree Robotics gezielt. Aufgrund technologischer Überschneidungen mit dem autonomen Fahren sind Unternehmen wie Tesla und Horizon Robotics häufig in beiden Segmenten aktiv.
In Europa treiben traditionelle Industriekonzerne die Einführung voran, so der LFDE-Experte. Airbus etwa setzt humanoide Systeme ein, um Produktionsstandorte zu transformieren. Das schwedische Unternehmen Hexagon hat mit seinem Roboter «Aeon» eine Plattform entwickelt, die Objektauswahl, Qualitätsinspektion und die Digitalisierung von Bauteilen mittels hochpräziser Scanner kombiniert.
Ein entscheidender Faktor für die Marktdurchdringung ist die Kostenentwicklung. Kostete ein humanoider Roboter vor fünf Jahren noch rund 1,5 Millionen US-Dollar, liegt der Durchschnittspreis heute bei etwa 50'000 US-Dollar. Das ist ein Rückgang von über 96 Prozent. Mit weiter fallenden Preisen dürfte sich die Verbreitung deutlich beschleunigen: zunächst primär in der industriellen Produktion, in der kommenden Dekade zunehmend auch im direkten Kundenkontakt.