13.05.2026, 14:58 Uhr
Der Schweizer Versicherungskonzern sieht in seinem rund 10 Milliarden Dollar schweren Private-Credit-Portfolio keinerlei Anzeichen für Qualitätsverluste, meldet Bloomberg. Auch andere europäische Versicherer und...
Sieben Aktien dominierten jahrelang Index und Erzählung. Jetzt streuen die Erträge im Rekordtempo, die Korrelationen brechen ein, und neue Themenkörbe rücken in den Vordergrund. Eine Einordnung von Jeff Blazek, Co-CIO Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman.
Das Etikett «Magnificent 7» hatte über fast drei Jahre seine Berechtigung: Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla bestimmten Gewinnwachstum und Kursentwicklung des S&P 500. Doch 2026 zerfällt diese Erzählung. «Das Konzept bildet heute nicht mehr die Marktrealität ab. Es hilft auch nicht mehr bei Marktprognosen», schreibt Jeff Blazek, Co-CIO Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman, in seinen aktuellen «CIO Weekly Perspectives». Wie viele Themen zuvor scheinen auch die Magnificent 7 bald Vergangenheit zu sein.
Die durchschnittliche paarweise 6-Monats-Korrelation der sieben Titel ist 2026 auf 25 Prozent eingebrochen – der tiefste Wert seit mindestens 2019 und deutlich unter den 75 Prozent von Anfang 2023. Entsprechend stark streuen die Erträge:
38 Prozentpunkte Ertragsdifferenz in nur vier Monaten – ein bemerkenswerter Wert für eine Gruppe, die zuvor als Block galt.
Die Ursachen sind fundamental. Vier der sieben Konzerne gelten als Hyperscaler und profitieren direkt vom KI-Infrastrukturaufbau. Die anderen drei – Nvidia bei Chips, Apple bei Hardware, Tesla bei sauberer Energie und E-Mobilität – sind in ihren angestammten Geschäftsfeldern unterwegs. Doch selbst innerhalb der Hyperscaler-Gruppe entwickeln sich die Bewertungen entgegengesetzt: «Noch vor einem Jahr galt Alphabet bei KI als hoffnungslos rückständig, während man Microsoft für einen Gewinner hielt. Jetzt sieht man es umgekehrt», so Blazek.
Hinzu kommt eine Verschiebung an der Spitze der Marktkapitalisierungsrangliste: Broadcom hat Meta und Tesla in der Marktkapitalisierung still überholt. Auch Walmart und Berkshire Hathaway, beide inzwischen mehr als 1 Billion US-Dollar wert, könnten in absehbarer Zeit zu den grössten börsennotierten Unternehmen weltweit aufrücken. Das Sieben-Aktien-Konzept verliert damit auch quantitativ an Trennschärfe.
Wer löst die Magnificent 7 als Mega-Cap-Schablone ab? Aus Sicht von Neuberger Berman braucht es einen neuen Analysenrahmen. Anleger sollten sich intensiver mit Themen und Aktienkörben befassen, die unterschiedliche Phasen der KI-Wertschöpfungskette abbilden – etwa Kapazitätsausbau, Infrastruktur, Nutzung, Anwendung, Integration und Disruption. «Jeder Aktienkorb hat sein eigenes Risikoprofil und eigene Bewertungsfaktoren – und reagiert unterschiedlich stark auf die Konjunktur», so Blazek. Der alte Korb aus sieben Aktien werde zunehmend irrelevant.
Trotz des Bedeutungsverlusts der Magnificent 7 bleibt Neuberger Berman langfristig konstruktiv für Aktien und hat US-Large-Caps zuletzt höher gewichtet. Der S&P 500 erreichte kürzlich – zwei Monate nach Ausbruch des Iran-Krieges und trotz der Blockade der Strasse von Hormus – ein neues Allzeithoch. Treiber sind die Unternehmensgewinne: In vielen Sektoren und Ländern legen sie kräftig zu, gemäss FactSet zum Teil um über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bemerkenswert ist auch der direkte Konjunkturbeitrag der KI-Welle: Laut Analysen von Neuberger Berman trägt allein die KI-Infrastruktur derzeit schätzungsweise einen halben Prozentpunkt zum US-Wirtschaftswachstum bei. Amazon und Meta haben ihre Investitionspläne jüngst erneut angehoben, und es zeigen sich Anzeichen kurzfristiger Kapazitätsengpässe und zunehmender Preismacht der Anbieter.
Auch die geografische Komponente verdient Beachtung: In den ersten beiden Monaten des Jahres lagen Aktien ausserhalb der USA rund 11 Prozentpunkte vor US-Werten, von denen die Wall Street dann rund 6 Prozentpunkte wieder aufholte. Was als Umschichtung in sichere Häfen begann, wird inzwischen zunehmend von den Unternehmensgewinnen getragen.
Im zweiten Halbjahr wird die Fiskalpolitik laut Blazek weniger tun, um hohe Energiepreise abzufedern. Bei einer anhaltenden Blockade der Strasse von Hormus dürfte der wirtschaftliche Schaden weiter zunehmen. Dennoch sei abwartende Passivität der falsche Reflex: «Wenn sich die Titel eines Aktienkorbs wie der Magnificent 7 um 38 Prozentpunkte auseinanderentwickeln, differenziert der Markt offensichtlich stark. Einzelwertauswahl ist wichtiger als Etiketten.»
Die Botschaft an institutionelle Anleger ist eindeutig: Das Mega-Cap-Narrativ der letzten Jahre verliert an Erklärungskraft. Wer 2026 in US-Tech investiert ist, kauft keinen homogenen Block mehr, sondern sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle mit teils gegenläufigen Risiko-Rendite-Profilen. Aktive Selektion auf Basis von KI-Exposure, Cashflow-Qualität und Investitionsdisziplin wird zur entscheidenden Performance-Quelle – nicht mehr die Mitgliedschaft in einem Buchstabenkürzel.