15.05.2026, 07:47 Uhr
Sieben Aktien dominierten jahrelang Index und Erzählung. Jetzt streuen die Erträge im Rekordtempo, die Korrelationen brechen ein, und neue Themenkörbe rücken in den Vordergrund. Eine Einordnung von Jeff Blazek,...
Innerhalb weniger Monate haben Alphabet und Amazon erstmals Schweizer-Franken-Anleihen in Rekordvolumen platziert. Schweizer Pensionskassen, Versicherer und Family Offices werden damit zu direkten Kreditgebern des globalen KI-Infrastruktur-Ausbaus – ohne Fremdwährungsrisiko. Was steckt hinter dem Boom?
Die grössten US-Hyperscaler suchen Kapital in jedem nennenswerten Anleihenmarkt – und der Schweizer Franken hat sich dabei in kürzester Zeit von einer Randdestination zu einer strategischen Finanzierungsquelle entwickelt. Treiber ist eine historische Investitionswelle: Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle haben für 2026 zusammen Investitionsausgaben von rund 725 Milliarden US-Dollar prognostiziert, gegenüber rund 410 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Allein Amazon plant 2026 Investitionen von rund 200 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur.
Der Hunger nach Kapital scheint ungebremst. Bank of America hat ihre Prognose für Hyperscaler-Anleihenemissionen 2026 um 25 Prozent auf 175 Milliarden US-Dollar angehoben. Morgan Stanley rechnet sogar mit bis zu 400 Milliarden US-Dollar.
Hier kommt auch die Schweiz ins Spiel: Den Anfang machte im Februar 2026 die Google-Mutter Alphabet. Im Rahmen einer Multi-Currency-Emission von insgesamt rund 32 Milliarden US-Dollar platzierte der Konzern CHF 3.055 Milliarden über fünf Tranchen mit Laufzeiten zwischen 3 und 25 Jahren – die grösste Unternehmensanleihe, die je im Schweizer Markt begeben wurde. Die Emission übertraf damit den bisherigen Rekord einer CHF 3 Milliarden-Tranche von Roche Holding.
Bei der CHF-Tranche waren BNP Paribas (Lead), Deutsche Bank, Goldman Sachs, J.P. Morgan und Merrill Lynch (Bank of America) federführend. Bemerkenswert: Alphabet hatte bis vor Kurzem überhaupt keine Auslandsanleihen ausstehend. Innerhalb von rund 15 Monaten hat der Konzern den Dollar-, Euro-, Pfund-, Franken- und Kanada-Dollar-Markt angezapft – eine Yen-Emission steht unmittelbar bevor.
Am 12. Mai 2026 folgte Amazon mit dem Debüt am Schweizer Markt. Das Unternehmen platzierte 2.82 Milliarden Franken (rund 3.6 Milliarden US-Dollar) in einer rekordverdächtigen sechsteiligen Transaktion mit Laufzeiten von 3, 6, 9, 12, 18 und 25 Jahren. Das Volumen wurde im Book-Building mehrfach erhöht, die Spreads aller Tranchen wurden nahe der Mitte der ursprünglichen Preisspannen festgelegt. Begleitet wurde der Deal von BNP Paribas, Deutsche Bank und JPMorgan.
Die Logik hinter dem Vorstoss ist laut verschiedenen Quellen ökonomisch wie strategisch motiviert:
Für Schweizer Pensionskassen, Versicherer, Banken und Family Offices ist die Entwicklung einschneidend: Erstmals erhalten sie direkten Zugang zu erstklassigen Investment-Grade-Anleihen (AA-Rating) der grössten US-Tech-Konzerne in Heimwährung – ohne Hedging-Kosten und ohne Währungsrisiko. Die langen Tranchen (15, 18, 25 Jahre) sind insbesondere für Vorsorgeeinrichtungen und Lebensversicherer mit langfristigen Verpflichtungen attraktiv.
Gleichzeitig wandelt sich das Risikoprofil des Schweizer Obligationenmarktes strukturell: AI-bezogene Sektoren machen im JPMorgan U.S. High Liquidity Corporate Bond Index inzwischen 14 Prozent aus und haben damit den US-Bankensektor als grösstes Einzelsegment im Investment-Grade-Markt abgelöst. Was im Dollar-Markt bereits Realität ist, dürfte sich nun mit zeitlichem Versatz auch im Franken-Markt abbilden.
Trotz allen Risiken, die es hier nicht auszublenden gilt: Für Schweizer Institutionelle eröffnet sich damit ein neues Segment mit hoher Qualität und attraktiver Duration – aber mit einem Konzentrationsrisiko, das es im Portfoliokontext zu bewirtschaften gilt. Der CHF-Markt ist 2026 erwachsen geworden: Er finanziert nun mit den globalen Tech-Plattformen einen der grössten Infrastrukturzyklen der Wirtschaftsgeschichte.