13.02.2026, 09:29 Uhr
Eine 100-jährige Anleihe von Alphabet, ein 25-Milliarden-Dollar-Deal von Oracle: Die Grossen der Tech-Branche nutzen ein historisch günstiges Marktumfeld für Unternehmensanleihen. Doch während Emittenten jubeln,...
Rekorde, Rekorde, Rekorde: Die Resultate der Techkonzerne übertrafen die Konsensschätzungen auf der ganzen Linie. Die strategisch relevantere Botschaft liegt in den Investitionsplänen: Die vier Hyperscaler wollen 2026 gemeinsam bis zu 725 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur stecken. Das ist 77 Prozent mehr als im bereits rekordhohen Vorjahr. Für institutionelle Investoren wirft das eine Frage auf: Woher kommt das Kapital für diesen historischen Infrastruktur-Boom – und wer profitiert auf der Finanzierungsseite?
Innerhalb von 80 Sekunden veröffentlichten Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft am Abend des 29. April ihre Q1-Resultate – Apple folgte am Tag darauf. Und die Zahlen hatten es in sich: Alphabet erzielte einen Nettogewinn von 62,6 Milliarden Dollar (+81 Prozent) bei einem Umsatz von 110 Milliarden Dollar (+22 Prozent); Google Cloud sprang um 63 Prozent auf 20 Milliarden Dollar – das stärkste Wachstum unter den drei grossen Cloud-Anbietern.
Bei Amazon legte das AWS-Geschäft um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar zu, der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2022. Microsoft erreichte mit 82,9 Milliarden Dollar Rekordumsatz und stellte für das laufende Quartal ein Azure-Wachstum von 40 Prozent in Aussicht. Meta steigerte den Umsatz um 33 Prozent auf 56,3 Milliarden Dollar, getragen von KI-gestützter Werbeoptimierung. Apple meldete das beste iPhone-Quartal der Unternehmensgeschichte.
«The AI economy is healthy», fasste Brent Thill, Analyst bei Jefferies, das Bild zusammen. «The bear thesis is garbage.»
Trotz solider Zahlen fielen die Marktreaktionen markant unterschiedlich aus. Alphabet legte nachbörslich rund sieben Prozent zu und steuert auf eine Marktkapitalisierung von 4,3 Billionen Dollar zu. Meta dagegen verlor sechs Prozent – ein potenzieller Marktwert-Verlust von 113 Milliarden Dollar an einem Tag. Der entscheidende Unterschied: Alphabet wandelt KI-Investitionen direkt in Cloud-Umsätze um und meldete einen Auftragsbestand von 460 Milliarden Dollar, der künftige Erträge absichert. Meta verfügt über kein Cloud-Geschäft und konnte auf Analystenfragen zum Zeitplan neuer KI-Modelle keine konkreten Antworten liefern. CEO Mark Zuckerberg verwies auf «Qualität» statt auf Deadlines.
«Investors are not interested in growth at any cost», bringt Dec Mullarkey, Managing Director bei SLC Management, das neue Marktsentiment auf den Punkt. Die KI-Honeymoon-Phase ist vorbei. Investoren verlangen heute messbare Cashflows aus den Investitionen – nicht mehr nur Wachstumserzählungen.
Microsoft musste in der Telefonkonferenz eine andere Realität eingestehen. Finanzchefin Amy Hood erklärte, dass von den 190 Milliarden Dollar CapEx-Budget allein 25 Milliarden Dollar auf gestiegene Preise für Speicherchips und andere Komponenten entfallen. «We expect to remain constrained at least through 2026», so Hood. Auch Meta verwies auf höhere Komponentenpreise und intensiven Wettbewerb um Land, Strom und Fachkräfte für Rechenzentren.
Damit wird die zentrale Dynamik der Berichtssaison sichtbar: Die Tech-Giganten investieren in einer Grössenordnung, die selbst ihre Bilanzen herausfordert. Microsoft plant 190 Milliarden Dollar, Amazon rund 200 Milliarden, Alphabet 180 bis 190 Milliarden, Meta 125 bis 145 Milliarden. Alphabet-Finanzchefin Anat Ashkenazi kündigte zudem an, dass die Ausgaben 2027 nochmals «signifikant» steigen werden.
Amazon-CEO Andy Jassy bezeichnete die Phase als «eine Gelegenheit, wie es sie nur einmal im Leben gibt». Zuckerberg formulierte die Grundangst aller Tech-Chefs offen: Er würde lieber Überkapazitäten in Rechenzentren aufbauen, als zu kurz zu greifen. Die Folge dieser Logik ist eine CapEx-Spirale, die den Free Cash Flow einzelner Konzerne bereits unter Druck setzt. Bei Amazon sank der freie Mittelzufluss im Jahresvergleich auf 1,2 Milliarden Dollar, weil zusätzliche 59 Milliarden in KI-Infrastruktur flossen.
Genau hier öffnet sich für institutionelle Investoren ein bislang wenig beachtetes Kapitel. Ein erheblicher Teil der 725 Milliarden Dollar wird nicht über die Bilanzen der Hyperscaler abgewickelt, sondern über ein rasch wachsendes Ökosystem von Drittfinanzierungen – mit Private Credit als zentralem Akteur.
Drei Kanäle sind dabei entscheidend:
Für institutionelle Investoren – auch aus der Schweiz (etwa Schweizer Pensionskassen und Versicherer, die im Rahmen von BVV2 nach Real-Asset-Exposure mit stabilen Ausschüttungen suchen) – eröffnet das Segment strukturelle Vorteile. Die Cashflows sind durch langfristige Mietverträge mit Investment-Grade-Gegenparteien – Alphabet, Amazon, Microsoft – abgesichert. Die Spreads liegen über vergleichbaren Investment-Grade-Anleihen, ohne dass das Ausfallrisiko fundamental höher wäre. Die zugrundeliegenden Assets – Rechenzentren, Stromversorgung, Glasfaser – sind physisch greifbar und schwer ersetzbar.
Das primäre Risiko liegt nicht in der Bonität der Endnutzer, sondern in Timing und Bewertung. Eine Verlangsamung der CapEx-Welle würde die Fundraising-Konditionen für neue Vehikel verschlechtern. Die Q1-Zahlen sprechen jedoch eine deutliche Sprache: Die KI-Erträge enttäuschen nicht, die Cloud-Backlogs wachsen, die Investitionen werden nicht zurückgenommen, sondern erhöht.
Für die strategische Allokation ergibt sich damit ein neues Bild: Die Tech-Giganten liefern die strukturelle Nachfrage, Private Credit übernimmt die Infrastrukturfinanzierung – und institutionelle Investoren positionieren sich an der Schnittstelle beider Bewegungen.