12.05.2026, 15:51 Uhr
Schweizer Aktien machen bei den unabhängigen Vermögensverwaltern 30 Prozent der Aktienallokation aus, US-Titel sind klar untergewichtet, und das Interesse an Nachhaltigkeit nimmt weiter ab: Der jüngste «VSV-ASG...
Der digitale Vermögensverwalter Descartes integriert Bitcoin neu systematisch in die strategische Asset Allocation seiner Säule-3a- und Freizügigkeitsdepots. Damit positioniert sich das Unternehmen laut eigenen Angaben als erster Schweizer Anbieter, der die Kryptowährung nicht als optionales Add-on, sondern als festen Bestandteil eines Vorsorge-Musterportfolios führt.
Bisher konnten Kundinnen und Kunden bei Descartes zwischen zwei etablierten Anlagestrategien wählen. Mit dem neuen Angebot kommt eine dritte Variante hinzu, die eine moderate Bitcoin-Komponente strategisch verankert. Die bestehenden Modelle bleiben unverändert; Anlegerinnen und Anleger, die auf Bitcoin verzichten möchten, können weiterhin auf die klassischen Strategien setzen.
Descartes begründet den Schritt nicht mit Marktstimmung, sondern mit Portfoliomathematik. Eine Beimischung von einem bis fünf Prozent verbessere gemäss den Analysen des Unternehmens die Sharpe Ratio: Das Rendite-Risiko-Verhältnis steige, ohne dass das Gesamtrisiko des Portfolios zunehme. Die Gewichtung basiert auf quantitativen Modellen und klar definierten Risikobudgets.
«Bitcoin ist die bedeutendste monetäre Innovation seit Jahrzehnten. Er gehört als fester Bestandteil in ein Anlagekonzept», lässt sich Rino Borini, Verwaltungsratspräsident von Descartes, zitieren. Adriano Lucatelli, Gründer und CEO, ergänzt: «Unser Anspruch ist es, diese Verantwortung aktiv wahrzunehmen, statt sie de facto an die Kundschaft zu delegieren.»
Die Bitcoin-Exposition wird über regulierte Exchange-Traded Products abgebildet, die an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden. Als Emittenten-Partner setzt Descartes auf BlackRock und kombiniert damit die Infrastruktur eines globalen Asset Managers mit dem Anlageprozess eines Schweizer Fintechs. Im freien Vermögen ist Bitcoin bei Descartes seit rund einem Jahr Bestandteil der Allokation – die Erfahrungen daraus hätten den Entscheid für die Vorsorgegefässe bestätigt, heisst es beim Anbieter.
Mit dem Schritt verändert sich die Diskussion im Schweizer Vorsorgemarkt. Während Bitcoin-ETPs seit Jahren über die SIX zugänglich sind und einzelne Sammelstiftungen punktuell Krypto-Anlagen zulassen, war die strategische Integration in ein Standard-Musterportfolio bisher die Ausnahme. Descartes verlagert die Allokationsentscheidung damit weg von der Selbstverantwortung der Kundschaft hin zum institutionellen Anlageprozess – ein Modell, dem weitere digitale Vermögensverwalter im Säule-3a-Segment in den kommenden Monaten folgen dürften.