19.05.2026, 09:37 Uhr
Die Online-Bank Swissquote und die Zürcher Anlageboutique The Singularity Group (TSG) bringen gemeinsam ein neues Anlageprodukt auf den Markt. Das Zertifikat «Swissquote Innovation Money Makers» wendet die...
Der US-Dollar befindet sich in einer der schwierigsten Phasen seit dem Ende der ersten Trump-Amtszeit. Moody's hat die letzte verbliebene Top-Bonität der USA gekippt. Der Greenback hat seither rund 13 Prozent an Wert gegenüber dem Franken verloren. Für Schweizer Investoren stellt sich die Frage nicht mehr, ob, sondern wie sie ihre Dollar-Exposition managen.
Per 19./20. Mai 2026 notiert der US-Dollar-Index (DXY) bei rund 99.4 Punkten, EUR/USD bewegt sich im Mai zwischen 1.163 und 1.177. Damit hat der Greenback seit Jahresbeginn deutlich an Wert eingebüsst: Anfang 2026 notierte EUR/USD noch teils über 1.20, nachdem politische Aussagen aus dem Weissen Haus den Kurs vorübergehend bewegt hatten. Der DXY ist Anfang Mai zwischenzeitlich auf ein Zehn-Wochen-Tief von rund 97.8 gefallen, bevor neue Eskalationsängste am Persischen Golf und ein überraschender US-Inflationssprung den Index wieder Richtung 99.4 schoben.
Das Bild ist ungewöhnlich, weil klassische Stützen des Dollars derzeit kaum durchgreifen. Die US-Notenbank hat im April mit 8 zu 4 Stimmen den Leitzins bei 3.50 bis 3.75 Prozent belassen – das war die dissensreichste Fed-Sitzung seit Oktober 1992. Ölpreise sind seit Jahresbeginn um rund 60 Prozent gestiegen, die Inflation kletterte auf 3.8 Prozent. Eine solche Mischung würde den Dollar in einem normalen Zyklus klar stärken. Stattdessen pricen die Märkte eine Fed ein, die weder senken kann (Inflation zu hoch) noch erhöhen will (Wachstum zu weich) – während globale Reserven leise aus US-Aktiva abgezogen werden.
Das prägende Ereignis der vergangenen Wochen ist die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch Moody's von Aaa auf Aa1. Damit hat als dritte und letzte der grossen Ratingagenturen auch Moody's der amerikanischen Bundesregierung die höchste Bonitätsstufe entzogen – S&P hatte diesen Schritt 2011 vollzogen, Fitch 2023. Begründet wird das Downgrade mit der ausufernden Staatsverschuldung von über 36 Billionen US-Dollar (rund 125 Prozent des Bruttoinlandprodukts) und mit dauerhaft hohen Zinszahlungen, die einen wachsenden Anteil des Bundeshaushalts binden.
Die Marktreaktion war eindeutig: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang auf rund 4.5 Prozent, der Dollar geriet trotz höherer Renditen unter Druck. Dieses Muster – steigende Renditen bei gleichzeitig fallender Währung – ist ein Warnsignal. Es spricht dafür, dass internationale Investoren nicht mehr bereit sind, die strukturellen US-Risiken zum bisherigen Preis zu tragen. Die Risikoprämie für Dollar-Aktiva ist gestiegen, ohne dass eine offensichtliche Lösung in Sicht wäre.
Symbolisch wiegt der Schritt mehr als ökonomisch. Die USA können sich nach wie vor in der eigenen Währung finanzieren, die Fed bleibt Lender of Last Resort. Doch der Mythos vom risikolosen US-Treasury hat einen weiteren Riss bekommen – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die globalen Reservemanager ohnehin diskutieren, wie viel Dollar-Anteil noch zeitgemäss ist.
Die grossen Banken sind sich für 2026 ungewöhnlich einig: Der Dollar dürfte mittelfristig weiter nachgeben. Strittig ist nur die Geschwindigkeit.
TD Securities hat im Mai präzisiert, dass selbst ein Verzicht der Fed auf Zinssenkungen den Dollar nicht stützen dürfte. Sobald die Spannungen am Persischen Golf nachliessen und die Strasse von Hormuz wieder uneingeschränkt befahrbar sei, dürfte der DXY nachhaltig unter 98 fallen. Morgan Stanley geht weiter und sieht den Index in Richtung 91 – getragen von nachlassendem US-Wachstum und erwarteten Fed-Lockerungen 2027. Die UBS Switzerland hat ihre USD/CHF-Prognose im Mai auf 0.78 per Dezember bestätigt. Die St. Galler Kantonalbank rechnet auf Zwölfmonatssicht mit USD/CHF zwischen 0.74 und 0.79.
Auffällig ist die Position von Goldman Sachs: Während die Bank den Franken kurzfristig für überbewertet hält und einen technischen Rebound für möglich erachtet, empfiehlt sie Short-Positionen in EUR/CHF als beste Absicherung gegen geopolitische Schocks. Die Botschaft: Der Franken bleibt strukturell die bevorzugte Fluchtwährung, auch wenn er kurzfristig konsolidieren kann.
Die strukturellen Faktoren überwiegen klar die zyklischen. Selbst wenn der Iran-Konflikt deeskaliert und damit ein wesentlicher Inflationstreiber wegfällt, bleibt die fiskalische Lage in Washington das dominierende Thema. Ein US-Haushaltsdefizit von rund 6 Prozent des BIP im Friedensfall ist historisch beispiellos und bindet die Fed mittelfristig: Eine echte geldpolitische Normalisierung würde die Zinslast für den Bundeshaushalt schnell unhaltbar machen.
Für Schweizer Investoren ist die Dollar-Schwäche kein neues Phänomen, aber 2026 verdichtet sich der Befund. Der USD/CHF-Kurs ist im Jahresverlauf zeitweise auf 0.7630 abgesackt; aktuell pendelt er um 0.787. Auf Sicht von zwölf Monaten signalisieren die meisten Schweizer Häuser weiteres Abwärtspotenzial. Damit stellt sich für Privatanleger, institutionelle Investoren und Schweizer Unternehmen mit US-Geschäft gleichermassen die Frage nach dem richtigen Umgang mit der strukturellen Frankenstärke.
Trotz des klaren Konsenses für einen weiteren Dollar-Rückgang gibt es Szenarien, in denen sich der Wind dreht. Cambridge Currencies und andere Strategen nennen drei Bedingungen, von denen mindestens zwei eintreten müssten, damit der DXY nachhaltig über 100 zurückkehrt:
Keines dieser Szenarien wird derzeit von den grossen Häusern als Basisfall eingepreist. Ein technischer Rebound bis in den Bereich 100 bis 101 ist immer möglich, eine nachhaltige Trendwende wäre eine handfeste Überraschung.
Aus der Gesamtschau ergeben sich für Schweizer Anleger fünf praktische Leitplanken:
Man kann sich lange darüber unterhalten, ob die Dollarschwäche politisch gewollt ist oder nicht. Tatsache ist, dass die Schwäche eine Tatsache ist, mit der sich die Investoren konfrontiert sehen. Über zwei Jahrzehnte hatte der Greenback eine Risikoprämie nach unten genossen, die sich aus dem Status der Weltreservewährung, der Tiefe der US-Kapitalmärkte und der Bonität der US-Regierung speiste. Alle drei Säulen werden seit 2025 vorsichtiger bewertet – das Moody's-Downgrade ist nur der bislang sichtbarste Ausdruck dieses Prozesses. Für Schweizer Anleger ist die Botschaft nicht apokalyptisch, aber unmissverständlich: Die historische Selbstverständlichkeit, mit der Welt-Portfolios stark dollar-lastig konstruiert wurden, gehört auf den Prüfstand. Eine Diversifikation über Währungen, Regionen und Anlageklassen war in den vergangenen Jahren ein theoretisches Lehrbuchprinzip – 2026 wird sie zu einer praktischen Notwendigkeit.