21.09.2026, 07:19 Uhr
Bitcoin hat sich nach einer turbulenten Woche wieder deutlich erholt und notiert am Montagmorgen bei rund 81’000 bis 82’000 US-Dollar – dem höchsten Stand seit rund zwei Wochen. Auslöser der jüngsten...
US-Staatsanleihen haben ihr schwächstes Quartal seit Jahrzehnten hinter sich. Bitcoin legte im selben Zeitraum über 40 Prozent zu. Ein sicherer Hafen ist die Kryptowährung damit noch nicht: Schlägt die Unruhe am Anleihemarkt abrupt durch, gerät auch sie unter Druck.
Vor genau einem Jahr, am 6. Oktober 2025, erreichte Bitcoin mit 126'198 US-Dollar sein bisheriges Allzeithoch. Heute liegt der Kurs rund 30 Prozent tiefer, und seit Jahresbeginn steht ein Minus von etwa 5 Prozent. Diese Bilanz verdeckt allerdings eine erstaunliche Entwicklung der vergangenen drei Monate.
Im dritten Quartal stieg Bitcoin von rund 58'500 auf zeitweise über 86'000 US-Dollar, ein Plus von 42,9 Prozent. Das ist das beste dritte Quartal seit 2017. Gold gewann im selben Zeitraum 8,7 Prozent, der S&P 500 rund 2 Prozent.
Gleichzeitig erlebten die US-Staatsanleihen einen ausgeprägten Ausverkauf. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries stieg im Quartal um rund 0,87 Prozentpunkte, so stark wie seit Anfang 1994 nicht mehr. Am 30. September erreichte sie zeitweise 5,30 Prozent, den höchsten Stand seit Mai 2002. Die 30-jährige Rendite schloss den September bei 5,62 Prozent.
Nach gängiger Lehrmeinung müssten steigende Renditen Anlagen ohne laufenden Ertrag besonders belasten. Die Daten bestätigen das für Bitcoin derzeit nicht. Über 90 Tage beträgt die Korrelation zwischen den täglichen Bitcoin-Renditen und den Veränderungen der zehnjährigen US-Rendite −0,18, über ein Jahr −0,03. Statistisch ist das kaum mehr als Rauschen. Gold reagiert mit einer Korrelation von −0,41 deutlich stärker auf die Zinsbewegung.
Dass Bitcoin dauerhaft unabhängig von den Zinsen wäre, folgt daraus allerdings nicht. Noch im März 2026 lag die Korrelation bei +0,32. Der Zusammenhang wechselt also mit dem Marktumfeld.
Wie verletzlich Bitcoin bleibt, zeigte der 23. September. Nach starken US-Konjunkturdaten stieg die Zehnjahresrendite an einem Tag um 15 Basispunkte auf über 5,1 Prozent. Der MOVE-Index, der die erwartete Schwankung am US-Anleihemarkt misst, sprang um 21 Prozent auf 95 Punkte und am Folgetag weiter auf 104,6. Bitcoin fiel von 87'200 auf 83'500 US-Dollar. Das offene Interesse an Krypto-Futures sank um fast 6 Prozent auf 149 Milliarden US-Dollar.
Opeyemi Babalola, Analyst bei Investing.com, sieht darin einen Abbau von Hebelpositionen, ausgelöst durch einen nervösen Anleihemarkt, und kein grundsätzliches Urteil über Bitcoin. Schaden richteten demnach die Anleihevolatilität und eine restriktive Notenbank an, nicht das Renditeniveau selbst.
Auffällig ist, wie gelassen der Optionsmarkt blieb. Die implizite 30-Tage-Volatilität von Bitcoin (BVIV) lag am 24. September bei rund 37 und damit nahe dem Jahrestief von 35.
Entscheidend ist derzeit die US-Notenbank. Am 16. September hob sie den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, zum ersten Mal seit drei Jahren. Ende September rechneten die Märkte zeitweise mit einer Wahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln mit einem weiteren Schritt im Oktober.
Tim Sun, Senior Researcher bei der HashKey Group, hält eine zweite Erhöhung für das grössere Risiko für Bitcoin als den im Senat gescheiterten CLARITY Act zur Kryptoregulierung. Sie könnte den Schritt vom September als Beginn einer Reihe von Straffungen erscheinen lassen statt als einmalige Vorsichtsmassnahme.
Anfang Oktober drehte die Stimmung. Die US-Wirtschaft schuf im September nur 29'000 neue Stellen, weniger als erwartet. Die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Erhöhung fiel innert weniger Tage auf rund 20 Prozent. Bitcoin stieg am Montag wieder über 86'000 US-Dollar. Die nächste Fed-Sitzung findet am 28. Oktober statt.
Neben dem Fed ist ein weiterer Punkt entscheidend: Getragen wurde die Erholung beim Bitcoin auch von institutioneller Nachfrage. Im dritten Quartal flossen netto 6,3 Milliarden US-Dollar in die US-Bitcoin-Spot-ETFs. Allein in der Woche bis 29. September flossen laut CoinShares 2,52 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-Fonds. Auf das ganze Jahr gesehen relativiert sich das Bild: Nach Abflüssen von rund 5,4 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr stehen seit Januar nur knapp 1 Milliarde US-Dollar Nettozuflüsse zu Buche.
Die On-Chain-Daten deuten auf eine solidere Basis hin als in früheren Rallys. Laut Glassnode sind die Bitcoin-Bestände auf Handelsplattformen auf 2,68 Millionen BTC gesunken, ein Dreijahrestief. Die Finanzierungssätze am Terminmarkt liegen nahe null, Long-Positionen sind also kaum überhebelt. Glassnode warnt allerdings davor, die jüngsten Kursgewinne allein den gesunkenen Zinserwartungen zuzuschreiben.
Für institutionelle Anleger ist die Unterscheidung wichtig: Eine niedrige durchschnittliche Korrelation ist nicht dasselbe wie ein verlässlicher Schutz in der Krise. Die Episode vom September liefert keinen Beleg dafür, dass Bitcoin ein Anleiheportfolio gerade dann stabilisiert, wenn dieses unter einem abrupten Renditeschock leidet.
Die Debatte über die Rolle im Portfolio hat sich dennoch verschoben. Fidelity Digital Assets kommt in der Studie «Getting Off Zero» vom März 2026 zum Schluss, dass sich inzwischen eher rechtfertigen müsse, wer keine Bitcoin hält. Laut Research-Direktor Chris Kuiper fielen die Ergebnisse historisch besser aus, wenn eine Bitcoin-Beimischung aus dem Anleiheteil eines klassischen 60/40-Portfolios finanziert wurde. Die Studie stammt allerdings von einem Anbieter, der selbst Bitcoin-Produkte vertreibt.