Bitcoin im Stresstest: Was heisst das für Anleger?

Das grosse Abwarten geht weiter: Nach einem Einbruch des Bitcoins Ende 2025 warten die Anleger weiterhin auf positive Signale (Bild: Adobe Stock)
Das grosse Abwarten geht weiter: Nach einem Einbruch des Bitcoins Ende 2025 warten die Anleger weiterhin auf positive Signale (Bild: Adobe Stock)

Der Bitcoin-Kurs bewegt sich in einem fragilen Gleichgewicht. Nach einem historisch schwachen ersten Halbjahr notiert die Kryptowährung zuletzt bei rund 62'000 bis 63'000 US-Dollar – deutlich unter dem Rekordhoch von 126'198 Dollar vom Oktober 2025, aber auch spürbar über dem 21-Monats-Tief von rund 57'800 bis 58'000 Dollar, das Ende Juni erreicht wurde

14.07.2026, 10:34 Uhr
Krypto

Redaktion: asc

Zunächst der Rückblick, den manche Krypto-Anleger lieber nicht sehen wollen: Bitcoin startete das Jahr 2026 noch oberhalb von 93'000 Dollar. Heute driftet er um die 60'000er-Marke Der eigentliche Absturz begann jedoch schon im Oktober 2025. Dieser Einbruch wird fast vollständig auf zwei Faktoren zurückgeführt: die sich abzeichnende restriktive Geldpolitik der US-Notenbank sowie der Mittelabfluss aus den US-Spot-Bitcoin-ETF. Gleichzeitig wird ersichtlich, dass Bitcoin nicht als «digitales Gold» in Krisenzeiten gehandelt wird. Trotz der Iran-Krise stieg der Kurs nicht an.

Rekordabflüsse bei den ETF – und eine zaghafte Trendwende

Die Zahlen zu den Fondsflüssen sind der meistbeachtete institutionelle Indikator des Sommers. Gemäss einer Auswertung von SpotedCrypto zogen Investoren im zweiten Quartal 2026 netto rund 5 Milliarden Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETF ab – der grösste Quartalsabfluss seit der Lancierung der Produkte im Januar 2024. Allein im Juni waren es laut Daten von SoSoValue, zitiert von 24/7 Wall St. und Crypto Times, rund 4,5 Milliarden Dollar, der schlechteste Monat seit Bestehen der Fonds. Federführend beim Abbau war BlackRocks IBIT, wie SpotedCrypto unter Berufung auf CoinDesk berichtet.

Anfang Juli deutete sich eine Stabilisierung an: Nach einem zehntägigen Abflussstreik über 2,73 Milliarden Dollar registrierten die Fonds am 2. Juli erstmals wieder Nettozuflüsse von gut 220 Millionen Dollar. CoinShares-Analyst James Butterfill wird von SpotedCrypto mit den Worten zitiert, das Sentiment «könnte gerade um die Ecke biegen», während die auf Onchain-Daten spezialisierte Researchfirma Swissblock laut derselben Quelle festhält, die «überwältigendste ETF-Verkaufswelle dieses Bärenmarkts» sei zu Ende – das institutionelle Engagement bleibe aber «unvollständig». Techtimes beziffert den Anteil der ETF-Flows an den wöchentlichen Kursbewegungen inzwischen auf rund 45 Prozent.

Belastungsfaktor Zinspolitik und Geopolitik

Die weitere Richtung dürfte massgeblich von zwei Faktoren abhängen, die den Markt bereits das gesamte Jahr über begleiten: dem Kurs der US-Notenbank in der Zinspolitik sowie der Entwicklung der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Kommende US-Inflationsdaten gelten laut Bitfinex-Analysten als möglicher «Pivot Point» für die kurzfristige Richtung: Ein schwächerer Inflationsausweis würde die Hoffnung auf eine geldpolitische Pause stützen, ein hartnäckig hoher Wert dagegen das Szenario weiter steigender Zinsen und damit höherer Opportunitätskosten für eine nicht verzinste Anlage wie Bitcoin nähren, wie Interactivecrypto festhält.

Auch die jüngste Eskalation der Spannungen zwischen den USA und Iran rund um die Strasse von Hormuz hat den Kurs zeitweise belastet und laut Tradingkey zu Zwangsliquidationen gehebelter Long-Positionen im zweistelligen Millionenbereich geführt. Gleichzeitig hält gemäss Interactivecrypto die Akkumulation grosser Adressen – sogenannter Whales – an: Über 270'000 BTC sollen in den vergangenen Wochen im Bereich der Jahrestiefs aufgekauft worden sein, was manche Beobachter als Zeichen dafür werten, dass grosse Halter das aktuelle Niveau als Kaufgelegenheit einstufen.

Analystenmeinungen driften weit auseinander

Bei den Kurszielen der Banken zeigt sich derzeit eine ungewöhnlich breite Streuung. Citigroup senkte sein 12-Monats-Kursziel gemäss 24/7 Wall St. von 112'000 auf 82'000 Dollar und rechnet in ihrem Basisszenario neu mit keinerlei zusätzlichen ETF-Zuflüssen im kommenden Jahr – unter anderem, weil der «Clarity Act», der institutionellen Anlegern Rechtssicherheit verschaffen soll, weiterhin im US-Senat blockiert ist. Das Bär-Szenario der Bank liegt bei rund 53'000 Dollar. Demgegenüber hält Standard-Chartered-Analyst Geoffrey Kendrick laut Crypto Times an einem Jahresendziel von 100'000 Dollar fest und wertet die aktuelle Schwäche als mögliche Kaufzone, sofern der ETF-Druck nachlässt.

Schweizer Perspektive

Für institutionelle Schweizer Anleger ist neben der kurzfristigen Kursbewegung vor allem die strukturelle Frage der Adoption relevant. Entsprechend zögerlich ist man beim Einsatz dieser Assetklasse. Anders bei den Privat-Anlegern: Eine repräsentative Befragung von 1772 Personen der Deutsch-, West- und Südschweiz durch das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) im Auftrag der Luzerner Kantonalbank zeigt zudem, dass aktuell rund 18 Prozent der befragten Personen Kryptoanlagen halten und im vergangenen Jahr schätzungsweise 140'000 neue Anlegerinnen und Anleger hinzugekommen sind – die Mehrheit der Bevölkerung bleibt der Studie zufolge aber weiterhin skeptisch. Die Studie hält zudem fest, dass viele Neueinsteiger prozyklisch in Haussephasen einsteigen, während ausgeprägte Bärenmarktphasen seltener als Einstiegszeitpunkt genutzt werden – ein Muster, das sich angesichts der aktuellen Kursschwäche auch in den kommenden Monaten beobachten lassen dürfte.

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