14.07.2026, 10:34 Uhr
Der Bitcoin-Kurs bewegt sich in einem fragilen Gleichgewicht. Nach einem historisch schwachen ersten Halbjahr notiert die Kryptowährung zuletzt bei rund 62'000 bis 63'000 US-Dollar – deutlich unter dem Rekordhoch...
Beim kanadischen Anbieter Coinkite wurden über mehrere Angriffswellen hinweg rund 1'816 Bitcoin im Gegenwert von knapp 116 Millionen US-Dollar abgezogen. Gleichzeitig zeigen die US-Spot-ETFs zuletzt wieder Nettozuflüsse – ein Kontrast, der die Debatte über Selbstverwahrung versus institutionelle Verwahrung neu befeuert.
Der Vorfall betrifft das Coldcard-Wallet des Herstellers Coinkite und geht auf einen Fehler in der Geräte-Firmware zurück, der 2021 eingeführt wurde. Statt auf den hardwarebasierten Zufallszahlengenerator des Chips zurückzugreifen, nutzten betroffene Geräte einen deterministischen Software-Algorithmus zur Erzeugung der privaten Schlüssel. Dadurch liessen sich bei einem Teil der Wallets die sogenannten Seeds – die Basis für den privaten Schlüssel – rekonstruieren, sofern die Angreifer Geräte-ID, Zeitstempel und frühere Zufallswerte einschätzen konnten.
Die Attacke erfolgte in vier dokumentierten Wellen zwischen dem 30. Juli und dem 3. August. Die Analysefirma Galaxy Research bezifferte den Schaden nach der ersten Welle noch auf rund 70,2 Millionen US-Dollar aus 1'196 Adressen, ehe weitere Wellen den Betrag sukzessive auf zuletzt rund 116 Millionen US-Dollar aus mehr als 5'200 Adressen anwachsen liessen. Betroffen sind ausschliesslich Wallets, deren Seeds nach dem Firmware-Update vom März 2021 erzeugt wurden; die Modelle Mk4, Q und Mk5 gelten nach Angaben von Coinkite bislang als nicht betroffen.
Bemerkenswert: Ein grosser Teil der gestohlenen Bitcoin – rund 1'158 der insgesamt abgezogenen Coins aus den ersten beiden Wellen – wurde bislang nicht bewegt und verbleibt auf den Adressen der Angreifer. Galaxy Research wertet dies als ungewöhnlich für einen Diebstahl dieser Grössenordnung und vermutet entweder ein bewusstes Abwarten der Täterschaft oder fehlende Möglichkeiten zur unauffälligen Verwertung der Beute.
Der Vorfall reiht sich laut der Sicherheitsfirma Blockaid in ein grösseres Muster ein: Der Grossteil der Krypto-Verluste im ersten Halbjahr 2026 sei nicht auf Smart-Contract-Angriffe, sondern auf kompromittierte Schlüssel und operative Sicherheitsfehler zurückzuführen – eine Kategorie, in die auch der Coldcard-Fall fällt, da die Schwachstelle bereits bei der Schlüsselerzeugung ansetzt. Für Marktbeobachter nährt dies die Frage, ob die Verwaltung privater Schlüssel für Privatanleger zunehmend zu komplex wird und professionelle Verwahrlösungen an Bedeutung gewinnen.
Coinkite selbst räumte in einer Stellungnahme ein, dass die vergangenen Tage zu den schwierigsten in der Firmengeschichte gehört hätten, und rief betroffene Nutzerinnen und Nutzer auf, ihre Bestände umgehend auf neu generierte Wallets zu übertragen.
Während die Hardware-Wallet-Branche mit den Folgen des Vorfalls kämpft, zeigt sich bei den institutionellen Zugangswegen ein gemischtes, zuletzt aber wieder positives Bild. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 3. August gemäss Farside-Daten einen Nettozufluss von 170,1 Millionen US-Dollar, nachdem tags zuvor noch ein Abfluss von rund 265 Millionen US-Dollar registriert worden war – Letzterer war laut Marktdaten zu einem grossen Teil auf den BlackRock-Fonds IBIT zurückzuführen, der davon rund 122,7 Millionen US-Dollar beisteuerte.
Der Juli schloss für die US-Spot-Produkte insgesamt mit einem Plus von 172,4 Millionen US-Dollar ab – der erste positive Monat seit April. Für das laufende Jahr weisen die Fonds dennoch weiterhin einen kumulierten Abfluss von rund 5,3 Milliarden US-Dollar aus. Der IBIT von BlackRock bleibt mit einem Julizufluss von rund 350 Millionen US-Dollar die dominierende Kraft im Markt, auch wenn dieser Wert im Vergleich zu den Abflüssen von 1,41 Milliarden US-Dollar im Mai und 3,55 Milliarden US-Dollar im Juni bescheiden ausfällt.
Bitcoin notierte zuletzt bei rund 63'800 US-Dollar, nachdem der Kurs am 1. August kurzzeitig unter die Marke von 63'000 US-Dollar gerutscht war. Der Gesamtmarkt für Kryptowährungen erreichte zu diesem Zeitpunkt eine Kapitalisierung von rund 2,16 Billionen US-Dollar, wovon knapp 58,4 Prozent auf Bitcoin entfielen.
Analystinnen und Analysten verweisen auf zwei markante technische Marken: Ein Tagesschluss oberhalb von 66'885 US-Dollar könnte laut Marktbeobachtern den Weg in Richtung 76'118 US-Dollar öffnen, während ein Rückfall unter 60'965 US-Dollar die Zone um 54'000 US-Dollar in Reichweite rücken liesse. Zur Vorsicht mahnt zusätzlich die Saisonalität: Der August hat seit 2022 jedes Jahr negativ geschlossen, mit einem historischen Medianwert von minus 7,87 Prozent – dem schwächsten aller Monate.
Gegenläufig dazu bewegen sich die On-Chain-Daten: Die Zahl der Adressen mit mindestens 1'000 Bitcoin stieg Ende Juli erneut an – ein Hinweis darauf, dass grosse Halter die jüngste Kursschwäche zum Nachkaufen nutzen, während institutionelle Fonds bislang zurückhaltender agieren.