04.08.2026, 09:20 Uhr
Beim kanadischen Anbieter Coinkite wurden über mehrere Angriffswellen hinweg rund 1'816 Bitcoin im Gegenwert von knapp 116 Millionen US-Dollar abgezogen. Gleichzeitig zeigen die US-Spot-ETFs zuletzt wieder...
Bitcoin hat sich nach einer turbulenten Woche wieder deutlich erholt und notiert am Montagmorgen bei rund 81’000 bis 82’000 US-Dollar – dem höchsten Stand seit rund zwei Wochen. Auslöser der jüngsten Gegenbewegung sind kräftige Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs am Ende der vergangenen Woche.
Die vergangene Woche hatte turbulent begonnen: Rund um den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs am 15. und 16. September Nettoabflüsse von zusammen rund 746 Millionen US-Dollar – der stärkste zweitägige Abzug seit Monaten.
Am Donnerstag und Freitag drehte das Bild jedoch abrupt: Die Fonds zogen netto rund 593 Millionen US-Dollar an, angeführt von Fidelitys FBTC mit gut 311 Millionen und BlackRocks IBIT mit gut 108 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich resultierte für die Woche damit ein leicht positiver Netto-Zufluss von rund 6 Millionen US-Dollar – die Verluste der Wochenmitte wurden also fast, aber nicht ganz wettgemacht.
Bitcoin selbst legte am Freitag über 6 Prozent zu und hat den Gewinn seither gehalten. In Singapur erreichte der Kurs am Montag zwischenzeitlich bis zu 82’078 US-Dollar. Damit rückt die Marke von 82’266 US-Dollar vom 4. September wieder in Reichweite – ein Ausbruch darüber würde ein Viermonatshoch markieren. Analysten verweisen zudem auf eine Widerstandszone zwischen 82’000 und 83’000 US-Dollar; ein nachhaltiger Ausbruch nach oben könnte laut Marktbeobachtern Kursziele von 85’000 bis 86’000 US-Dollar eröffnen, da in diesem Bereich eine Konzentration von Short-Liquidationsniveaus liegt.
Die schwierige Vorwoche war von zwei grösseren Ereignissen geprägt:
Erstens erhöhte die US-Notenbank die Leitzinsen erstmals seit über drei Jahren um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent – ein Schritt, der Liquidität verteuert und risikoreiche, zinslose Anlagen wie Bitcoin tendenziell belastet.
Zweitens scheiterte im US-Senat die prozedurale Abstimmung zum «Digital Asset Market CLARITY Act», dem lange erwarteten Gesetz zur Regulierung digitaler Vermögenswerte, mit 49 zu 50 Stimmen – 60 Stimmen wären nötig gewesen. Das Gesetz hätte die Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC klar geregelt.
Für etwas Aufhellung sorgte am Donnerstag die US-Börsenaufsicht SEC selbst: Sie erteilte eine auf fünf Jahre befristete «Innovation Exemption», die es qualifizierten Handelsplattformen erlaubt, tokenisierte Aktien on-chain zu handeln, ohne sich als reguläre Börse oder Broker-Dealer registrieren zu müssen. SEC-Chairman Paul Atkins begründete den Schritt damit, dass die Behörde innerhalb ihrer bestehenden gesetzlichen Befugnisse handle, nachdem der Kongress beim CLARITY Act nicht vorangekommen sei. Juristen weisen allerdings darauf hin, dass eine Verwaltungsmassnahme ein Gesetz nicht ersetzt: Sie kann von einer künftigen Administration jederzeit wieder zurückgenommen werden und bietet damit weniger Rechtssicherheit als eine gesetzliche Regelung.
Trotz der Erholung bleiben Marktteilnehmer vorsichtig. Belastend wirken weiterhin ein Ölpreis von über 100 US-Dollar pro Fass sowie erhöhte US-Staatsanleihenrenditen. «Für diese Woche gibt es keine grossen Katalysatoren, aber jede hawkishe oder dovishe Äusserung von Fed-Mitgliedern könnte den Markt bewegen», zitiert Bloomberg Jeff Mei, Chief Operating Officer der Handelsplattform BTSE.
Die Gesamtsituation bestätigt ein Muster, das sich bereits im August und September gezeigt hatte: Bitcoin reagiert extrem sensibel auf tägliche ETF-Kapitalflüsse und auf die Zinserwartungen der Fed. Die kumulierten Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs seit deren Lancierung belaufen sich mittlerweile auf rund 55,1 Milliarden US-Dollar bei einem verwalteten Gesamtvermögen von rund 102,5 Milliarden US-Dollar; BlackRocks IBIT bleibt mit rund 63 Milliarden US-Dollar der mit Abstand grösste Fonds, gefolgt von Fidelitys FBTC mit rund 14,3 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger bedeutet dies: Eine nachhaltige Trendwende ist erst bestätigt, wenn die ETF-Zuflüsse über mehrere Wochen stabil positiv bleiben und Bitcoin die Widerstandszone bei 82’000 bis 83’000 US-Dollar überzeugend hinter sich lässt. Bis dahin bleibt der Markt anfällig für scharfe Gegenbewegungen in beide Richtungen.