12.05.2026, 15:51 Uhr
Schweizer Aktien machen bei den unabhängigen Vermögensverwaltern 30 Prozent der Aktienallokation aus, US-Titel sind klar untergewichtet, und das Interesse an Nachhaltigkeit nimmt weiter ab: Der jüngste «VSV-ASG...
Die Aktienmärkte haben den Schock des Irankriegs grösstenteils verarbeitet: Die meisten grossen Indizes notieren laut den Mai-«Perspektiven» von Swiss Life Asset Managers (SLAM) auf oder nahe dem Vorkriegsniveau. Die Multi-Asset-Strategen haben ihre Aktienposition aber leicht abgebaut – mit der Begründung, dass die Märkte eine Lösung des Konflikts zunehmend einpreisen. Dies schreibt SLAM in ihrem jüngsten Konjunktur- und Marktausblick.
Die zum Teil sehr hohen Bewertungen bei Aktien werden laut der Analyse von Swiss Life Asset Managers (SLAM) von Fundamentaldaten gestützt. Die Berichtssaison sei in den USA stark angelaufen: Die Umsätze überraschten um 2 Prozent, die Gewinne um satte 10 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 wird in den USA ein Gewinnwachstum von 18 bis 19 Prozent prognostiziert, in den Schwellenländern – getrieben von Korea – sogar von über 40 Prozent. Die «Magnificent 7» – die wichtigen Tech-Werte – legten allein im April um 16.7 Prozent zu, asiatische Tech-Werte wie SK Hynix und Samsung gar um über 60 beziehungsweise 30 Prozent.
Das führt dazu, dass das Übergewicht in Schweizer Aktien leicht zurückgefahren wurde. Begründet wird dies mit fehlenden kurzfristigen Impulsen: Der Schweizer Aktienmarkt erzielte im April eine deutliche Underperformance, belastet vom starken Franken, dem überdurchschnittlich grossen Effekt höherer Energiepreise und der schwachen Performance der Indexschwergewichte. Wegen der defensiven Sektorzusammensetzung und der starken Fundamentaldaten führender Schweizer Unternehmen bleibt SLAM jedoch leicht übergewichtet.
Auch hiesigen Firmenanleihen hält SLAM am Untergewichten fest. Die Spreads hätten sich auf historisch tiefe Niveaus verengt, was das Renditepotenzial einschränke und gegenüber Aktien eine ungenügende Risikokompensation biete. Übergewichtet bleiben NAV-basierte Schweizer Immobilien, getragen von einer günstigen Marktdynamik und nachhaltig gestützter Nachfrage.
Auf der Konjunkturseite halten die Volkswirte um Damian Künzi an einem grundsätzlich konstruktiven Bild fest. Für die USA prognostiziert SLAM ein BIP-Wachstum von 2.3 Prozent für 2026 – über dem Konsens. Gestützt wird das Wachstum durch den sich verbessernden Arbeitsmarkt und einen zyklischen Aufschwung in der Industrie. Die Arbeitslosenquote sank im März auf 4.3 Prozent.
In der Eurozone (Prognose: 1.0 Prozent für 2026) zeigt sich eine ausgeprägte Divergenz zwischen den Sektoren: Während die Industrie laut Einkaufsmanagerindex weiter im Aufschwung notiert, brach die Stimmung im Dienstleistungssektor sichtbar ein. In Deutschland signalisieren ifo- und PMI-Daten eine klare Konjunkturabkühlung, besonders im Tourismus, im Transport, in der Logistik und in der zinssensitiven Bauwirtschaft. In Frankreich erlitt die Konsumentenstimmung den stärksten Einbruch seit Mai 2023, vor allem wegen höherer Treibstoffpreise.
Für die Schweiz erwartet SLAM unverändert ein BIP-Wachstum von 1.1 Prozent für 2026. Wichtiger als der Energiepreisschock seien die Folgen der US-Zollpolitik. Selbst wenn die US-Zölle voraussichtlich von derzeit 10 auf 15 Prozent angehoben würden, halte die im November erzielte Vereinbarung – das mindere die Gefahr von Produktionsverlagerungen. Stützend wirken die expansive Geldpolitik der SNB, Mitnahmeeffekte aus den beiden grossen deutschen Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung sowie die wieder aufgenommene Stromproduktion im Kernkraftwerk Gösgen.
Die Inflationsprognose für 2027 wurde leicht angehoben auf 0.8 Prozent. Grund sind Tarifanpassungen im öffentlichen Verkehr um durchschnittlich 3.9 Prozent, die ab Dezember 2026 in den Landesindex der Konsumentenpreise einfliessen. Den Leitzins dürfte die SNB 2026 bei 0 Prozent belassen.
China überraschte mit 5.0 Prozent BIP-Wachstum im ersten Quartal positiv. Zwar leiden die privaten Haushalte weiter unter fallenden Immobilienpreisen und einem unsicheren Arbeitsmarktausblick, doch die Industrieproduktion im High-Tech-Sektor und entsprechende Exporte – plus rund 15 Prozent gegenüber Vorjahr – stützen die Konjunktur. Die Auswirkungen des Irankriegs auf China bleiben laut SLAM bislang begrenzt.
Beim US-Dollar erwartet SLAM einen Wiedergewinn an Boden. Im April büsste der Greenback handelsgewichtet 1.9 Prozent ein, weil die Märkte nach Waffenruhe und Friedensgesprächen eine rasche Lösung erwarteten. Die Risiken in der Marktpositionierung blieben hoch: Bei wieder eskalierenden Spannungen könne der Dollar als Fluchtwährung schnell wieder gefragt sein. Bei EUR/USD bleibt SLAM negativ – die Markterwartung von drei EZB-Zinsschritten bis Jahresende sei zu aggressiv. SLAM rechnet nur mit einem.