Vontobel European Equity Income Plus: Positive Bilanz nach einem Jahr im Stresstest

Die Geschichte hinter der Lancierung des Vontobel Fund European Equity Income Plus liesst sich wie ein Krimi - mit Happy End! (Bild: Adobe Stock)
Die Geschichte hinter der Lancierung des Vontobel Fund European Equity Income Plus liesst sich wie ein Krimi - mit Happy End! (Bild: Adobe Stock)

Der im März 2025 lancierte Aktienfonds mit Optionsprämien-Overlay hat sein erstes Jahr in einem aussergewöhnlich volatilen Marktumfeld absolviert. Laut Cristiano Migliorini, Head des Income Teams innerhalb von Quantitative Investments, übertraf die erste Ausschüttung das Renditeziel von sieben Prozent deutlich. Auf Jahresbasis lagen die Auszahlungen bei über zehn Prozent. Für das zweite Jahr positioniert sich das Team defensiv, mit Fokus auf Energie und stabilitätsorientierte Titel.

23.04.2026, 14:30 Uhr
Aktien | Anlagefonds | Anlagestrategie

Redaktion: asc

Manchmal liest sich die Lancierung eines Aktienfonds wie ein Krimi. Aber seien Sie schon jetzt beruhigt: Es gibt ein Happy End!

Was ist passiert? Wenige Tage nach der Auflegung des Vontobel Fund European Equity Income Plus erlebten die Aktienmärkte mit dem sogenannten «Liberation Day» eine der heftigsten Erschütterungen der vergangenen Jahre. Ein Jahr später zieht das Portfolio-Management-Team eine positive Bilanz: Die dreiteilige Strategie aus Qualitätsdividenden, Covered-Call-Overlay und dynamischer Absicherung habe sich unter realen Marktbedingungen bewährt.

Cristiano Migliorini, Head des Income Teams innerhalb von Quantitative Investments bei Vontobel Asset Management
Cristiano Migliorini, Head des Income Teams innerhalb von Quantitative Investments bei Vontobel Asset Management

«Das erste Jahr hat uns gezeigt, dass die drei Bausteine der Strategie unter echtem Druck und in sehr unterschiedlichen Marktsituationen funktionieren», schreiben die Verantwortlichen Portfoliomanager rund um Cristiano Migliorini, Head des Income Teams innerhalb von Quantitative Investments, rückblickend.

Der Fonds adressiert eine Herausforderung, die seit 2022 für viele institutionelle Investoren an Relevanz gewonnen hat: wie sich ein Aktienengagement mit regelmässigen Erträgen und einem robusteren Risiko-Rendite-Profil verbinden lässt, ohne auf Faktorkonzentrationen zurückzugreifen. Minimum-Volatility-Strategien, traditionell als defensive Lösung etabliert, haben in den vergangenen Jahren an Verlässlichkeit eingebüsst, insbesondere in Märkten, die sich schnell in beide Richtungen bewegen.

Der European Equity Income Plus stützt sich auf drei komplementäre Komponenten:

  1. ein konzentriertes Kernportfolio aus 30 bis 35 europäischen Qualitätsaktien, ausgewählt nach Bilanzstärke und Ertragsnachhaltigkeit («Quality Dividends»)
  2. Ein Covered-Call-Overlay zur Generierung zusätzlicher Optionsprämien («Enhanced Income»)
  3. Sowie ein taktisches Hedging-Modul zur Steuerung des Gesamtportfoliorisikos («Dynamic Participation»).

Das Zusammenspiel dieser Elemente soll stabile Erträge über unterschiedliche Marktphasen hinweg liefern und gleichzeitig einen gewissen Kapitalschutz bieten – auch dort, wo klassische defensive Ansätze an ihre Grenzen stossen.

Der Fonds strebt eine jährliche Ausschüttung von sieben Prozent an. Die erste Auszahlung im November 2025 deckte lediglich die fünf Monate von der Auflegung bis Ende August 2025 ab und lag pro rata bei rund fünf Prozent. Auf Jahresbasis entspricht dies einer Rate von über zehn Prozent – deutlich über der definierten Zielgrösse.

Gleichzeitig schloss der Fonds sein erstes Geschäftsjahr laut Angaben des Managements über der Aktien-Benchmark ab, bei geringerer Volatilität und reduzierten Drawdowns.

Turbulenter Marktstart: Hedges vor dem «Liberation Day»

Das erste Jahr war von mehreren Marktphasen geprägt, in denen die Strategie unterschiedlich gefordert wurde. Da das Covered-Call-Overlay zum Zeitpunkt des «Liberation Day» noch nicht vollständig implementiert war, sicherte das Team das Portfolio taktisch über Short-Futures und Put-Optionen ab. Der Drawdown fiel dadurch laut Vontobel rund 200 Basispunkte geringer aus als bei der Aktien-Benchmark.

Die anschliessende V-förmige Erholung stellte eine typisch ungünstige Konstellation für Covered-Call-Strategien dar, da steigende Kurse die Opportunitätskosten der geschriebenen Optionen erhöhen. Aktive taktische Anpassungen begrenzten die Underperformance gegenüber dem Aktienindex. Im vierten Quartal sorgte die Einzeltitelauswahl selbst bei steigenden Märkten für einen Performancebeitrag, der die strukturellen Opportunitätskosten des Overlays überkompensierte, wie so die Vobel-Experten.

Zu Jahresbeginn 2026 veranlassten eskalierende geopolitische Spannungen das Team zu frühen defensiven Massnahmen. Im März trugen laut Fondsmanagement alle drei Portfoliokomponenten positiv zur Performance bei:

  • Qualitätsdividenden: Versorger und Finanzwerte als Stützpfeiler
    Das Aktienportfolio wurde beim Start als konzentrierte Auswahl von 30 Qualitätsdividendenwerten aufgesetzt. Aktives Management erfolgt primär über taktische Gewichtungsanpassungen, weniger über einen vollständigen Austausch einzelner Positionen. Die Sektorpositionierung – insbesondere die Übergewichtung von Versorgern und Finanzwerten – erwies sich in den verschiedenen Marktphasen als tragfähig: Versorger lieferten in Abwärtsphasen defensiven Halt, Finanzwerte trugen in risikofreudigen Phasen überdurchschnittlich bei.Die bedeutendste Neupositionierung erfolgte zu Beginn des ersten Quartals 2026, als das Team im Vorfeld der geopolitischen Eskalation in Energie- und defensive Werte umschichtete.
  • Covered Calls: Flexibel statt mechanisch
    Die Covered-Call-Strategie wurde über das gesamte Jahr hinweg mit variabler Schreibquote gesteuert. In Phasen hoher Einzeltitelstreuung reduzierte das Team den Anteil der geschriebenen Optionen, um die Aufwärtspartizipation zu wahren; bei stabileren Bedingungen kehrte die Quote zum Zielwert von 50 Prozent zurück. Laut Vontobel generierte das Overlay über alle vier Quartale hinweg konsistente Prämieneinnahmen.
  • Dynamic Participation: Drei Interventionen mit messbarer Wirkung
    Die dynamische Absicherungsstrategie kam im ersten Jahr in drei klar abgrenzbaren Phasen zum Einsatz: vor dem «Liberation Day» über Short-Futures und Put-Optionen, mit einer Drawdown-Reduktion von rund 200 Basispunkten; während der anschliessenden V-förmigen Erholung über Long-Calls, um die Kosten der gedeckten Calls auszugleichen; und schliesslich durch den Aufbau von Short-Positionen vor der Eskalation des Iran-Konflikts Anfang 2026, was die Verluste im März erheblich begrenzte.

Für Zeitpunkt und Instrumentenwahl kombiniert das Team quantitative Signale mit qualitativen Markteinschätzungen.

Ausblick: Stagflation als ungünstigstes Szenario

Zum Beginn des zweiten Jahres bleibt das Umfeld herausfordernd. Der Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte dominieren das Marktgeschehen: Die Strasse von Hormuz bleibt weitgehend blockiert, die Ölpreise sind erhöht, und Spillover-Effekte auf Inflation und Kaufkraft zeichnen sich ab. Die Wirtschaftsindikatoren erscheinen laut Vontobel weitgehend konstruktiv, sind jedoch rückwärtsgerichtet – die vollen Auswirkungen dürften sich erst in kommenden Datenveröffentlichungen und Unternehmensausblicken zeigen.

Als ungünstigstes Szenario für die Aktienmärkte identifiziert das Team eine Stagflation bei anhaltendem Konflikt. Eine Lösung bleibe schwierig, sei jedoch nicht auszuschliessen – insbesondere mit Blick auf den innenpolitischen Druck in den USA vor den Midterm-Wahlen im Herbst.

Der Fonds startet das zweite Jahr defensiv positioniert, mit Beibehaltung der Energie- und Defensive-Ausrichtung, aktiver Covered-Call-Steuerung und taktischer Absicherung. «Wir bleiben wachsam gegenüber Verschiebungen, die eine Neupositionierung rechtfertigen würden», schreiben die Autoren in einem Bericht.

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