23.04.2026, 15:12 Uhr
Software-Bewertungen sind seit August 2025 deutlich zurückgekommen – während die Profiteure der KI-Infrastruktur weiter zulegen. Die Experten von Candriam untersuchen in einer Analyse, ob der Markt das...
Kritische Rohstoffe sind zur tragenden Säule wirtschaftlicher und militärischer Souveränität geworden – und zu einer eigenständigen Anlageklasse. Steigende Nachfrage durch KI, Verteidigung und Energiewende trifft auf ein strukturell begrenztes Angebot und auf Wertschöpfungsketten, die mehrheitlich in China liegen. Die LFDE-Expertin, Céline Sustandal, sieht darin eine langfristige Diversifikationschance, die sich nur mit selektivem Stockpicking ausschöpfen lässt.
Ohne Kupfer, Nickel, Uran, seltene Erden oder Platin gäbe es weder die Energiewende noch künstliche Intelligenz oder fortschrittliche Verteidigungssysteme. Hinter den grossen technologischen Umbrüchen dieses Jahrhunderts verbirgt sich eine Tatsache, die bislang oft unterschätzt wurde: Die Abhängigkeit von Rohstoffen mit kritischer und strategischer Bedeutung nimmt zu. Für die Souveränität eines Landes sind inzwischen seine Bodenschätze und der gesicherte Zugang zu bestimmten Rohstoffen von zentraler Bedeutung. Ohne sie kann eine Volkswirtschaft weder wirtschaftliche noch technologische oder militärische Stärke aufbauen. Dieses Thema hat erheblich an Bedeutung gewonnen und eröffnet Chancen in weiten Teilen der Wirtschaft.
Ob ein Rohstoff als kritisch oder strategisch gilt, hängt nicht in erster Linie von seiner geologischen Knappheit ab. Entscheidend ist vielmehr, wie unverzichtbar er für eine funktionierende Wirtschaft ist und wie stabil seine Versorgung gesichert werden kann – unabhängig davon, ob das Angebot unsicher ist, die Vorkommen regional stark konzentriert sind oder politische Risiken bestehen. In den letzten Jahren gab es mehrere konkrete Beispiele für diese Verwundbarkeit.
Im Jahr 2024 führte eine aussergewöhnliche Dürre in Panama zum Absinken des Wasserstandes im Panamakanal. In der Folge ging der Schiffsverkehr deutlich zurück, was zu langfristigen Verzögerungen beim weltweiten Transport von Kupfer, Silber und Bauxit führte. Ein einziges, lokal begrenztes Klimaereignis reichte also aus, um die globalen Lieferketten zu stören, auf die Industrie und Infrastruktur angewiesen sind. Zusammen mit geopolitischen Spannungen und der regionalen Konzentration bestimmter Produktionsschritte verstärken solche Entwicklungen den Preisdruck. Ein typisches Beispiel dafür sind seltene Erden. Der Preis für Neodym, das für die Herstellung von Permanentmagneten für Elektrofahrzeuge, Festplatten und Windräder gebraucht wird, stieg 2025 um 55 Prozent, weil die Produktion sehr stark auf eine bestimmte Region konzentriert ist und die Nachfrage deutlich anzog.
Da die Wertschöpfungsketten dieser Rohstoffe, also der Abbau, die Raffinierung und die Weiterverarbeitung, heute grösstenteils in China angesiedelt sind, stellt die Souveränität eine zentrale Herausforderung dar. Die kritische Bedeutung dieser Rohstoffe ergibt sich aus der wirtschaftlichen und strategischen Abhängigkeit eines Landes. Das Bewusstsein dafür ist im Zuge der jüngsten verteidigungspolitischen Herausforderungen deutlich gestiegen. Für Kampfflugzeuge, U-Boote und gesicherte Kommunikationssysteme werden mehrere Tonnen an kritischen Metallen und seltenen Erden benötigt. Ohne gesicherten Zugang zu diesen Rohstoffen ist ein Land nicht militärisch unabhängig. Damit ist das Thema längst nicht mehr nur industriepolitisch relevant, sondern zu einer tragenden Säule der nationalen Sicherheit geworden.
Die USA verfolgen deshalb eine offensive Strategie: Sie wollen bestimmte Kapazitäten zurück ins eigene Land holen, den Zugang zu wichtigen Ressourcen absichern und ganze Wertschöpfungsketten – vom Bergbau bis hin zur Verteidigung – wieder aufbauen. Ein Beispiel dafür ist Apple, das in MP Materials investiert hat, das einzige aktive Bergwerk für seltene Erden in den USA. Das zeigt, wie entschlossen Unternehmen und Staaten sind, sich den Zugang zu strategisch wichtigen Ressourcen zu sichern. In Frankreich hat Solvay kürzlich in La Rochelle eine Produktionslinie für Neodym und Praseodym aus recycelten Permanentmagneten in Betrieb genommen. Dies zeigt, dass auch die Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten kann.
Während der strategische Bedarf an diesen Rohstoffen schnell wächst, liegt die Herausforderung für Investoren darin, das begrenzte Angebot zu erfassen. Der Betrieb eines Bergwerks wird immer komplexer. Bis ein Neues in Betrieb geht, vergehen in der Regel 10 bis 15 Jahre. Dafür sind hohe Investitionen, politisch stabile Verhältnisse und Rechtssicherheit notwendig. Hinzu kommt der legitime Anspruch, dass Umweltauflagen berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund kann schon die geringste Störung auf der Angebotsseite dauerhafte Spannungen auslösen. Gleichzeitig ist der Rohstoffverbrauch enorm, getrieben durch künstliche Intelligenz, Verteidigung, Energiewende, Elektrifizierung und den Ausbau kritischer Infrastrukturen. Selbst ohne einen grösseren Nachfrageschub sorgen die wachsenden strategischen Bedürfnisse daher dauerhaft für Druck auf Lieferketten, die ohnehin schon angespannt sind.
Für Investoren besteht die Herausforderung nicht darin, auf kurzfristige Rohstoffpreise zu spekulieren, sondern zu verstehen, wer das Angebot kontrolliert, und jene Akteure zu identifizieren, die sich langfristig behaupten können. Wir investieren nicht in die Rohstoffe selbst, sondern in Unternehmen, die sie fördern, verarbeiten oder ihre Verfügbarkeit sicherstellen.
Diese Marktführer sind dank der Qualität ihrer Vermögenswerte, ihrer finanziellen Disziplin und ihrer strategischen Positionierung auch bei stabilen Preisen in der Lage, Wertschöpfung zu generieren. Kritische Rohstoffe sind ein heterogener und zyklischer Bereich, der vielen operativen Risiken ausgesetzt ist und in dem sich eine aktive Vermögensverwaltung als entscheidend erweisen kann. Im Gegensatz zu einem indexbezogenen Ansatz, der Risiken verwässern und die eigentlichen Herausforderungen in Fragen der Souveränität verdecken kann, zielt aktive Vermögensverwaltung darauf ab, jene Schlüsselakteure zu erkennen, die über strategische Vermögenswerte, operative Visibilität und eine zentrale Position in den Wertschöpfungsketten verfügen. Vor diesem Hintergrund ist ein Stockpicking-Ansatz keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Strategische Rohstoffe sind unerlässlich für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, die Energiewende und die Fähigkeit von Staaten, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Aus diesem Grund verfügen sie über erhebliches Wachstumspotenzial. Für langfristige Anleger stellen diese Rohstoffe einen immer wichtigeren und chancenreichen Diversifizierungsfaktor dar.
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