Obligationen sind wieder attraktiver

Die Inflation hat Europa fest im Griff. (Bild: Shutterstock.com/denys_kurbatov)
Die Inflation hat Europa fest im Griff. (Bild: Shutterstock.com/denys_kurbatov)

Die Teuerungsrate steigt in den meisten Wirtschaftsregionen weiter an. Anlegerinnen und Anleger sollten sich dringend Gedanken machen, wie sie den Kaufkraftverlust ihrer Anlagen möglichst vermeiden können, sagt Thomas Rühl von der Schwyzer Kantonalbank. Dabei gilt es Anleihen wieder genauer unter die Lupe zu nehmen.

11.10.2022, 09:17 Uhr

Redaktion: maw

Benzin, Strom, der Znacht im Restaurant und jetzt auch die Krankenkassenprämien: Viele Produkte und Dienstleistungen sind gegenüber dem Vorjahr deutlich teurer geworden. Die Inflation hat Europa im Griff und reduziert die Kaufkraft jedes Frankens und jedes Euros. Die Eurozone mit mittlerweile 10% und die USA mit über 6% haben allerdings deutlich höhere Inflationsraten als die Schweiz mit 3.3%.

"Dies schützt uns zwar vor den drastischen Auswirkungen, die eine starke Inflation auslösen kann – etwa Armut, Unternehmenskonkurse oder eine Lohn-Preis-Spirale. Aber auch hierzulande sollten sich Anlegerinnen und Anleger Gedanken machen, wie sie den Kaufkraftverlust ihrer Anlagen im Idealfall vermeiden können", sagt Thomas Rühl, CIO von der Schwyzer Kantonalbank.

Auch abgesehen von der Inflation seien die Märkte weiterhin von grossen Risiken geprägt. Die Eurozone werde mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession abgleiten. Insbesondere der Wirtschaftsmotor Deutschland zeige Schwäche. In den USA halten sich die positiven und negativen Konjunktursignale die Waage, das Wachstum werde jedoch nachlassen. So sei im Ölpreis bereits eine konjunkturbedingte Nachfrageschwäche erkennbar.

Im Gegenzug planen die ölfördernden Länder preisstützende Reduktionen der Fördermenge. "Die Ängste um die europäische Energieversorgung haben zwar etwas abgenommen. Die Grosshandelspreise für Gas und Strom bleiben jedoch hoch", betont Rühl. Diese Zusatzkosten würden sich in den Unternehmensresultaten niederschlagen, was wiederum die Aktienmärkte belastet. Mit den aggressiven Zinserhöhungen der SNB, der Fed und weiterer Zentralbanken haben vor allem Wachstumstitel an Wert eingebüsst. Jüngst sei aber wieder Hoffnung auf eine langsamere Gangart aufgekeimt.

"In diesem komplexen Marktumfeld bleibt unsere Positionierung defensiv. Obligationen stufen wir insgesamt leicht attraktiver ein als vor einem Quartal", so Rühl. Die Renditen der langfristigen Anleihen sind in den vergangenen zwei Monaten stark gestiegen und dürften nur noch leicht avancieren. "Die Liquidität haben wir im Gegenzug untergewichtet", meint der CIO weiter. Bargeld leide am stärksten unter der Inflation und ist ertragsarm. Gold eigne sich weiterhin als Absicherung gegen Extremrisiken und zur Portfoliodiversifikation. "Bei den Aktien bleiben wir insgesamt neutral, wobei wir Schweizer Aktien über- und europäische Aktien untergewichten", sagt Rühl abschliessend.

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