Aberdeen: Seltene Kombination aus Wachstum und günstiger Bewertung eröffnet Einstiegschancen bei Schwellenländern

Pruksa Iamthongthong, Senior Investment Director für asiatische Aktien bei Aberdeen (Bild: Aberdeen)
Pruksa Iamthongthong, Senior Investment Director für asiatische Aktien bei Aberdeen (Bild: Aberdeen)

Aktien aus Schwellenländern bieten nach Einschätzung von Aberdeen derzeit eine ungewöhnliche Kombination aus strukturellem Wachstum und attraktiver Bewertung. Pruksa Iamthongthong, Senior Investment Director für asiatische Aktien, sieht darin eine seltene Gelegenheit für langfristig orientierte Investoren.

20.08.2026, 11:06 Uhr

Redaktion: asc

Die jüngste Entwicklung der Schwellenländer wurde laut Pruksa Iamthongthong, Senior Investment Director für asiatische Aktien bei Aberdeen, stark von wenigen Märkten getragen, allen voran Südkorea und Taiwan mit ihren technologiegetriebenen Gewinnsteigerungen. Für den MSCI Asia Pacific ex Japan wird für 2026 ein Gewinnwachstum von rund 55 Prozent erwartet, das sich 2027 auf rund 19 Prozent abschwächen dürfte. Die Aberdeen-Analystin beobachtet jedoch bereits eine breitere Basis: anhaltende Gewinnrevisionen in weiten Teilen Asiens, eine stärkere wirtschaftliche Dynamik ausserhalb des Technologiesektors sowie eine sich verbessernde Exportentwicklung jenseits der Halbleiterbranche.

Bewertungsabschläge bleiben bestehen – aber ungleich verteilt

Trotz der jüngsten Volatilität in KI-nahen Märkten wie Korea würden Schwellenländeraktien sowie asiatisch-pazifische Titel (ohne Japan) weiterhin mit deutlichen Abschlägen gegenüber US-Aktien gehandelt. Diese Abschläge seien allerdings ungleich verteilt: Nordasiatische KI-Märkte hätten bereits eine spürbare Neubewertung erfahren, während sich ausserhalb der am stärksten nachgefragten Halbleiterwerte – etwa bei Energie, Stromnetzen, Industrie und Rechenzentren – noch attraktivere Bewertungen fänden. Auch China biete selektiven Zugang zu KI- und Technologiewachstum zu deutlich tieferen Bewertungen als bei global etablierten KI-Gewinnern.

Für die Gewinnentwicklung zeigt sich Pruksa Iamthongthong zuversichtlich: Für China wird 2026 ein Gewinnwachstum von rund 17 Prozent erwartet, 2027 von 18 Prozent. Für Indien wird im gleichen Zeitraum ein Wachstum von rund 15 bis 16 Prozent prognostiziert, während Taiwan und Korea aufgrund des Technologiezyklus noch höhere Werte aufweisen dürften.

Drei strukturelle Treiber sprechen für einen Einstieg

Laut der Aberdeen-Analyse sprechen drei entscheidende Faktoren dafür, dass sich Investoren gerade jetz mit dem Thema Schwellenländer befassen sollen:

  • Erstens befinde sich der Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz noch am Anfang seiner Entfaltung: Die Investitionsausgaben der grossen Cloud-Anbieter seien von rund 156 Milliarden US-Dollar vor drei Jahren auf geschätzte 770 Milliarden US-Dollar gestiegen. Zwar würden diese Ausgaben von US-Unternehmen angeführt, ein Grossteil der dafür nötigen Infrastruktur stehe jedoch in Schwellenländern, insbesondere in Asien. Die Chancen reichten dabei weit über die bekannten Technologiekonzerne hinaus – von Halbleiterfertigung über Testverfahren bis zu kupferkaschierten Laminaten und dem breiteren Energie- und Rohstoffsektor.
  • Zweitens habe sich Energiesicherheit von einem Nachhaltigkeitsthema zu einem Faktor wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit gewandelt. Geopolitische Entwicklungen hätten das Thema in Europa wie in Asien zur nationalen Priorität gemacht – und zu einer möglichen Wachstumsbremse für die digitale Expansion, sollte die Energieversorgung nicht mit dem KI-Ausbau Schritt halten.
  • Drittens bleibe der langfristige Konsumtrend intakt: In den kommenden zehn Jahren dürften rund eine Milliarde Menschen in die globale Konsumentenschicht aufsteigen, der Grossteil davon in Asien. Diese über Jahrzehnte reichende Nachfrageentwicklung stütze das Gewinnwachstum branchenübergreifend und verringere die Abhängigkeit der Schwellenländer von Exporten.

Aktives Management als Voraussetzung

Pruksa Iamthongthong betont, dass sich Schwellenländer wirtschaftlich zunehmend von entwickelten Märkten annähern – Länder wie China, Korea und Taiwan seien technologisch hoch entwickelt und eng in die Weltwirtschaft eingebunden. Aus Marktperspektive verhielten sie sich jedoch weiterhin anders: Politische Rahmenbedingungen könnten sich rasch ändern, regulatorische Eingriffe abrupt erfolgen, und Kursbewegungen würden sich nicht immer an Fundamentaldaten orientieren. Selbst in etablierten Märkten könnten Privatanlegerströme und Leverage-Effekte die Kurse stärker beeinflussen als die zugrundeliegenden Unternehmensgewinne.

Daraus leitet Aberdeen drei Konsequenzen für Investoren ab: Erstens seien die Schwellenländer-Indizes stark auf wenige grosse Technologiewerte konzentriert, was die Umsetzung aktiver Anlageüberzeugungen erschwere. Zweitens sei das tatsächliche Anlagespektrum deutlich breiter als der Index – ein Engagement in KI lasse sich etwa auch über Ausrüstungsanbieter, Komponentenhersteller und Materialspezialisten realisieren, nicht nur über die grössten Halbleiterkonzerne. Drittens erfordere die Navigation in diesen Märkten fundierte Bottom-up-Analysen; ein rein passiver Ansatz greife hier aus Sicht der Aberdeen-Spezialistin zu kurz.

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