29.09.2026, 09:21 Uhr
Mit der neuen Strategie richtet sich das Zürcher Investmenthaus an institutionelle Anleger, die im Schwellenländer-Segment aktiv, aber mit engerem Risikobudget investieren wollen. Die Lancierung fällt in eine Phase...
Fed und EZB erhöhen die Zinsen, doch die Bankaktien fallen. Der Markt handelt nicht mehr die Zinsmarge, sondern die Frage, wie lange sie hält. In der Schweiz bestimmt ohnehin ein anderes Thema das Geschehen: die Kapitalvorschriften für die UBS. Und hier sieht es vorerst für die Aktionäre nicht so schlecht aus.
Das Lehrbuch ist klar: Steigende Zinsen sind gut für Banken. Kreditzinsen passen sich schneller an als die Zinsen auf Spar- und Sichteinlagen, der Zinsüberschuss wächst. Umso bemerkenswerter ist, was im September geschah: Die US-Notenbank hob ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent an, die erste Erhöhung seit 2023. Danach wurden die Bankaktien verkauft, der KBW Bank Index fiel um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit Februar nicht mehr.
Wie kann das sein? Gibt es andere Faktoren, die hier mit hinein spielen? Ein Hauptgrund für die Enttäuschung liegt in der Zinsstruktur. Der Abstand zwischen zehn- und zweijährigen US-Staatsanleihen schloss am 18. September bei 0,25 Prozentpunkten, nach 0,74 Prozentpunkten im Februar. Eine flachere Kurve schmälert den Ertrag aus der Fristentransformation, also dem Geschäft, sich kurzfristig zu refinanzieren und langfristig auszuleihen. Genau davon sollten die Banken eigentlich profitieren.
Hinzu kommen schwächere Signale aus dem Kapitalmarktgeschäft. Die Bank of America verlor an einem Tag fast 6 Prozent, nachdem CEO Brian Moynihan angekündigt hatte, die Investmentbanking-Gebühren im dritten Quartal würden gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10 Prozent auf 1,6 bis 1,8 Milliarden US-Dollar sinken. Die Analysten hatten mit rund 2 Milliarden US-Dollar gerechnet. Goldman Sachs verlor im September 10 Prozent. BMO Capital Markets bezeichnet die Bank als praktisch zinsneutral, weil höhere Einlagenkosten den Vorteil im Private Banking weitgehend aufzehren.
Der Zinspfad bleibt aufwärts gerichtet. Prognosen gehen von einer weiteren Zinserhöhung im Jahr 2026 aus. Für die Banken bedeutet das Rückenwind bei der Marge, aber auch höhere Refinanzierungskosten und steigende Kreditrisiken. Eine Analyse von CNBC fasst die Lage so zusammen: Höhere Zinsen sind anfangs ein Freund der Banken und können später zum Gegner werden, wenn sie die Wirtschaft bremsen.
In Europa ist das Bild freundlicher. Nach der Erhöhung vom Juni hob die EZB am 10. September alle drei Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte an. Sie begründete dies mit dem Inflationsdruck infolge des Nahostkonflikts, die Teuerung im Euroraum lag im August bei 3,3 Prozent. Der Einlagensatz steht damit bei 2,50 Prozent.
Die Institute spüren den Effekt bereits in ihren Zahlen. Die Commerzbank steigerte ihren Nettogewinn im ersten Halbjahr 2026 um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro und nannte die Zinserhöhung der EZB ausdrücklich als Rückenwind. Der Sektor kommt allerdings von einem sehr hohen Niveau. Der STOXX Europe 600 Banks stieg 2025 um 67 Prozent, das beste Jahr seit 1987. Bis August legte der Index 2026 um weitere 22 Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Sektoren. Auf diesem Niveau reagiert der Markt empfindlich auf jede Enttäuschung.
Im UK liegt das Hauptrisiko nicht bei der Notenbank, sondern bei der Fiskalpolitik. Das Herbstbudget von Schatzkanzlerin Rachel Reeves ist auf den 28. Oktober angesetzt, und eine Sondersteuer für Banken steht weiterhin im Raum. Am stärksten betroffen wären die Inlandbanken. Bei Lloyds und NatWest unterliegen rund 85 Prozent des Konzerngewinns dem Körperschaftssteuerzuschlag für Banken, bei Barclays sind es 33 Prozent und bei HSBC nur 20 Prozent.
Die Analysten bleiben trotzdem mehrheitlich zuversichtlich, urteilen aber selektiver. Die Bank of America erhöhte ihr Kursziel für Lloyds um 8 Prozent auf 140 Pence, was ein Aufwärtspotenzial von 27 Prozent bedeutet. Das Ziel für Barclays senkte sie dagegen auf 580 Pence. Nach Berechnung der BofA werden Barclays, Lloyds und NatWest zum 7,8-, 9,2- und 8,2-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, der breitere Sektor zum rund 10-Fachen. Es gibt auch vorsichtigere Stimmen. Shore Capital empfiehlt Lloyds zum Verkauf und bezweifelt, dass Renditen von annähernd 20 Prozent über den gesamten Zyklus haltbar sind, angesichts von Wettbewerb, möglichen Bankensteuern und der Konjunkturabhängigkeit.
Kommen wie zum Sonderfall schweiz. Und dies gleich aus mehreren Gründen: Die SNB beliess ihren Leitzins bei null Prozent und folgte damit den Erhöhungen von EZB und Fed nicht. Die Inflation stieg von 0,6 Prozent im Mai auf 0,8 Prozent im August. Für die Inlandbanken fehlt damit der klassische Treiber einer höheren Zinsmarge. Eine Wende zeichnet sich allerdings ab. Laut Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile dürfte sich im kommenden Jahr ein Fenster für einen moderat positiven SNB-Leitzins öffnen, sofern die Erholung in der Eurozone und in der Schweiz anhält. Tatsächlich schwächt sich auch der Franken tendenziell ab, was auch dafür sprehen könnte.
Die UBS-Aktie bewegt sich derzeit ohnehin weniger wegen der Zinsen als wegen der Politik. Der Ständerat entschied vergangene Woche, dass die UBS ihre ausländischen Tochtergesellschaften künftig zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegen muss. Heute sind es 45 Prozent, der Anteil würde sich also verdoppeln. Der Bundesrat hatte 100 Prozent verlangt, die vorberatende Kommission nur 50 Prozent. Die UBS bezeichnete das Ergebnis als «keinen Kompromiss» und beziffert den zusätzlichen Bedarf an hartem Eigenkapital auf rund 16 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben der Bank würden zudem wiederkehrende Kosten von fast 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr anfallen.
An sich wären das also schlechte News für den Aktienkurs. Aber auch hier: Sonderfall. Die Börse nahm den Entscheid gelassen auf. Die UBS-Aktie verlor am Morgen nur rund ein halbes Prozent. Klar ist: Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der Nationalrat wird frühestens im Dezember über das Gesetz beraten. FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann schlägt bereits einen Mittelweg von 75 Prozent vor. Sicher ist: Operativ steht die Bank solide da. Im zweiten Quartal erwirtschaftete die UBS einen Reingewinn von rund 2,8 Milliarden US-Dollar bei einer harten Kernkapitalquote von 14,4 Prozent und kündigte Aktienrückkäufe von bis zu 3 Milliarden US-Dollar an. Die Einnahmen sprudeln bei der UBS besonders auch in Geschäften, die nicht zins-sensitiv sind. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass eine dauerhaft tiefere Eigenkapitalrendite auch die Bewertung dämpfen könnte.
Aber auch hier gilt die Faustregel «steigende Zinsen gleich steigende Bankaktien» nur in der frühen Phase eines Zyklus. Nach dem aussergewöhnlichen Re-Rating von 2025 achtet der Markt nun auf drei andere Dinge: die Steilheit der Zinskurve, die Weitergabe höherer Zinsen an Einlagekunden und das Risiko, dass eine straffere Geldpolitik die Konjunktur und damit die Kreditqualität belastet. Hinzu kommen regionale Sonderfaktoren.
Den nächsten Realitätscheck liefert die Berichtssaison zum dritten Quartal ab Mitte Oktober. Sie wird zeigen, ob höhere Zinsüberschüsse die schwächeren Handels- und Beratungserträge ausgleichen. Die Gewinner werden künftig weniger über den Sektor als über die einzelne Bank bestimmt: Einlagenbasis, Geschäftsmix und Kapitalspielraum.