24.09.2026, 08:22 Uhr
Starke Konjunkturdaten, ein teurer Ölpreis und eine schwache Auktion haben den Ausverkauf am US-Anleihenmarkt verschärft. Die Renditen fast aller Laufzeiten stehen so hoch wie seit knapp zwei Jahrzehnten nicht mehr....
Europäische Small und Mid Caps haben 2026 bislang rund 8 Prozent zugelegt. Trotz Ölpreisschock und Iran-Krise sieht Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management die jüngste Korrektur als Einstiegschance – getragen von steigenden Gewinnen und einem langfristigen Investitionszyklus in KI, Energie und Infrastruktur.
Europas Nebenwerte schlagen sich 2026 besser, als es das geopolitische Umfeld vermuten liesse. Seit Jahresbeginn bis zum 20. September legten europäische Small und Mid Caps rund 8 Prozent zu und entwickelten sich damit im Gleichschritt mit den Leitindizes. Dies trotz der angespannten Lage im Iran, wie Birgitte Olsen, Head Entrepreneur Investments bei Bellevue Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar festhält.
Seit August hat der Anstieg des Ölpreises auf über 100 US-Dollar pro Fass zwar eine leichte Korrektur ausgelöst. Olsen wertet diese angesichts der Rahmenbedingungen jedoch als Chance.
Gestützt wird ihre Einschätzung vor allem durch die Unternehmensseite. Die Berichtssaison zum zweiten Quartal war laut Bellevue von gesunden Margen und solidem Gewinnwachstum geprägt. Seit Jahresbeginn wurden die Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen um rund 6 Prozent angehoben. Für das Gesamtjahr 2026 wird nun ein Gewinnwachstum von 14 Prozent erwartet – deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Mit Ausnahme der Automobilbranche und des zyklischen Konsums verzeichneten sämtliche Sektoren steigende Umsätze und Ergebnisse.
Auch makroökonomisch sieht Olsen Rückenwind. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe verbessern sich, die wirtschaftliche Aktivität bleibt robust, und die BIP-Prognosen für die Eurozone und Deutschland wurden nach oben revidiert. Für die im Oktober beginnende Berichtssaison zum dritten Quartal seien das gute Voraussetzungen, insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen.
Über die kurzfristige Konjunktur hinaus verortet Bellevue Europa am Beginn eines langfristigen Investitionszyklus. Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und geopolitische Neuausrichtungen treiben private wie öffentliche Investitionen an. Davon dürfte gemäss Olsen gerade das Small- und Mid-Cap-Segment mit seinen zahlreichen spezialisierten Anbietern überdurchschnittlich profitieren.
Die KI-Investitionen reichten dabei weit über den Technologiesektor hinaus: Der steigende Energiebedarf und der nötige Infrastrukturausbau eröffneten Chancen für weniger offensichtliche Profiteure. Gleichzeitig verändere sich das Marktregime. Höhere Realzinsen, mehr Volatilität und zunehmende staatliche Eingriffe prägen das Umfeld, während die Rückverlagerung von Lieferketten und der Infrastrukturausbau Kapitalintensität und Finanzierungskosten erhöhen.
Angesichts der hohen Marktkonzentration, vor allem im KI-Ökosystem, hält Olsen aktive Titelselektion, ausgewogene Diversifikation und strikte Bewertungsdisziplin für zentral. Profitieren dürften aus ihrer Sicht europäische Industrie- und Technologieunternehmen ebenso wie Sachwerte aus der «Old Economy».
Besonderes Gewicht haben dabei die Industrieunternehmen, die rund 30 Prozent des europäischen Small- und Mid-Cap-Universums ausmachen. Sie profitieren doppelt: vom verbesserten Konjunkturumfeld und von strukturellen Trends wie Elektrifizierung, KI-Infrastruktur, Energieeffizienz, industrieller Automatisierung und Reshoring.
Gefragt seien vor allem hoch spezialisierte Nischenführer mit Preissetzungsmacht und Wachstumsperspektiven über einzelne Konjunkturzyklen hinaus. Als Beispiele nennt Olsen den österreichischen Anlagenbauer Andritz (Wasserkraft), den französischen Kabelhersteller Nexans (Kabelsysteme) und den deutschen Windturbinenbauer Nordex (Onshore-Windenergie).