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Was bleibt, wenn sich vieles verändert? Die neue Ausgabe von «HORIZONTE» der Graubündner Kantonalbank (GKB) geht dieser Frage aus unterschiedlichen Perspektiven nach – von künstlicher Intelligenz und...
Im Umfeld steigender Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und zunehmend konzentrierter Aktienmärkte zeigt sich die Stärke eines Multi-Asset-Ansatzes: Er verbindet unterschiedliche Renditequellen, erhöht die Diversifikation und schafft die notwendige Flexibilität, um sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen.
Die Kapitalmärkte sind anspruchsvoller geworden: Während nach der Finanzkrise häufig bereits ein stark aktienorientiertes Portfolio ausreichte, um attraktive Renditen zu erzielen, prägen heute vermehrt Unterschiede zwischen Regionen, Sektoren und Anlageklassen sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten das Umfeld. Ein Multi-Asset-Ansatz bietet die nötige Flexibilität, um diesen Herausforderungen durch eine aktive strategische und taktische Allokation zu begegnen.
Im Zentrum jeder Multi-Asset-Lösung steht die strategische Asset Allocation. Sie definiert die langfristigen Zielgewichte der verschiedenen Anlageklassen und bildet damit das Fundament des Portfolios. Entscheidend ist dabei die Kombination unterschiedlicher Rendite- und Risikotreiber.
Aktien bleiben langfristig die wichtigste Quelle für Kapitalwachstum. Obligationen erfüllen weiterhin eine zentrale Funktion zur Stabilisierung von Portfolios und liefern laufende Erträge. Ergänzt werden sie durch Realwerte wie Immobilien oder Infrastruktur, die neben attraktiven Einkommensströmen oftmals auch einen gewissen Inflationsschutz bieten. Alternative Anlagen, beispielsweise Hedge-Fund-Strategien, erschliessen zusätzliche Renditequellen, deren Entwicklung weniger stark von den traditionellen Kapitalmärkten abhängt.
Die strategische Allokation sollte nicht statisch sein, sondern laufend an veränderte Marktbedingungen angepasst werden. Im aktuellen Schweizer Tiefzinsumfeld können beispielsweise Immobilien aufgrund ihrer vergleichsweisen stabilen Erträge und attraktiveren Renditeaussichten gegenüber Staatsanleihen eine höhere Gewichtung im Portfolio rechtfertigen.
Neben der langfristigen Positionierung eröffnet ein aktiver Multi-Asset-Ansatz die Möglichkeit, taktisch auf kurzfristigere Entwicklungen zu reagieren. Ziel ist es, Opportunitäten gezielt zu nutzen und gleichzeitig bestehende Risiken zu reduzieren.
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung einer aktiven Multi-Asset-Allokation derzeit an den globalen Aktienmärkten. Die KI-getriebene Börsen-Rallye hat zu einer aussergewöhnlich hohen Konzentration in den grossen Aktienindizes geführt: Die zehn grössten Titel machen mittlerweile rund 40 Prozent des S&P 500 aus. Dadurch sind auch globale Standardportfolios zunehmend von wenigen US-Technologieunternehmen abhängig geworden. Ein aktiver Multi-Asset-Ansatz ermöglicht es, von den Chancen der Künstlichen Intelligenz zu profitieren, ohne die Diversifikation zu vernachlässigen. Dies kann beispielsweise durch eine gezielte Anpassung regionaler Aktiengewichtungen erfolgen. Gleichzeitig eröffnet sich dadurch der Zugang zu derzeit attraktiven Märkten wie Japan, deren Entwicklung aktuell von breiteren fundamentalen Treibern getragen wird.
Auch bei Obligationen ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Zwar wirken globale Staatsanleihen aufgrund höherer Zinsen attraktiv, für Schweizer Anleger schmälern die derzeit hohen Währungsabsicherungskosten jedoch einen grossen Teil dieser Renditevorteile. Zudem reflektieren die höheren Renditen teilweise auch Risiken, wie eine steigende Staatsverschuldung und einen erhöhten Refinanzierungsbedarf. Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Renditequellen wie Immobilien, Infrastruktur oder Hedge-Fund-Strategien an Bedeutung. Sie bieten zusätzliche Ertragschancen und können gleichzeitig die Diversifikation des Portfolios verbessern.
Multi Asset Allokation ist heute weit mehr als die einfache Kombination von Aktien und Obligationen. Sie verbindet strategische Weitsicht mit taktischer Flexibilität.
Während die strategische Allokation langfristig für eine breite Diversifikation über unterschiedliche Renditequellen sorgt, ermöglicht die taktische Steuerung, auf ein zunehmend dynamisches Marktumfeld gezielt zu reagieren, aktuelle Marktchancen zu nutzen und Risiken frühzeitig zu adressieren. Gerade in einer Welt mit konzentrierten Aktienmärkten, tiefen Schweizer Zinsen und steigender Unsicherheit wird diese Flexibilität zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger liegt die Stärke deshalb nicht in einzelnen Anlageklassen, sondern in ihrer intelligenten Kombination.
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