GMO: Big is beautiful - wie lange noch?

Gross macht träge, die Zukunft könnte kleineren Firmen gehören. (Bild: zvg)
Gross macht träge, die Zukunft könnte kleineren Firmen gehören. (Bild: zvg)

Grosskonzerne haben ihre Rentabilität in den vergangenen Jahrzehnten kräftig gesteigert, kleinere Unternehmen hinken deutlich hintennach. Doch die Gewichte könnten sich verändern, meint der US-Vermögensverwalter GMO.

05.09.2019, 06:00 Uhr

Redaktion: hf

US-Unternehmen weisen seit längerem das stärkste Gewinnwachstum aus. Das erklärt auch die höhere Bewertung von Wallstreet im Vergleich zu anderen Börsen. Der Erfolg resultiert weniger aus Volumenwachstum, sondern - aus Anlegersicht besonders wichtig - aus einer verbesserten Rentabilität. Nach Meinung des Bostoner Vermögensverwalters GMO geht diese Entwicklung aber beinahe ausschliesslich auf das Konto von Grossunternehmen. Kraft ihrer Dominanz verdrängen sie Mitbewerber und setzen sich in neuen Märkten fest.

Dass die Dynamik amerikanischer Unternehmen nachlässt, ist gemäss Ben Inker, Head of Asset Allocation von GMO, nicht zu befürchten. Jedoch schliesst Inker einen Umschwung innerhalb des US-Unternehmenssektors nicht aus. Der Zeitpunkt sei offen, aber eher früher als später könnten die kleineren Gesellschaften zulasten der Grossen Terrain wettmachen.

Generell positiv für die USA

Der Ausblick für grosskapitalisierte US-Aktien sei weiterhin gut, genauso wie für Qualitätstitel insgesamt. Aber mit Blick auf ihre stattliche Bewertung hätten andere Aktienkategorien die besseren Perspektiven.

Inker bemängelt, dass Large Caps ihr in der Regel reichlich vorhandenes Kapital zu wenig nachhaltig und wachstumsfördernd investieren. Tatsächlich haben Aktienrückkäufe zwecks Steigerung des Unternehmenswerts pro Aktie bei vielen Gesellschaften Vorrang. Zur Zurückhaltung mit Investitionen mahnt auch der Handelsstreit, der die Weltkonjunktur schwächt und grosse, multinationale Firmen besonders trifft. Dabei ist der freie Cashflow mancher Grossunternehmen genügend hoch, um neben Aktienrückkäufen auch langfristige Investitionen stemmen zu können.

Für Ben Inker stellt dieses Versäumnis ein Risiko dar. Auf den weiterhin raschen wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Wandel seien Grossunternehmen deshalb tendenziell weniger gut vorbereitet. Mittelgrosse und kleinere Gesellschaften sind in der Regel agiler und können sich rascher an ein verändertes Umfeld anpassen.

Die Kleinen sind flexibler

"Die heutigen Champions haben sich ausgezeichnet geschlagen, sonst wären sie nicht in dieser Position", stellt Inker fest, "aber keine Wettbewerbssituation ist für immer garantiert". Die Geschichte dominanter Unternehmen zeige, dass ihre Rentabilität mit der Zeit häufig erodiere.

Noch ändert GMO die Aktienselektion nicht, auch wenn man gemäss ihren Worten "mit den US Mega Caps etwas hart umgeht". Den Value-Kategorien US Small Caps, International und Emerging Markets - also unterbewerteten Substanzwerten - räumt der US-Vermögensverwalter schon jetzt die besten Chancen im Aktiendepot ein. Sollte man auf mehr Evidenz für das beschriebene Szenario einer nachlassenden Rentabilität von Gross- versus Kleinunternehmen stossen, werde man die Modelle jedoch entsprechend anpassen.

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