Candriam: Warum die Onkologie den nächsten Innovationszyklus anführen könnte

Pasquale Sansone, Portfolio Manager Healthcare bei Candriam
Pasquale Sansone, Portfolio Manager Healthcare bei Candriam

Was vor zehn Jahren noch futuristisch klang ist heute klinische Praxis. Für Anleger bedeutet dieser Wandel: Das Gesundheitswesen ist längst nicht mehr nur ein defensiver Sektor, sondern eine der wichtigsten Innovationsplattformen des kommenden Jahrzehnts. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von Pasquale Sansone, Portfolio Manager Healthcare bei Candriam, hervor.

30.07.2026, 12:04 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Der Gesundheitssektor steht an der Schnittstelle von struktureller Nachfrage, wissenschaftlicher Innovation und attraktiven Bewertungen. Eine alternde Weltbevölkerung und ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung stützten das langfristige Wachstum, während Durchbrüche in Genomik, künstlicher Intelligenz und Präzisionsmedizin die Gesundheitsversorgung neu gestalteten, schreibt Pasquale Sansone, Portfolio Manager Healthcare bei Candriam in einer Analyse. Hinzu komme finanzielle Feuerkraft: Grosse Pharmaunternehmen verfügten laut IQVIA über eine Transaktionskapazität von über 1,5 Billionen US-Dollar, was Partnerschaften und Übernahmen zugunsten innovationsorientierter Unternehmen begünstige.

Onkologie als Wachstumstreiber

Innerhalb des Gesundheitswesens bleibe die Onkologie eines der grössten und aktivsten therapeutischen Segmente. In den USA wird laut der Amerikanischen Krebsgesellschaft erwartet, dass rund 38 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens eine Krebsdiagnose erhalten – weltweit zählt Krebs weiterhin zu den häufigsten Todesursachen. Gleichzeitig ziehe die Onkologie einen überproportionalen Anteil an wissenschaftlichen Talenten, klinischer Forschung und Brancheninvestitionen an.

Der Fortschritt sei messbar: Die Überlebensraten bei Krebserkrankungen nach fünf Jahren hätten sich seit den 1970er-Jahren dank Früherkennung, besserem Screening und gezielteren Behandlungen deutlich verbessert. Allein 2025 liess die US-Arzneimittelbehörde FDA 19 neue Krebsmedikamente, 16 neue diagnostische Tests sowie erweiterte Anwendungen bestehender Therapien zu.

Aus Sicht der Investoren ist interessant, dass Gesundheitssektor mit einem beträchtlichen Abschlag gegenüber dem breiteren US-Aktienmarkt notiert – ein Niveau, das in den letzten drei Jahrzehnten nur selten zu beobachten war. Historisch seien solchen Abschlagsphasen jeweils stärkere relative Renditen gefolgt, wie ein Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse von S&P Health Care und S&P 500 seit 1990 zeige.

Präzisions-Onkologie als Paradigmenwechsel

Der zentrale Wandel in der Onkologie sei der Übergang von einer breiten, ortsbasierten Behandlung – etwa nach Lunge, Brust oder Dickdarm – hin zu einer präzisen Intervention an den pathologischen Treibern der Krankheit. Sansone nennt fünf Trends, die das Feld derzeit verändern:

  • Selektive Molekulardiagnostik: Flüssigbiopsien zur Messung zirkulierender Tumor-DNA können mikroskopisches Krebswachstum teils früher erkennen als herkömmliche Bildgebung.
  • Gezielte Therapien, entwickelt nach spezifischen molekularen Merkmalen und erfasst durch ausgeklügelte Biomarkerstrategien.
  • Immuntherapie und Zelltherapie als zentrales Instrument im Kampf gegen Krebs.
  • Radiopharmazeutika, die neue Behandlungswege für ausgewählte Krebsarten eröffnen.
  • KI-gestützte Entdeckung und Studiendesign, die helfen, Patientengruppen zu identifizieren und die Erfolgswahrscheinlichkeit klinischer Studien zu erhöhen.

Der US-Markt für Präzisionsonkologie wurde 2025 auf rund 40 Milliarden US-Dollar geschätzt und dürfte im kommenden Jahrzehnt stark wachsen – wenn auch nicht linear. Fehlschläge bei klinischen Studien, Preisdruck und regulatorische Entscheide könnten zu einer starken Streuung zwischen Gewinnern und Verlierern führen. Selektivität bleibe daher entscheidend.

Fokus verschiebt sich auf Früherkennung

Jahrzehntelang habe sich die Onkologie-Innovation vor allem auf die Behandlung nach der Diagnose konzentriert. Heute verlagere sich der Fokus auf frühere Interventionen: Fortschritte in der genomischen Sequenzierung, Flüssigbiopsie und Molekulardiagnostik erlaubten es, Krankheitszeichen in immer früheren Stadien zu erkennen – teilweise, bevor Symptome auftreten oder Krebs mittels konventioneller Bildgebung sichtbar wird. Dies könne Klinikern helfen, früher einzugreifen, während noch Behandlungsoptionen bestehen.

Damit erweitere sich die Onkologie-Chance über reine Therapeutika hinaus: Unternehmen aus den Bereichen Diagnostik, Screening-Technologien und datengestützte Gesundheitsversorgung würden zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil des Innovationsökosystems.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung