14.08.2026, 06:07 Uhr
Der Börsengang von SpaceX hat die Investmentlandschaft elektrisiert – und zugleich ein Bewertungsproblem ersten Ranges aufgeworfen. Mark Hawtin, Leiter des Global Equities-Teams bei Liontrust Asset Management,...
Bitcoin steht unter dem Bann einer einzigen Frage: Was entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve diese Woche? Der Kurs pendelt um die 65.000-Dollar-Marke – genug Abstand vom Junidrama, aber noch weit entfernt von den Höhen des vergangenen Herbstes. Was die Fed sagt, könnte die Erholung zementieren oder abwürgen.
Um zu verstehen, warum die Fed-Sitzung so viel Gewicht hat, lohnt ein Blick auf die vergangenen neun Monate. Im Oktober 2025 schrieb Bitcoin Geschichte: Der Kurs kletterte auf 126.198 Dollar – ein Allzeithoch, getragen von einer Welle institutioneller Begeisterung. BlackRocks Spot-Bitcoin-ETF IBIT verzeichnete Rekordzuflüsse, Washington signalisierte regulatorische Entspannung, und die klassische Post-Halving-Dynamik tat ihr Übriges.
Dann kam der Fall. Bis Ende Juni 2026 hatte Bitcoin mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüsst – ein Tief bei rund 58.000 Dollar, ein Einbruch von 54 Prozent gegenüber dem Allzeithoch. Die Ursachen waren vielschichtig: Das historische Vier-Jahres-Zyklusmuster liess sich nicht ignorieren, ähnliche Drawdowns von 40 bis 80 Prozent prägten 2013, 2017 und 2021. Gleichzeitig schürte die Nominierung des als Falke geltenden Kevin Warsh zum Fed-Chef Erwartungen einer straffen Geldpolitik. Anleger entzogen den Bitcoin-ETFs im zweiten Quartal rund 4,5 Milliarden Dollar Nettokapital – allein IBIT verbuchte im Juni Abflüsse von rund 4 Milliarden Dollar. Das freigewordene Kapital floss in den KI-Boom und Highlight-IPOs wie SpaceX.
Seit dem Junidrama hat sich die Stimmung gedreht. Bitcoin hat rund 12 Prozent zugelegt und die psychologisch wichtige 65.000-Dollar-Schwelle zurückerobert. Drei Faktoren trieben laut Beobachtern diese Bewegung: Ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht – 57.000 neue Stellen statt der erwarteten 110.000 – drückte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis Jahresende auf rund 25 Prozent. Gleichzeitig reduzierten geopolitische Entspannungssignale das Risikoaversions-Sentiment. Und institutionelle Grossinvestoren griffen zu: Whale-Wallets akkumulierten über 270.000 BTC nahe dem 200-Wochen-Durchschnitt, der Optionsmarkt drehte von Put-Absicherungen hin zu Calls im Bereich 60.000 bis 70.000 Dollar. Technisch beschleunigt wurde die Bewegung durch Short-Eindeckungen in einem dünnen Sommermarkt.
Ob diese Erholung strukturell oder nur eine Liquiditätsillusion ist, bleibt umstritten. Rund die Hälfte des zirkulierenden Bitcoin-Angebots liegt noch immer unter dem jeweiligen Einstandspreis der Halter – eine erhebliche latente Verkaufsbereitschaft.
Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Halten des Leitzinses bei 3,50 bis 3,75 Prozent bei über 80 Prozent – rund 17 Prozent der Marktteilnehmer halten aber eine Erhöhung um 25 Basispunkte noch für möglich. Alles hängt damit auch an Warsh: Sein Satz vom 1. Juli – «Die Preise sind zu hoch» – liess aufhorchen und deutet auf eine Grundhaltung hin, die wenig Spielraum für rasches Lockern lässt. Die Entscheidung fällt heute um 20:00 Uhr MESZ, die Pressekonferenz beginnt um 20:30 Uhr.
Für Bitcoin ergeben sich vier Szenarien.
Fazit: Bitcoin hat sich aus dem Juniloch befreit, aber die Entscheidung über den nächsten Kursabschnitt fällt heute Abend in Washington. Ein Zinshalten würde den Bullen Rückenwind geben – auch wenn der Ton von Warshs Pressekonferenz ebenso viel zählt wie die nackte Zinszahl. Ein Überraschungshike hingegen würde die noch fragile Erholung unter erheblichen Druck setzen.