30.06.2026, 09:09 Uhr
Die Schweizer Chief Investment Officers (CIOs) haben den Ölpreisschock im Zusammenhang mit dem Irankrieg offenbar bereits verarbeitet. Trotz zäher Friedensverhandlungen rechnet keiner der Befragten mit einem...
Eine globale Umfrage von Fidelity International unter 13'000 Privatanlegern in Europa und der Asien-Pazifik-Region zeigt: Schweizer Investoren halten überdurchschnittlich stark an heimischen Anlagen fest – deutlich stärker als der europäische Durchschnitt. Gleichzeitig offenbart sich ein klarer Generationen-Gap.
Fast die Hälfte der Schweizer Anleger konzentriert ihr Portfolio auf den Heimmarkt: 33 Prozent halten mindestens 75 Prozent ihrer Anlagen in Schweizer Franken, weitere 16 Prozent einen Grossteil davon. Rund 40 Prozent investieren dagegen weniger als die Hälfte ihres Vermögens in Franken, was auf eine nennenswerte internationale Diversifizierung hindeutet. An der für die Schweiz repräsentativen «Be-Invested»-Umfrage nahmen 500 Investoren teil.
Der Alterseffekt fällt deutlich aus. Bei den 18- bis 34-Jährigen halten nur 27 Prozent überwiegend Franken-Anlagen, mehr als ein Viertel investiert sogar weniger als 25 Prozent des Portfolios entsprechend. Diese jüngere Generation zeigt sich generell investitionsfreudiger – passend zum europaweiten Trend, wonach mehr als zwei Drittel der jüngeren Anleger planen, künftig mehr zu investieren.
Bei Anlegern ab 55 Jahren dominiert dagegen weiterhin der Heimmarkt: Fast die Hälfte (47 Prozent) hält den Grossteil ihrer Anlagen in Schweizer Franken.
Unter jenen Schweizer Anlegern, die bereits global diversifiziert sind, deckt sich die Motivlage mit dem europäischen Bild: 64 Prozent der Befragten mit einem Frankenanteil unter 50 Prozent bezeichnen Auslandsanlagen und Fremdwährungsexposure als wichtig, ein Viertel sogar als sehr wichtig.
«Traditionell investieren viele Schweizer mit einem zu starken Fokus auf inländische Anlagen», kommentiert Pascal Schuler, Head of Sales Switzerland bei Fidelity International. Er verweist auf Harry Markowitz' Moderne Portfoliotheorie, wonach Diversifikation der einzige «free lunch» der Kapitalanlage sei. Als Erklärungen für den Schweizer Home-Bias nennt Schuler die langfristige Frankenstärke, das stabile politische Umfeld sowie die Präsenz innovativer, marktführender Unternehmen im Land.
Gleichzeitig warnt er vor strukturellen Folgen: Ein zu starker Schweiz-Fokus führe zu einer Übergewichtung defensiver Sektoren wie Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter, während globale Wachstumsbranchen wie Technologie vernachlässigt würden. Verschärft werde dieses Bild durch die Vorsorgegelder der zweiten Säule, die aus regulatorischen Gründen mehrheitlich in Schweizer Anlagewerte fliessen und damit die ohnehin hohe Heimmarkt-Konzentration der Privatanleger zusätzlich verstärken.
Die Diskrepanz zur globalen Wirtschaftsrealität ist beträchtlich: Die Schweizer Wirtschaftsleistung macht laut Mitteilung lediglich rund 0,85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus, der Anteil der Schweizer Börsenkapitalisierung am MSCI World IMI beträgt rund 2 Prozent.
«Auch wenn einige Argumente für Schweizer Anlagen sprechen: Die Heimatliebe sollte nicht dazu führen, dass man die Diversifikation vernachlässigt und sich unbewusst Konzentrationsrisiken aussetzt», so Schuler weiter. Schweizer Anleger seien daher gut beraten, die geografische Allokation ihres frei verfügbaren Vermögens kritisch zu hinterfragen.