KKR: So profitieren Investoren von den strukturellen Veränderungen in Europa

Henry McVey, CIO des Balance Sheet von KKR sowie Head of Global Macro & Asset Allocation (Bild: KKR)
Henry McVey, CIO des Balance Sheet von KKR sowie Head of Global Macro & Asset Allocation (Bild: KKR)

Der US-Private-Markets-Riese KKR analysiert die Investment-Chancen in Europa. Dabei kommt Henry McVey, CIO des Balance Sheet von KKR sowie Head of Global Macro & Asset Allocation, zum Schluss, dass Investoren die strukturellen Veränderungen in den einzelnen Regionen und Industrien beobachten sollten.

31.07.2026, 09:37 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Für Henry McVey, CIO des Balance Sheet von KKR sowie Head of Global Macro & Asset Allocation, stellen diejenigen, die auf eine umfassende europäische Renaissance warten, die falsche Frage. «Die bessere Frage lautet unserer Meinung nach: Wo führen strukturelle Veränderungen innerhalb der Region zu einem differenzierten Gewinnwachstum und nachhaltigen Cashflows?», schreibt er.

Am aggregierten Wirtschaftswachstum Europas habe sich wenig geändert – dieses bleibe moderat. Doch unter der Oberfläche nehme die Dispersion zwischen einzelnen Sektoren und Ländern deutlich zu, während gleichzeitig die Stimmung gegenüber der Region insgesamt negativ bleibe. Genau darin liege die Chance, so McVey.

Zwei Geschwindigkeiten in Europa

Traditionelle Wirtschaftsmotoren wie Autos, energieintensive Industrie und Teile des Immobilienmarkts stünden weiterhin unter Druck – ein Trend, den KKR als anhaltend einstuft. Demgegenüber sehe man strukturelle Rückenwinde in Bereichen wie Verteidigung, Altersvorsorge und Sparen, Gesundheit und Wellness, erlebnisorientiertem Konsum sowie Digitalisierung, wo Umsatz- und Gewinnwachstum zunehmend jenem in stärkeren Teilen der USA und Asiens ähnelten.

Konkret rechnet KKR gemäss Konsensschätzungen für 2026/27 mit den höchsten Gewinnwachstumsraten (EPS-CAGR) in den Sektoren Verteidigung (25 Prozent), Autos (24 Prozent) sowie Papier und Verpackung (22 Prozent).

Auch die Peripherie entwickle sich deutlich besser als der Kern: Länder wie Spanien und Italien hätten sowohl bei der Beschäftigung als auch bei den Bruttoanlageinvestitionen seit 2022 spürbar aufgeholt, während sich Deutschland und Frankreich schwerer täten.

Vom «Capital Heavy» zum «Capital Light»

Ein zentrales Thema der Analyse ist der Übergang europäischer Unternehmen von kapitalintensiven zu kapitalleichten Geschäftsmodellen. Unternehmen stünden unter wachsendem Druck, ihre Portfolios zu vereinfachen und die Kapitalrendite in einem Umfeld höherer Kapitalkosten zu verbessern. Gleichzeitig benötigten Regierungen privates Kapital, um Verteidigung, Energiesicherheit, digitale Infrastruktur und Lieferkettenresilienz zu finanzieren – und das bei bereits angespannten Staatshaushalten.

Beide Entwicklungen würden Private Equity, Infrastruktur, Credit, Versicherungskapital und Structured Solutions eine grössere Rolle zuweisen. Als Beleg führt KKR die Zahl der Corporate Carve-outs an: Zwischen 2022 und 2024 entfielen laut KPMG rund 15'400 Transaktionen auf Europa – deutlich mehr als in Asien (13'200) oder Nordamerika (8'800).

33 Billionen Euro ungenutztes Potenzial

Besonders hebt McVey das Sparverhalten europäischer Haushalte hervor. Diese sässen mittlerweile auf rund 33 Billionen Euro an Ersparnissen, davon rund 10 Billionen Euro in Bankeinlagen. Im Vergleich zu den USA sei der Aktienanteil an den Haushaltsvermögen in der Eurozone strukturell deutlich niedriger geblieben. KKR sieht darin eine erhebliche Chance für die Vermögensverwaltungsbranche, diese Mittel in produktivere Anlageklassen zu lenken – zumal eine strukturell höhere Inflation den Bedarf an realen Renditen verstärke.

Deutschland: Quo vadis?

Ein weiterer Schwerpunkt ist laut den KKR-Analysten Deutschland. Die fiskalische Wende habe sich bislang nur langsam materialisiert – die deutschen Staatsinvestitionen seien 2025 sogar leicht gesunken, trotz optimistischerer Markterwartungen. Gleichzeitig habe die Regierung mit der Lockerung der Schuldenbremse sowie einem 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturfonds und über 500 Milliarden Euro für Verteidigung eine der umfassendsten fiskalpolitischen Kurskorrekturen seit Jahrzehnten eingeleitet. Erste Anzeichen einer Reaktion des Privatsektors zeigten sich bereits in den Bereichen Halbleiter, KI-Infrastruktur und Venture Capital.

Gelinge die Umsetzung, so KKR, könnten die positiven Effekte weit über Deutschland hinausreichen und Investitionen, Produktivität sowie Kapitalbildung in weiten Teilen Europas stützen.

Attraktive Bewertungen im globalen Vergleich

Aus Portfoliosicht verweist KKR darauf, dass der Stoxx Europe 600 mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,0x für die kommenden zwölf Monate deutlich günstiger bewertet ist als der S&P 500 (20,2x) – bei einer Dividendenrendite von 3,0 Prozent gegenüber 1,1 Prozent in den USA. Zudem sei die relative Stärke von US-Momentum- gegenüber Substanzwerten wieder auf ein Niveau gestiegen, das zuletzt während der Technologieblase beobachtet wurde – ein Argument für breitere geografische Diversifikation.

Fazit: Keine der von KKR skizzierten Chancen setze voraus, dass Europa zu einer Hochwachstumsregion werde, betont McVey. Entscheidend sei vielmehr, dass Kapital effizienter alloziert, private Investitionen öffentliche ergänzen und Unternehmen strukturellen Wandel konsequent umsetzen. «Europa ist für Investoren keine Makro-Wette – sondern eine Frage der richtigen Kapitalallokation», so McVey abschliessend.

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