21.09.2026, 11:25 Uhr
Die Weltwirtschaft hat sich robuster gezeigt als nach dem Iran-Konflikt und dem Anstieg der Energiepreise befürchtet. Candriam bleibt bei Aktien deshalb leicht übergewichtet, mahnt nach den Kursgewinnen im August...
Starke Konjunkturdaten, ein teurer Ölpreis und eine schwache Auktion haben den Ausverkauf am US-Anleihenmarkt verschärft. Die Renditen fast aller Laufzeiten stehen so hoch wie seit knapp zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Fed steht unter Zugzwang.
Die Rekordwerte überhäufen sich: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg am Mittwoch um rund 17 Basispunkte auf 5,13 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2007 und der grösste Tagesanstieg seit den Zollturbulenzen vom April 2025.
Die fünfjährige Rendite kletterte erstmals seit 2007 über die Marke von 5 Prozent. Die 30-jährige Anleihe rentierte zeitweise über 5,4 Prozent. Unter der 5-Prozent-Schwelle liegen damit nur noch die zwei- und dreijährigen Laufzeiten. Auch die zweijährige Rendite erreichte mit rund 4,95 Prozent den höchsten Stand seit Mai 2024.
Was die Märkte beunruhigt: Die Bewegung ist steil. Anfang September lagen die fünf- und die zehnjährige Rendite noch bei 4,54 beziehungsweise 4,78 Prozent. Die zehnjährige Rendite steuert auf den siebten Monatsanstieg in Folge zu. Eine so lange Serie gab es zuletzt 2011.
Den Ausschlag gab diese Woche die Auktion fünfjähriger Notes im Umfang von 70 Milliarden US-Dollar. Die Papiere wurden zu 5,033 Prozent zugeteilt, dem höchsten Auktionsniveau für diese Laufzeit seit 2006. Bei der Auktion im August waren es noch 4,393 Prozent gewesen. Die Zuteilung lag 3,1 Basispunkte über dem vorbörslich gehandelten Niveau. Ein solcher «Tail» ist rund fünfmal so gross wie im Schnitt der letzten sechs Auktionen. Die Bid-to-Cover-Ratio fiel auf 2,21 und damit auf den tiefsten Wert seit Dezember 2018. Indirekte Bieter, zu denen auch ausländische Zentralbanken zählen, übernahmen nur 54,3 Prozent. Das ist der geringste Anteil seit März 2020. Die Primärhändler mussten einen überdurchschnittlich grossen Teil der Emission selbst übernehmen.
Das Signal an den Markt ist deutlich. Die Nachfrage nach US-Staatspapieren hält mit dem Angebot nur mit Mühe Schritt. Dazu kommt Konkurrenz um Kapital: Unternehmen aus dem KI-Sektor haben in diesem Jahr Anleihen von über 1,5 Billionen US-Dollar begeben.
Bereits am Morgen hatten die Einkaufsmanagerindizes von S&P Global die Anleihen unter Druck gesetzt. Der zusammengesetzte Index für die US-Privatwirtschaft stieg im September auf 58,4 Punkte, den höchsten Wert seit Juli 2021. Industrie und Dienstleistungen legten gleichermassen zu. Gleichzeitig stiegen die Inputkosten so rasch wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Der Ölpreis notierte vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und Iran über 100 US-Dollar je Fass.
Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins in der Vorwoche erstmals seit drei Jahren angehoben, auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Fed-Gouverneur Michael Barr erklärte am Mittwoch, weitere Erhöhungen seien wahrscheinlich nötig. Die Inflation liegt seit fünfeinhalb Jahren über dem Zielwert von 2 Prozent. Am Terminmarkt stieg die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung im Oktober auf rund 70 Prozent. Die Swapmärkte preisen über die nächsten zwölf Monate drei Zinsschritte ein. Damit läge der Leitzins bei 4,75 bis 5,00 Prozent. Eine Societe-Generale-Strategin sprach von einem regelrechten «Meltdown».
Der Druck blieb nicht auf die USA beschränkt. Europäische Staatsanleihen gaben bereits am Mittwoch nach. Im asiatischen Handel am Donnerstag stieg die Rendite dreijähriger australischer Anleihen auf den höchsten Stand seit 2011.
Unter Druck gerät auch das Finanzministerium unter Scott Bessent. Es hatte im August angekündigt, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Die erste erweiterte Operation vom 10. September verpuffte. Statt der angekündigten 6 Milliarden US-Dollar wurden nur 5,19 Milliarden US-Dollar zurückgekauft, und die Renditen stiegen danach weiter. Der Markt hatte ein Volumen von 7 bis 10 Milliarden US-Dollar erwartet. Heute folgt die zweite Operation über 6 Milliarden US-Dollar im Segment von 20 bis 30 Jahren. Am selben Tag findet die Auktion siebenjähriger Notes statt. Sie gilt als nächster Test für die Aufnahmefähigkeit des Marktes.
Nominal sind Renditen von über 5 Prozent so attraktiv wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Für Franken-Anleger ist diese Zahl allein aber wenig aussagekräftig. Die Absicherungskosten gegenüber dem US-Dollar orientieren sich an der Zinsdifferenz am kurzen Ende und zehren einen grossen Teil des Renditevorsprungs auf. Wer ungesichert investiert, trägt dagegen das volle Währungsrisiko.
Auch die Form der Zinskurve verlangt Aufmerksamkeit. Der Aufschlag der zehn- gegenüber der fünfjährigen Laufzeit bleibt schmal. Anleger erhalten für deutlich mehr Zinsänderungsrisiko also kaum zusätzlichen laufenden Ertrag. Laufzeiten im Bereich von fünf Jahren bieten hohe Renditen bei geringerem Kursrisiko. Längere Duration zahlt sich erst aus, wenn Wachstum und Inflation spürbar nachlassen und die Fed später wieder lockert. Solange Konjunktur, Ölpreis und Emissionsvolumen in die andere Richtung zeigen, bleibt das lange Ende verwundbar.