15.09.2026, 10:00 Uhr
Candriam bringt mit dem «Candriam L Alternative Multi-Strategies Fonds» ein neues Vehikel im Bereich alternativer Anlagen auf den Markt. Der Fonds ist zum Vertrieb in der Schweiz zugelassen und wird von einem...
Der belgische Vermögensverwalter Candriam stuft die europäische Verteidigungsaufrüstung in einer aktuellen Analyse nicht mehr als vorübergehenden Ausgabenschub ein, sondern als strukturelle, jahrzehntelange industriepolitische Verpflichtung.
Die Candriam-Expertren Ken Van Weyenberg, Head of Client Portfolio Management Equity, und Quentin Duquesne, European Equity Analyst argumentieren in Ihrer Studie, dass die russische Invasion in der Ukraine die jahrzehntelange Annahme zerstört habe, europäische Verteidigungsbudgets seien eine Art Friedensdividende, die anderswo investiert werden könne. Verstärkt worden sei dieser Wandel durch eine weniger verlässliche transatlantische Sicherheitspartnerschaft sowie durch die wachsende strategische Bedeutung von Cyber, Drohnen und Weltraum.
Als Wendepunkt identifiziert Candriam den NATO-Gipfel im türkischen Ankara vom Juli 2026: Dort habe sich der Fokus von politischen Zusagen hin zur konkreten Umsetzung verschoben. Die NATO-Ausgaben hätten lange unter der 2-Prozent-BIP-Richtlinie gelegen und diese Schwelle laut Candriam erst 2025 überschritten.
Die Studie stützt ihre These mit einer Reihe konkreter Grössenordnungen:
Bemerkenswert an der Candriam-Analyse ist die Verschiebung der Risikoeinschätzung: Nicht die Finanzierung oder die politische Nachfrage seien der limitierende Faktor, sondern die industrielle Ausführung – Teile, Arbeitskräfte und Fabrikkapazitäten. Als Belege führen die Autoren das ins Stocken geratene deutsch-französische Kampfjet-Programm FCAS sowie die annullierte deutsche Fregattenbestellung an. Daraus leitet Candriam eine differenzierte Anlageschlussfolgerung ab: Nicht die pauschale Sektorwette zähle, sondern die Fundamentalanalyse einzelner Unternehmen mit glaubwürdigen Produktionsplänen und überschaubarem Programmrisiko.
Candriams Botschaft an Anlegerinnen und Anleger lautet damit: Die politische Grosswetterlage begünstigt den Sektor zwar strukturell und über mehrere Jahrzehnte, doch Selektivität bleibt entscheidend. Die beiden Autoren warnen jedoch ausdrücklich davor, allein auf höhere Ausgabenziele zu setzen. Entscheidend sei vielmehr, welche Unternehmen ihre Auftragsbestände tatsächlich in profitables Wachstum umsetzen können.
Und hier weitet Candriam den Autonomiebegriff aus dem engeren Verteidigungssektor hinaus auf zwei weitere Bereiche: