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Zinswende in Japan: Was heisst das für die globalen Anleihemärkte?

Japans Zinswende setzt globale Anleihemärkte unter Druck (Bild: Adobe Stock)
Japans Zinswende setzt globale Anleihemärkte unter Druck (Bild: Adobe Stock)

Steigende Zinsen in Japan könnten globale Kapitalströme umleiten und den Renditedruck an den internationalen Anleihemärkten weiter verschärfen. Das ist die zentrale Einschätzung von Ales Koutny, Head of International Rates bei Vanguard Europe.

16.09.2026, 10:41 Uhr

Redaktion: asc

Japan zählte in der Vergangenheit zu den wichtigsten Kapitalgebern für den Rest der Welt. Japanische Investoren kauften in grossem Stil ausländische Aktien und Obligationen, während der Yen dank aussergewöhnlich tiefer Zinsen zu einer zentralen Finanzierungswährung für globale Carry Trades avancierte. Nun mehren sich die Anzeichen, dass sich dieses Muster verändert.

Steigende Renditen locken Kapital zurück nach Japan

In den vergangenen Jahren sind die Renditen japanischer Staatsobligationen von nahe null langsam, aber stetig gestiegen. Setzt sich dieser Trend fort, könnte laut Ales Koutny mehr Kapital im Inland verbleiben – mit der Folge, dass eine wichtige Nachfragequelle für US-Staatsanleihen und andere globale Vermögenswerte teilweise versiegt.

Die Brisanz dieser Entwicklung zeigte sich bereits Ende Juli, als die USA und Japan gemeinsame Interventionen zur Stützung des Yen vereinbarten. Zuvor war die japanische Währung gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit fast 40 Jahren gefallen. Tiefe Leitzinsen hatten den Yen unter Druck gesetzt, während gleichzeitig Inflationssorgen und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zentralbank die Zinsen in die Höhe trieben.

Verschärfter Wettbewerb um globales Kapital

Laut Vanguard verschärft sich der Wettbewerb um Kapital gleich aus mehreren Richtungen: Regierungen nehmen für Verteidigungsausgaben erhebliche Schulden auf, Technologieunternehmen begeben Obligationen zur Finanzierung des KI-Ausbaus, und die Zentralbanken verkürzen ihre Bilanzen, wodurch zusätzliche Anleihen auf den Markt kommen. Um diese Papiere abzunehmen, verlangen Investoren höhere Prämien – mit der Folge steigender Renditen in wichtigen Märkten.

Japan spielt in diesem Anpassungsprozess eine zentrale Rolle: Höhere japanische Renditen könnten Investoren im Land dazu veranlassen, ihre Anlagemöglichkeiten im In- und Ausland neu zu bewerten.

Getragen wird diese Entwicklung von einer robusten japanischen Konjunktur. Hohe Löhne, steigende Konsumausgaben und anhaltende Unternehmensinvestitionen prägen das Bild einer «Hochdruckwirtschaft», in der die Nachfrage stärker ausfällt als erwartet und ein struktureller Arbeitskräftemangel das Lohnwachstum zusätzlich befeuert.

Auch die Inflation hat sich laut Vanguard verbreitert und ihre Ursachen zunehmend ins Inland verlagert. Zwar trieben zunächst Importkosten und der schwächere Yen die Teuerung an, doch selbst nach Bereinigung um temporäre staatliche Eingriffe wie Energiesubventionen liegt die Inflation weiterhin über dem Zielwert der Bank of Japan (BoJ) von 2 Prozent.

Vanguard erwartet zwei weitere Zinsschritte

Vanguard hat seine Zinsprognosen für Japan zuletzt angehoben und rechnet nun mit zwei weiteren Anhebungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt auf 1,5 Prozent bis Jahresende sowie einem weiteren Anstieg im kommenden Jahr auf 2 Prozent.

Koutny geht davon aus, dass die Märkte sogar unterschätzen könnten, wo sich die japanischen Zinsen letztlich einpendeln werden. Während die BoJ ihre Neutralzinsschätzung – jener theoretische Satz, der das Wachstum weder ankurbelt noch bremst – sehr breit fasst, hält Vanguard eine Spanne von 2 bis 2,5 Prozent für realistischer als die tieferen Sätze, die der Markt derzeit einpreist.

Die Notenbank steht vor einer diffizilen Balance: Steigen die Zinsen zu langsam, könnte sich die Inflation verfestigen und weiterhin Druck auf die Währung ausüben. Steigen sie hingegen zu schnell, drohen eine Aufwertung des Yen, Belastungen für die Exportwirtschaft und wachsende Sorgen um die Kreditkosten des Staates. Da die Finanzkonditionen insgesamt aber weiterhin expansiv sind, sieht Vanguard für die BoJ Spielraum für weitere schrittweise Zinserhöhungen.

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