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Invesco-Stratege Jackson: Zyklische Anlagen bleiben Trumpf – aber lieber ausserhalb der USA

Paul Jackson ist Global Market Strategist bei Invesco
Paul Jackson ist Global Market Strategist bei Invesco

Die Weltwirtschaft trotzt dem Energiepreisschock, sagt Paul Jackson, Global Market Strategist bei Invesco. Er bleibt bei zyklischen Anlagen übergewichtet, meidet aber teure US-Aktien und setzt auf Europa, Grossbritannien und die Schwellenländer. Das grösste Risiko sieht er in einer anhaltenden Sperrung der Strasse von Hormus.

24.09.2026, 17:18 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Die Weltwirtschaft hat den Anstieg der Energiepreise bisher gut weggesteckt. Nach Einschätzung von Paul Jackson, Global Market Strategist bei Invesco, befindet sie sich weiterhin auf einem soliden Wachstumskurs, gestützt nicht zuletzt durch die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz. «Das bestärkt uns in unserer Präferenz für zyklische und risikoreichere Anlagen», schreibt Jackson in seinem aktuellen Investmentausblick. Zur Diversifikation setzt er auf Immobilien sowie auf Anlagen mit kürzerer Kapitalbindung, etwa die liquideren Segmente des Private-Credit-Universums.

Mittlere Expansionsphase trotz Gegenwind

Die Frühindikatoren liegen laut Jackson in den meisten Volkswirtschaften über dem Trend und zeigen seit einigen Monaten eine positivere Dynamik. Die frühere geldpolitische Lockerung wirke über ein stärkeres Geldmengenwachstum nach, und die anhaltenden KI-Investitionen könnten zusätzliche Nachfrageimpulse liefern. Besonders zuversichtlich stimmt ihn die Stabilität der Einkaufsmanagerindizes, vor allem in der Industrie. Insgesamt sieht er die Weltwirtschaft in einer mittleren Expansionsphase.

Als Bremsfaktoren nennt Jackson das Ende der lockeren Geldpolitik, hohe Staatsschulden und steigende langfristige Anleiherenditen, die Regierungen zu mehr Haushaltsdisziplin zwingen könnten. Dazu kommen ein höherer Lohndruck am angespannten US-Arbeitsmarkt, mögliche geldpolitische Fehlentscheide sowie das Risiko, dass die Hyperscaler ihre KI-Investitionen zurückfahren.

Die Zinswende ist bereits Realität: Die Europäische Zentralbank hat am 10. September alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben, der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent. Auch die US-Notenbank Fed hat im September um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Die Schweiz geht einen eigenen Weg: Die SNB hat ihren Leitzins am Donnerstag bei null Prozent belassen, wo er seit Juni 2025 verharrt.

Die Strasse von Hormus als grösstes Risiko

Die grösste Gefahr für sein Szenario sieht Jackson in einer länger andauernden Sperrung der Strasse von Hormus: «In einem solchen Szenario könnte es zu Energieengpässen, einer Nachfragezerstörung, deutlich höheren Energiepreisen, einer höheren Inflation und einer Straffung der Geldpolitik kommen – mit erwartbar negativen Auswirkungen auf die meisten Anlageklassen.»

Die Lage bleibt angespannt. Am 22. September wurden lediglich drei Frachtschiffe mit Rohstoffen bei der Durchfahrt beobachtet, gegenüber rund 15 Schiffen im Durchschnitt der zehn Tage davor. Iran und die USA liegen bei den Bedingungen für eine Vereinbarung weiterhin auseinander. Brent-Rohöl erreichte im Juli mit über 105 US-Dollar pro Barrel sein Jahreshoch, fiel im August auf rund 83 US-Dollar und notierte nach der erneuten Eskalation Anfang September wieder bei rund 95 US-Dollar.

Jacksons Basisszenario bleibt dennoch anhaltendes globales Wachstum, weil er mit einer Normalisierung der Energiepreise rechnet. Das würde die Realeinkommen stützen und den privaten Konsum stärken.

Anleihen: Kurze Duration bevorzugt

Historische Renditemuster sprechen laut Jackson dafür, dass in diesem Umfeld zyklische Anlagen wie Industrierohstoffe, Aktien, Schwellenländeranlagen, REITs und Hochzinsanleihen gut abschneiden. Allerdings dürften manche davon bereits viel Positives eingepreist haben.

Der jüngste Renditeanstieg habe Anleihen wieder attraktiver gemacht, doch die Renditen könnten weiter steigen. High Yield biete zwar mehr zyklisches Exposure, die Spreads seien aber ungewöhnlich eng. Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen könnten bei weiter steigenden Langfristzinsen unter Druck geraten. Anlagen mit kurzer Duration wie Private Credit hätten sich in solchen Phasen historisch besser gehalten.

Als Diversifikationsquellen favorisiert Jackson Immobilien sowie die liquideren Segmente des Private-Credit-Marktes, darunter Collateralised Loan Obligations (CLOs) mit AAA-Rating und Bank Loans. «Unserer Ansicht nach bieten diese Anlagen eine Minderung des Risikos einer anziehenden Inflation und einer Konjunkturabkühlung, ohne das Renditepotenzial wesentlich zu schmälern.»

Value, Europa und Emerging Markets

Bei Aktien bevorzugt der Invesco-Stratege Value-Titel sowie die Sektoren Konsum, Industrie, Rohstoffe, Finanzen und Technologie. US-Anlagen, insbesondere Aktien, hält er im historischen Vergleich und gegenüber anderen Regionen für teuer. Schwellenländer und Europa böten attraktivere Bewertungen und eine höhere Konjunktursensitivität. Politische Unsicherheiten in den USA und die Währungsbewertung sprechen laut Jackson für einen mittelfristig schwächeren US-Dollar, was Rohstoffen und Schwellenmärkten zugutekommen könnte.

Chinesische Aktien seien weiterhin günstig bewertet und böten mittel- bis langfristiges Outperformance-Potenzial. Europäische Märkte seien zwar etwas teurer als üblich, was weiteren Kursgewinnen aber nicht im Weg stehe, solange die Weltwirtschaft expandiert. Über alle Anlageklassen hinweg bevorzugt Jackson Europa, insbesondere Grossbritannien, sowie die Schwellenländer.

Rezession als Hauptrisiko für die Positionierung

Das grösste Risiko für seine zyklische Ausrichtung sieht Jackson in einer Rezession. Auch eine hartnäckig hohe Inflation infolge steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise wäre für die meisten Anlageklassen schwierig. In diesem Fall dürften Energie- und Agrarrohstoffe sowie rohstoffnahe Aktien zu den wenigen robusten Anlagen gehören.

Vorerst rechnet Jackson aber damit, dass das globale BIP weiter wächst und die Inflation letztlich nachlässt. Eine restriktivere Geldpolitik werde die Weltwirtschaft nicht aus dem Tritt bringen, auf Sicht von zwölf Monaten erwartet er nur vorübergehende geopolitische Volatilität. «Wir meinen weiterhin, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nur begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen haben wird», sagt Jackson. «In der Vergangenheit waren die Aktienrenditen nach geopolitischen Turbulenzen häufig positiv – die Märkte neigen wohl dazu, die nachhaltigen Auswirkungen derartiger Ereignisse zu überschätzen.»

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