27.08.2026, 09:12 Uhr
Die Konzentration am US-Aktienmarkt war Anfang Jahr ungewöhnlich hoch, wodurch zahlreiche Portfolios stark von der Entwicklung einer kleinen Gruppe von Titeln abhängig waren. Seither hat sich das Bild jedoch...
Der US-Vermögensverwalter Invesco lanciert mit der britischen Digitalbank Zopa eine Plattformtechnologie, die Banken helfen soll, brachliegende Spargelder in langfristige Anlagen zu lenken.
Das Problem ist bekannt, die Lösung soll neu sein. Obwohl Anlegen dank Apps, ETF und Fractional Investing so einfach geworden ist wie nie, parkieren Europas Privathaushalte gemäss Europäischer Kommission weiterhin rund 10 Billionen Euro in Bargeld und Einlagen.
Invesco setzt nun nicht beim Produkt an, sondern beim Kopf des Kunden: Mit der «Personalised Investor Engine», kurz PIE, stellt der Asset Manager eine sogenannte Behavioural-Intelligence-Plattform vor, die Banken und Anlageplattformen in ihre bestehenden digitalen Kundenprozesse einbauen können.
«Die zentrale Herausforderung besteht heute nicht mehr im Zugang zu Anlageprodukten, sondern in der Aktivierung der potenziellen Anleger», so Sonia Bainbridge, Head of Digital Distribution EMEA bei Invesco in einer Mitteilung. Verlustängste, mangelndes Selbstvertrauen und die Unsicherheit, die richtige Entscheidung zu treffen, bremsten viele Sparer aus. PIE solle Finanzinstituten zeigen, warum einzelne Kunden zögern – und sie an den entscheidenden Punkten individuell abholen.
Die Technologie arbeitet in drei Schritten. Zunächst werden Kunden verhaltenspsychologisch profiliert und segmentiert – nach Merkmalen wie Selbstvertrauen, Besonnenheit, Impulsivität und finanziellem Wohlbefinden. Die Methodik stützt sich auf die Expertise von Oxford Risk. Das britische Behavioural-Finance-Unternehmen bewertet Anleger in seinem Persona-Modell entlang von 16 Dimensionen der finanziellen Persönlichkeit, darunter Gelassenheit, Impulsivität und Wunsch nach Begleitung.
Im zweiten Schritt personalisiert PIE die zentralen Entscheidungsmomente – Onboarding, Einzahlung, Erstinvestment, Aufstockung und Auszahlung – mit gezielten Impulsen, sogenannten Nudges, und einer dynamischen Ansprache. Drittens wird das Ganze in die bestehende Customer Journey des Instituts integriert. Invesco betont, PIE ersetze keine bestehenden Angebote und sei unabhängig von Anlageklasse und Produkt einsetzbar.
Basis der Plattform ist eine Mitte September veröffentlichte Invesco-Studie mit 6'000 Teilnehmern zur Frage, warum Sparer lieber Cash halten als anzulegen. Das Interesse am Investieren sei durchaus vorhanden, heisst es darin – vielen fehle aber das Wissen, warum, wann und wie sie aktiv werden sollten. Zwei Befunde stechen heraus: Selbstvertrauen und Vertrauen in Finanzinstitute sind getrennte Hürden, die unterschiedlich adressiert werden müssen. Und ein wachsendes Bargeldpolster mindert die Angst vor Anlageverlusten nicht, sondern verstärkt sie eher. Im Vergleich zu generischen Einheitslösungen hätten personalisierte, verhaltenspsychologisch fundierte Ansätze in drei Phasen des Kundenerlebnisses deutlich besser abgeschnitten, so Invesco. Konkrete Zahlen dazu nennt der Asset Manager in der Mitteilung allerdings nicht.
Lanciert wird PIE gemeinsam mit Zopa, einer britischen Digitalbank mit 1,5 Millionen Kunden aus dem gehobenen Privatkundensegment. Die Partnerschaft ist nicht neu: Zopa bietet bereits zwei fertige Anlagefonds an, die von Invesco verwaltet und über die API-Infrastruktur von Upvest in die Plattform eingebunden sind; der Einstieg ist ab einem Pfund möglich. Hintergrund ist eine breite Lücke im britischen Retailmarkt: Schätzungsweise 15 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich halten überschüssiges Bargeld, ohne es anzulegen. thepaypersthepaypers
«Die Chance liegt nicht allein darin, mehr Menschen den Zugang zu Geldanlagen zu ermöglichen, sondern ihnen das nötige Wissen und Vertrauen zu vermitteln», so Natasha Wear, Senior Director of Wealth bei der Zopa Bank. Oliver Bilal, Head of EMEA bei Invesco, sieht PIE als «wichtigen Schritt hin zu einem stärker personalisierten Anlagemodell». Kunden erwarteten von Finanzdienstleistungen zunehmend dieselbe Relevanz wie von anderen digitalen Angeboten – beim Anlageerlebnis habe sich bislang aber vielerorts wenig verändert.