05.05.2026, 08:20 Uhr
Zinsschwankungen, Inflationsdruck und geopolitische Risiken haben die Spielregeln im festverzinslichen Bereich verändert. Anleger stehen vor der Frage, wie sich Liquidität produktiv einsetzen lässt, ohne klassische...
Die globalen Dividendenausschüttungen sind im ersten Quartal 2026 auf einen neuen Rekordwert von 421 Milliarden US-Dollar gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresquartal mit 394 Milliarden US-Dollar entspricht dies einem Plus von 6,7 Prozent – getragen von robusten Fundamentaldaten und ausgeprägten saisonalen Basiseffekten. Das geht aus dem aktuellen «Global Payout Pulse» von Vanguard hervor.
Den Löwenanteil zum Rekord steuerten die entwickelten Märkte bei. Saisonbedingt blieb Nordamerika mit Ausschüttungen von 205 Milliarden US-Dollar (+9 Prozent) die mit Abstand wichtigste Region und vereinte fast die Hälfte aller globalen Dividenden auf sich. Deutlich stärker zulegen konnte allerdings Europa ohne Grossbritannien: Hier kletterten die Ausschüttungen um 34 Prozent auf 68 Milliarden US-Dollar. Auch in Grossbritannien, Japan und im pazifischen Raum stiegen die Dividenden.
Hinter den Zahlen stehen vor allem zwei Branchen. In Nordamerika waren es die Finanzwerte, die mit einem zusätzlichen Beitrag von 8,3 Milliarden US-Dollar rund 31 Prozent des globalen Dividendenwachstums stemmten. Hintergrund sind solide Erträge sowie Dividendenerhöhungen und beschleunigte Aktienrückkäufe, nachdem die US-Banken die Stresstests der Notenbank bestanden hatten. Von den 205 Milliarden US-Dollar-Ausschüttungen in Nordamerika entfielen 45 Milliarden US-Dollar allein auf den Finanzsektor.
In Europa ausserhalb Grossbritanniens konzentrierte sich das Wachstum dagegen klar auf den Gesundheitssektor. Einzelne Pharmakonzerne lieferten den Grossteil des Zuwachses, getrieben von höheren jährlichen März-Dividenden. Von einem Ausschüttungswachstum von insgesamt 17 Milliarden US-Dollar in Europa entfielen 7 Milliarden US-Dollar auf Healthcare-Titel.
China und Schwellenländer als Bremse – aber aus technischen Gründen
Während Nordamerika und Europa zusammen 27 Milliarden US-Dollar zum Wachstum beisteuerten, wirkten China und die übrigen Schwellenländer dämpfend. Allein im chinesischen Finanzsektor gingen die Dividenden um 10 Milliarden US-Dollar zurück. Der Rückgang ist laut Vanguard jedoch nicht auf eine Schwäche der Fundamentaldaten zurückzuführen, sondern auf eine Verschiebung im Auszahlungsrhythmus: Die vier grössten chinesischen Banken sind auf halbjährliche Dividenden umgestellt und haben ihre Zwischendividenden für das erste Halbjahr 2025 bereits im Dezember 2025 ausgeschüttet. Die jährliche Ausschüttungskapazität bleibt unverändert.
Auch die Schwellenländer ohne China verzeichneten einen Rückgang im Vorjahresvergleich. Grund ist ein aussergewöhnlich starkes erstes Quartal 2025, das von brasilianischen Finanzwerten geprägt war. Trotz eines stabileren Wechselkurses zwischen brasilianischem Real und US-Dollar lagen die Ausschüttungen dieses Mal unter dem Vorjahresniveau.
Mit Blick nach vorn rechnet Viktor Nossek, Head of Investment and Product Analytics bei Vanguard Europe, mit einer weiteren starken Phase. Im zweiten Quartal werde Europa ohne Grossbritannien die globalen Ausschüttungen dominieren – Ausdruck der strukturell ausgeprägten Dividendensaison in den Monaten April und Mai. Im weiteren Jahresverlauf 2026 könnten zudem Energie- und Rohstoffwerte erneut zu Treibern werden, sofern die Rohstoffpreise vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Risiken hoch bleiben.
Für Anleger spielten diversifizierte High-Dividend-Strategien laut Nossek eine zunehmend wichtige Rolle. In einem Umfeld, in dem stabile Ausschüttungen und geringere Bewertungsrisiken stärker gewichtet würden, dürften Unternehmen mit soliden Bilanzen und nachhaltigen Ausschüttungsquoten ihre Dividendenpolitik weiter ausbauen – sowohl als Stabilisator im Gesamtportfolio als auch als verlässliche Quelle laufender Erträge.