20.08.2026, 08:37 Uhr
Die gemeinsame Intervention von USA und Japan am Devisenmarkt hat den Yen kurzzeitig gestützt, doch für Neuberger zählt letztlich die Zinsdifferenz zwischen den beiden Ländern. Der Asset Manager bleibt bei...
Der Sommer 2026 hat sich zu einer der schwersten Waldbrandsaisons der vergangenen zwei Jahrzehnte entwickelt. Nach Daten des European Forest Fire Information System (EFFIS) der EU-Kommission waren bis zum 19. August EU-weit rund 580'000 Hektar Land verbrannt – mehr als doppelt so viel wie im 20-jährigen Durchschnitt von rund 243'000 Hektar für denselben Zeitraum. Was das für institutionelle Investoren heisst, schreibt Hugo Bonnard, Fondsmanager bei DPAM, in einer Analyse.
Die Fakten zur Waldbrandsaison in Europa sprechen eine klare Sprache: Zusammen mit den Bränden in Nordamerika sind es gemäss UNO-Angaben seit Saisonbeginn fast sechs Millionen Hektar, die den Flammen zum Opfer gefallen sind – eineinhalb mal eine Fläche in der Grössenordnung der Schweiz.
Am stärksten betroffen ist Spanien: Bis Mitte August waren dort landesweit rund 284'000 Hektar verbrannt – das drittschlimmste Jahr seit 30 Jahren, so die spanische Tageszeitung elDiario.es. Auch Frankreich erlebt das trockenste Jahr seiner Messgeschichte, mit knapp 100'000 Hektar verbrannter Fläche und damit der schlechtesten Bilanz der letzten 20 Jahre. Besonders schwer traf es die Gironde, wo ein Grossbrand bei Saumos zehntausende Hektar Kiefernwald vernichtete und rund 220'000 Menschen evakuiert werden mussten.
Bemerkenswert ist die geografische Ausweitung der Krise. Erstmals kämpfen auch Belgien und Deutschland mit aussergewöhnlich grossen Waldbränden. Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze brannten laut Reuters rund 3'000 Hektar – der grösste je registrierte Waldbrand des Landes. Auch Grossbritannien meldet Rekordwerte: Bis Mitte August waren dort 30'000 Hektar betroffen, dreimal mehr als im 20-jährigen Durchschnitt.
Eine Schnellanalyse des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution (WWA) hat den Zusammenhang zwischen den Bränden und dem Klimawandel quantifiziert. Demnach sind die extremen Wetterbedingungen, die die Brände in Zentralspanien begünstigten, durch die menschengemachte Klimaerwärmung heute mindestens zwanzigmal wahrscheinlicher als im vorindustriellen Klima; im Südwesten Frankreichs hat sich die Wahrscheinlichkeit mindestens verdoppelt. WWA-Mitgründerin Friederike Otto vom Imperial College London betonte laut Klimareporter, dass sich Europas Klima schneller verändere, als sich die Regierungen anpassen könnten.
Für die Versicherungswirtschaft schlägt sich die Entwicklung strukturell nieder. Das Swiss Re Institute rechnet für 2026 mit weltweit versicherten Naturkatastrophenschäden von rund 148 Milliarden US-Dollar, in einem Extremszenario von bis zu 320 Milliarden. Speziell bei Waldbränden ist der Trend besonders ausgeprägt: Die inflationsbereinigten versicherten Waldbrandschäden legten seit 1970 jährlich schätzungsweise um 8 bis 11 Prozent zu, wie Swiss Re Mitte August mitteilte.
Diese Dynamik befeuert direkt ein Marktsegment, das für institutionelle Investoren zunehmend relevant wird: Katastrophenanleihen (Cat Bonds) mit Waldbrand-Exposure. Wie investrends.ch bereits berichtete, ist das Emissionsvolumen von Cat Bonds mit Waldbrand-Bezug 2026 laut Branchendienst Artemis auf 5,183 Milliarden Dollar gestiegen und nähert sich damit bereits dem Rekordwert des gesamten Jahres 2025. Auffällig ist zudem die Verschiebung hin zu reinen Wildfire-Cat-Bonds sowie ein wachsendes Interesse an Europa als neuem Absatzmarkt für dieses Segment – wenngleich Branchenvertreter von Marsh und Aon die europäische Risikomodellierung noch als weniger ausgereift einstufen als etwa in Kalifornien.
Für Hugo Bonnard, Fondsmanager bei DPAM, ergibt sich aus dieser Gemengelage die Notwendigkeit, traditionelle Finanzanalysen mit robusten Klimaszenario- und physischen Risikobewertungen zu kombinieren. Die aktuellen Zahlen unterstreichen diese Einschätzung: Steigende Flächenbrände, eine sich nach Norden und Westen ausweitende Betroffenheit sowie ein rasant wachsender ILS-Markt (Insurance-Linked Securities) für Waldbrandrisiken zeigen, dass sich physische Klimarisiken zunehmend in konkrete, handelbare Anlageklassen übersetzen – mit direkten Implikationen für Diversifikation, Risikoprämien und langfristige Asset Allocation institutioneller Portfolios.