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Die Zinswende ist da: Was sind die längerfristigen Auswirkungen für institutionelle Anleger?

Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed war erwartet worden, der unerwartet scharfe Tonfall verunsichert die Märkte (Bild: Shutterstock)
Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed war erwartet worden, der unerwartet scharfe Tonfall verunsichert die Märkte (Bild: Shutterstock)

Die vergangene Woche markiert einen Wendepunkt in der globalen Geldpolitik: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen haben Fed, Bank of Japan und EZB im selben Monat gleichzeitig die Zinsen angehoben. Was als erwarteter, technischer Zinsschritt begann, entwickelte sich zu einer Woche mit Kursschwankungen, geldpolitischen Grundsatzdebatten und einem sichtbaren geopolitischen Unterton.

18.09.2026, 05:57 Uhr
Asset Management | Konjunktur | Notenbanken

Redaktion: asc

Die US-Notenbank hat diese Woche den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Es ist die erste Erhöhung seit Juli 2023, wie Bloomberg berichtet. Nicht der Zinsschritt selbst, sondern der restriktive Ton von Fed-Chef Kevin Warsh sorgte für Bewegung: Er begründete den Entscheid damit, dass die Fed eine «Dosis» an geldpolitischer Lockerung entfernt habe, um eine zeitnahere Rückkehr zum Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Morgan-Stanley-Chefökonom Michael Gapen wertete diese Formulierung gegenüber Bloomberg als eindeutig hawkisch.

PIMCO-Ökonomin Tiffany Wilding sieht in Warshs Kommunikation mehr als reines Risikomanagement gegen drohende Inflationserwartungen und rechnet mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr, möglicherweise gefolgt von einem zusätzlichen Schritt 2027. Sie verweist zugleich auf einen entlastenden Basiseffekt: Falle der anfängliche Energiepreisschock des Iran-Konflikts im Frühjahr aus dem Jahresvergleich heraus, dürfte sich die Gesamtinflation dem Zielwert annähern. Vom Arbeitsmarkt gehe derzeit kein Inflationsdruck aus, die Situation sei damit nicht mit 2022 vergleichbar.

Wie die Financial Times schreibt, war die Entscheidung zugleich Warshs deutlichstes Signal, sich gegen US-Präsident Donald Trump zu stellen, der wiederholt Zinsen von 1 Prozent oder tiefer gefordert hatte. Trump reagierte auf Truth Social entsprechend scharf, relativierte aber später und verwies die Verantwortung an das aus seiner Sicht «feindselige» Notenbank-Gremium. PGIM-Chefökonom Robert Sockin bezeichnete Warsh gegenüber der FT als möglicherweise den hawkischsten Vertreter im gesamten FOMC.

Die erste Marktreaktion fiel klar negativ aus: Der Dow Jones verlor am Mittwoch 631,33 Punkte beziehungsweise 1,21 Prozent, der S&P 500 gab 0,44 bis 0,45 Prozent nach, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang zeitweise über die Marke von 5 Prozent, und der Dollar erreichte gegenüber dem Franken mit 0,8251 Franken ein neues Jahreshoch. Am Donnerstag drehte der Markt jedoch: Der S&P 500 gewann rund 1,1 Prozent, der Nasdaq 100 legte 1,7 Prozent zu, ein wichtiger Halbleiterindex stieg 3,1 Prozent, und die Zehnjahresrendite fiel um rund acht Basispunkte auf 4,95 Prozent und beendete damit eine achttägige Aufwärtsbewegung. Sinkende Ölpreise trugen wesentlich zur Entspannung bei.

Fed-Funds-Futures preisen für die nächste Sitzung inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 53 Prozent für eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte ein – eine Woche zuvor lag der Wert laut CME-FedWatch bei nur 27,2 Prozent.

Asset Manager: Uneinig über Reichweite des Zinsschritts

Die Einschätzungen bewegen sich zwischen zwei Polen. Auf der hawkischen Seite bezeichnete Danny Zaid von TwentyFour Asset Management die Sitzung als «so hawkish, wie sie nur hätte ausfallen können». Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management warnt, frühere Straffungszyklen hätten nach dem ersten Schritt meist mehrere weitere Erhöhungen gebracht. LPL-Financial-Chefökonom Jeffrey Roach hält Zinssenkungen bei robuster Konjunktur bis 2028 für möglich.

Auf der konstruktiveren Seite sieht Bob Edwards von Edwards Asset Management den Abverkauf vom Mittwoch als Überreaktion und Kaufgelegenheit. Michael Chang von Citi wertet die rückläufigen langfristigen Inflationserwartungen als positiven Faktor für den Bondmarkt, während Ian Lyngen von BMO Capital Markets bei Duration zunehmend konstruktiv wird und in den kommenden Wochen tendenziell sinkende Renditen erwartet. James St. Aubin von Ocean Park Asset Management bringt die Debatte auf den Punkt: Anlegerinnen und Anleger fragten sich, ob die Rhetorik restriktiver gewesen sei als die tatsächlich zu erwartende Politik.

Michael Nizard, Head of Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild Asset Management, hebt die Einstimmigkeit des Entscheids als eigentlich entscheidendes Signal hervor – sie zeige den Willen der Fed, ihre Unabhängigkeit gegenüber politischer Einflussnahme zu wahren. Im Basisszenario von Edmond de Rothschild zieht die Geldpolitik zwar an, ein langer Zinserhöhungszyklus stehe aber nicht bevor, sofern sich der Nahost-Konflikt nicht weiter zuspitzt. Da Warsh betont habe, die Fed dürfe den Arbeitsmarkt bei der Inflationsbekämpfung nicht schädigen, sieht Nizard darin eine Gelegenheit, das Anleihen-Engagement mit kurzen bis mittleren Laufzeiten zur Erzielung von Carry-Erträgen zu verstärken.

Tom di Galoma von der Mischler Financial Group ordnet die Renditerally vom Donnerstag differenzierter ein: Ein Teil der Bewegung dürfte technischer Natur sein, da Investoren, die auf steigende Renditen gesetzt hatten, Gewinne realisiert hätten – nicht ausschliesslich ein fundamentaler Umschwung. Die daraus resultierende Perspektive: eine mögliche Bull-Flattening-Bewegung, bei der lange Laufzeiten stärker profitieren als kurze.

BoJ zieht nach – schnellster Straffungstakt seit 1990

Nur zwei Tage nach der Fed folgte am Freitag die Bank of Japan mit dem sechsten Zinsschritt unter Gouverneur Kazuo Ueda – so viele wie kein BoJ-Chef zuvor in mindestens einem halben Jahrhundert, wie Bloomberg berichtet. Der Leitzins stieg um einen Viertelpunkt auf 1,25 Prozent, das Ergebnis war von sämtlichen von Bloomberg befragten Ökonomen erwartet worden. Board-Mitglieder Toichiro Asada und Ayano Sato stimmten mit 7 zu 2 dagegen.

Bemerkenswert ist laut Bloomberg der Zeitabstand: Nur drei Monate nach der vorangegangenen Erhöhung markiert dieser Schritt das kürzeste Intervall zwischen zwei BoJ-Zinserhöhungen seit 1990 – jenem Jahr, in dem eine rasche geldpolitische Straffung mit zum Platzen der japanischen Vermögenspreisblase beitrug. Die Financial Times ordnet den neuen Leitzins als höchsten Stand seit 1995 ein; die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen notierte gemäss FT nahe 3 Prozent und damit auf einem 30-Jahres-Hoch.

Ausschlaggebend für den beschleunigten Kurs war laut Bloomberg auch unverhohlener Druck aus Washington: US-Finanzminister Scott Bessent hatte im Vorfeld wiederholt öffentlich für eine Straffung der japanischen Geldpolitik geworben und bei einem Treffen mit Ueda im vergangenen Monat in North Carolina «starke Unterstützung» für entschlossene japanische Massnahmen gegen die Yen-Schwäche signalisiert.

Trotz des erwarteten Zinsschritts schwächte sich der Yen unmittelbar nach der Ankündigung auf 156,95 gegenüber dem Dollar ab, da die Erklärung der BoJ keine zusätzlichen hawkischen Signale für eine baldige weitere Straffung enthielt. Die japanische Kerninflation blieb im vierten Jahr in Folge über der Zwei-Prozent-Marke der Notenbank; Analysten erwarten laut Bloomberg, dass sich die Teuerung bis Anfang nächsten Jahres in Richtung 3 Prozent beschleunigen könnte.

Die Financial Times verweist zudem auf die Nachwirkungen der japanisch-amerikanischen Devisenintervention von Juli und August im Umfang von 96 Milliarden US-Dollar, mit der die Behörden den Yen von seinem 40-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar stützen wollten – ein Effekt, der sich laut FT nur kurzfristig als wirksam erwiesen habe. Moody’s-Analytics-Ökonom Stefan Angrick zeigte sich überrascht von den zwei Gegenstimmen im BoJ-Gremium, da diese Softer-als-erwartete Inflationsdaten als Argument angeführt hätten.

Bloomberg hebt hervor, dass mit dem BoJ-Schritt erstmals überhaupt Fed, Bank of Japan und Europäische Zentralbank im selben Monat gleichzeitig die Zinsen erhöht haben – die EZB hatte bereits in der Vorwoche zum zweiten Mal in diesem Jahr nachgezogen. Der Gleichlauf unterstreicht, wie weit sich die BoJ von ihrer langjährigen Rolle als geldpolitischer Aussenseiter entfernt hat, und Marktbeobachter sprechen bereits von einem möglichen «Rate-Hike-Race» zwischen den grossen Notenbanken.

Fazit aus der Sicht der Schweiz

Für institutionelle Portfolios ergibt sich aus der Kombination von Fed- und BoJ-Entscheid ein doppelter Effekt: Einerseits stützt die Aussicht auf höhere US-Zinsen den Dollar gegenüber dem Franken, andererseits dürfte ein strukturell steigender Yen-Zins – wie bereits in einer separaten Vanguard-Einschätzung von Ales Koutny, Head of International Rates bei Vanguard Europe, dargelegt – mittelfristig japanisches Kapital vermehrt im Inland binden und damit eine wichtige Nachfragequelle für US-Staatsanleihen und andere globale Vermögenswerte schmälern.

Im Anleihenbereich bleibt die Laufzeitenfrage zentral: Das kurze Ende reflektiert unmittelbar die Erwartung weiterer Fed-Schritte, während sich am langen Ende – gestützt durch rückläufige Ölpreise und eine als glaubwürdig wahrgenommene Inflationsbekämpfung – zuletzt eine konstruktivere Dynamik zeigte. Bei Aktien rücken Bilanzqualität, Preissetzungsmacht und geringe Refinanzierungsabhängigkeit stärker in den Vordergrund; Small Caps und hoch verschuldete Unternehmen bleiben in einem «higher for longer»-Szenario anfällig. Bei Währungen empfiehlt sich eine bewusste Steuerung von Dollar- und Yen-Exposures angesichts der gegenläufigen geldpolitischen Dynamiken in den USA und Japan.

Für Anlegerinnen und Anleger verschiebt sich die Fragestellung damit von «kommt die nächste Erhöhung?» zu «wie synchron und wie lange halten die grossen Notenbanken ihren restriktiveren Kurs durch – und welche Marktsegmente sind darauf am wenigsten vorbereitet?»

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