03.08.2026, 13:45 Uhr
Das Handelsvolumen an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange hat im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat klar abgenommen. Mit einem Handelsumsatz von rund 104,6 Milliarden Franken sank der Wert gegenüber Juni um 10,4...
Der Markt für Katastrophenanleihen mit Waldbrand-Exposure verzeichnet 2026 einen neuen Rekord. Gleichzeitig rückt Europa als möglicher neuer Absatzmarkt für Wildfire-Cat-Bonds in den Fokus institutioneller Investoren.
Das Emissionsvolumen von Katastrophenanleihen (Cat Bonds) mit Waldbrand-Exposure ist laut dem Branchendienst Artemis im bisherigen Jahresverlauf 2026 auf 5,183 Milliarden Dollar gestiegen. Damit nähert sich der Markt bereits jetzt dem Rekordwert des gesamten Jahres 2025 an, der wiederum rund doppelt so hoch ausfiel wie im Vorjahr. Bemerkenswert ist die Verschiebung hin zu reinen Wildfire-Cat-Bonds: 2026 wurden bereits drei entsprechende Emissionen im 144A-Format platziert – nur eine weniger, als im gesamten Rekordjahr 2025 verzeichnet wurden.
Der Markt bleibt klar von Kalifornien geprägt. Der California FAIR Plan, der staatliche Versicherer letzter Instanz, stiess letztes Jahr nach den verheerenden Bränden vom Januar 2025 in Los Angeles – mit Schäden von rund 40 Milliarden Dollar und der Zerstörung von über 16'000 Gebäuden – erstmals mit einer eigenen Wildfire-Anleihe in den Cat-Bond-Markt vor.
Doch mit der aktuellen Brandsaison in Spanien, Frankreich und Griechenland gerät zunehmend auch Europa in den Blick der Kapitalmärkte. Tyson Vickery, globaler Platzierungsleiter für Europa beim Versicherungsmakler Marsh, sieht laut Bloomberg robuste Risikomodellierung als «Schlüsselvoraussetzung» für einen europäischen Wildfire-Markt – die Modellierung sei in Europa aber «noch weniger ausgereift als in Märkten wie Kalifornien». Auch Will Bruce, globaler Leiter Klimarisiko-Beratung bei Aon, bestätigt im gleichen Artikel, dass die Entwicklung eines spezifischen Marktes für europäisches Waldbrandrisiko von Faktoren wie Exponierungswachstum, Nachfrage nach Deckung und Fortschritten bei Modellierung und Analytik abhängen werde.
Deutlicher wird SCOR-CEO Thierry Léger, der an der Q2-Ergebnispräsentation des Rückversicherers explizit auf die Frage nach europäischen Wildfire-ILS-Emissionen analog zu Kalifornien einging: Die Menge an ILS-Kapazität werde mit der Qualität der Modellierung zunehmen – aktuell seien die Brandmodelle jedoch «sehr wenig entwickelt», weshalb verlässliche Modelle Grundvoraussetzung für entsprechende Deckungen blieben. Munich Re verweist zudem auf die Kombination aus El-Niño-Effekten und Klimawandel als «gefährliche Mischung», die die Schäden in der zweiten Jahreshälfte weiter antreiben dürfte.
Für institutionelle Investoren ist die Entwicklung nicht neu, gewinnt aber an Relevanz. Insurance-Linked Securities (ILS) gelten seit der Finanzkrise als attraktiver Diversifikator, da sie kaum mit klassischen Finanzmarktrisiken korrelieren und bei vergleichsweise hoher Verzinsung kein Durationsrisiko aufweisen. Der gesamte ILS-Markt, zu dem auch Cat Bonds zählen, ist laut Branchenangaben mittlerweile auf über 110 Milliarden Dollar angewachsen, nach einem Plus von über 50 Prozent in den letzten zehn Jahren.
Schweizer Pensionskassen sind dabei bereits deutlicher engagiert, als vielfach angenommen wird. Gemäss einem Report des Beratungsunternehmens Complementa nutzen knapp 30 Prozent aller hiesigen Vorsorgeeinrichtungen die Anlageklasse ILS und haben insgesamt rund 8,5 Milliarden Franken darin investiert.
Balz Grollimund, Leiter Katastrophenrisiken bei Swiss Re, ordnet im Bloomberg-Artikel die Wachstumsdynamik gleichwohl relativierend ein: Das absolute Risiko für die Versicherungsindustrie sei im Vergleich zu den globalen Spitzenrisiken, die typischerweise über Cat Bonds abgedeckt werden, weiterhin klein. Zusätzliche Risikotransferkapazität könne zudem Massnahmen zur Reduktion des zugrundeliegenden Risikos nicht ersetzen, um die Versicherbarkeit langfristig bezahlbar zu halten.
Für institutionelle Anleger dürfte die Entwicklung in Europa vor allem eines bedeuten: eine potenzielle Erweiterung der Diversifikationsmöglichkeiten innerhalb der ILS-Allokation – vorausgesetzt, die Modellierung europäischer Waldbrandrisiken erreicht in den kommenden Jahren eine mit Kalifornien vergleichbare Reife.