20.04.2026, 09:31 Uhr
Die geldpolitische Lage hat sich in wenigen Tagen spürbar verschoben. Noch zuletzt standen steigende Energiepreise, geopolitische Eskalation und neue Inflationsrisiken im Zentrum der Debatte. Mit dem jüngsten...
Die zweitgrösste Schweizer Bankengruppe öffnet ihre digitale Vermögensverwaltung «Rio» für Kleinanleger und erweitert das Angebot um Kryptowährungen, Gold und Immobilien. Damit tritt sie offensiver gegen Anbieter, wie Revolut oder Yuh an.
Raiffeisen Schweiz baut ihr Anlagegeschäft für Retailkunden aus. Wie die Bankengruppe am Dienstag mitteilte, senkt sie die Mindestanlagesumme für ihre digitale Vermögensverwaltung «Rio» von bisher 5'000 auf 500 Franken – eine Reduktion um 90 Prozent. Parallel dazu führt die Bank mit dem sogenannten Rundungssparen ein Instrument ein, das in Europa bereits von verschiedenen Neobanken und digitalen Wealth-Management-Anbietern etabliert wurde.
Das neue Rundungssparen knüpft am alltäglichen Zahlungsverhalten der Kundinnen und Kunden an. Bei Transaktionen mit der Raiffeisen-Debitkarte oder via Twint können die Beträge wahlweise auf den nächsten ganzen, fünf oder zehn Franken aufgerundet werden. Die Differenz fliesst je nach Präferenz in ein Sparkonto, einen Fondssparplan oder in «Rio», sobald der Mindestbetrag auf dem Abrechnungskonto erreicht ist. Die Funktion ist kostenlos und lässt sich im E-Banking aktivieren, anpassen oder deaktivieren. Eine Simulation erlaubt zudem eine Vorschau auf das potenzielle Sparvolumen der vergangenen zwölf Monate.
Der Ansatz ist nicht neu: Anbieter wie Revolut, Yuh oder Zak haben ähnliche Mechanismen seit Jahren im Einsatz, und auch internationale Robo-Advisors wie Acorns haben ihr Geschäftsmodell auf dem Prinzip des «Micro-Investing» aufgebaut. Für eine klassische Retailbank mit über 3,77 Millionen Kundinnen und Kunden ist die Einführung dennoch bemerkenswert – sie signalisiert, dass das Segment der Kleinsparenden auch in der etablierten Bankenlandschaft zunehmend an Priorität gewinnt.
Mit der Senkung der Mindestanlagesumme positioniert sich «Rio» als direkter Wettbewerber zu digitalen Vermögensverwaltungslösungen wie True Wealth, Selma oder Descartes Finance. Gleichzeitig hat Raiffeisen das Kernportfolio der Lösung neu ausgerichtet: Es ist nun standardmässig global und breit diversifiziert aufgestellt. Die bisher verfügbaren Ausrichtungen «Swissness» und «Futura» bleiben als optionale Fokusthemen verfügbar – ein Wechsel, der die lange vorherrschende Home-Bias-Logik zugunsten einer international ausgerichteten Allokation zurückstuft.
Deutlich erweitert wird das Angebot im Bereich Alternative Anlagen. Kundinnen und Kunden können ihr Portfolio neu um die Bausteine Kryptowährungen, Gold und Immobilien ergänzen – Bereiche, die in den letzten Jahren verstärkt auch bei institutionellen Investoren in den Fokus gerückt sind. Die bisherigen thematischen Bausteine wie «Smart Healthcare», «Robotics», «Green Energy» oder «Dividenden» bleiben erhalten. Jedes Fokusthema wird mit fünf Prozent des investierten Kapitals gewichtet.
«Mit der Modernisierung unserer digitalen Vermögensverwaltungslösung und der neuen Möglichkeit, das eigene Spar- und Anlageverhalten zu automatisieren, optimieren wir unser Angebot für alle, die mit kleinen Beträgen gezielt Vermögen aufbauen möchten», lässt sich Roland Altwegg, Leiter Produkte & Investment Services und Mitglied der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, in der Mitteilung zitieren.
Der Schritt fügt sich in eine breitere Strategie ein. Die Raiffeisen Gruppe weist per Ende 2025 in ihren Anlagelösungen und -produkten verwaltete Vermögen von 27,3 Milliarden Franken aus – gegenüber einer Bilanzsumme von 323 Milliarden Franken und Kundenvermögen von insgesamt 282 Milliarden Franken. Das Anlagegeschäft bleibt damit im Verhältnis zum klassischen Zins- und Hypothekargeschäft ein überschaubarer Ertragsbringer. Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent im Hypothekargeschäft ist die Gruppe dort klar positioniert – im Anlagegeschäft hingegen sieht sich Raiffeisen im Wettbewerb mit Kantonalbanken, Grossbanken und einer wachsenden Zahl digitaler Spezialanbieter.
Die Kombination aus tieferer Einstiegsschwelle, automatisiertem Sparmechanismus und erweiterten Anlagethemen zielt darauf ab, den Zugang zum Anlegen für bisher wenig investierte Kundensegmente zu öffnen – und damit gleichzeitig das Kommissionsgeschäft zu stärken.