23.07.2026, 19:11 Uhr
Neuberger-CIO Shannon Saccocia warnt: Der Markt blendet Nahost-Eskalation, Inflationsrückgang und Fed-Unsicherheit aus und konzentriert sich fast ausschliesslich auf die Unternehmensgewinne. Enttäuschungen könnten...
Wenn Anleger in die Ferien fahren, verabschiedet sich mit ihnen oft auch die Marktliquidität. Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac, warnt deshalb in einer aktuellen Einschätzung vor erhöhter Anfälligkeit der Märkte in den Sommermonaten – und zeigt auf, mit welchen Instrumenten sich Portfolios kostengünstig absichern lassen.
Nach mehreren Jahren solider Kursgewinne bei risikoreichen Anlagen seien die Portfolios vieler Investoren konzentrierter geworden, so Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac in einem Kommentar. Ein Teil des Marktes verfüge dadurch nur noch über eine geringe Sicherheitsmarge.
Gleichzeitig mangle es nicht an potenziellen Störfaktoren: Der designierte künftige Chef der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, strebe eine flexiblere und weniger vorhersehbare Geldpolitik an. Die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten die Agenda von Präsident Donald Trump erschweren.
In China bleibe der private Konsum schwach, während die Jugendarbeitslosigkeit wieder steige. In Japan wiederum sei der Yen angesichts erhöhter Volatilität an den Devisen- und Zinsmärkten dem Risiko einer Auflösung von Carry-Trades ausgesetzt. Hinzu kämen hohe Verschuldungsniveaus, die wiederaufgeflammten Spannungen rund um die Strasse von Hormus sowie zahlreiche Neuemissionen, welche zusätzliche Liquidität binden.
Jede dieser Absicherungen hat laut Carmignac ihren Preis. Bei Gold entspricht dieser dem entgangenen Ertrag, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft, während Bargeld aktuell rund 2,5 Prozent Rendite liefert. Für einen in Euro investierenden Anleger, der Schweizer Franken kauft, ergeben sich die Kosten im Wesentlichen aus der Zinsdifferenz – bei einem Einlagensatz von 2,25 Prozent in der Eurozone und einem nahe Null liegenden Schweizer Zinssatz resultiert daraus ein negativer Carry von 2,25 Prozent. Beim Itraxx Crossover liefert der Spread einen Anhaltspunkt für die jährlichen Absicherungskosten: Bei 245 Basispunkten belaufen sich diese auf rund 2,45 Prozent pro Jahr.
«Sich abzusichern ist relativ einfach. Es auch kostengünstig umzusetzen, ist dagegen weitaus schwieriger», bringt Thozet die Herausforderung auf den Punkt.
Als kostengünstigere Alternative nennt Carmignac unter anderem den US-Dollar, der Schutz biete und gleichzeitig eine positive Rendite abwerfe. Traditionelle Staatsanleihen seien zwar bei einem deflationären Nachfrageschock weiterhin wirksam, bei einem inflationären Angebotsschock – etwa einer Sperrung der Strasse von Hormus – jedoch deutlich weniger. Zudem schränkten steigende Defizite und die wachsende Staatsverschuldung ihr Aufwärtspotenzial im Falle einer Konjunkturabkühlung ein. Bargeld wiederum sichere zwar den Nennwert, nicht aber die Kaufkraft, und auch der Dollar bleibe als Fluchtwährung den politischen Kurswechseln in den USA ausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund setzt Carmignac den Schwerpunkt auf Realzinsen, insbesondere über inflationsgebundene Anleihen. Diese böten eine positive Realrendite, schützten damit die Kaufkraft und trügen dazu bei, die Risiken einer Konjunkturabkühlung und einer anhaltenden Inflation auszubalancieren.
Auch Long-Positionen im japanischen Yen hält Thozet für attraktiv. Zwar leide die Währung weiterhin unter einem negativen Carry, der sich in den vergangenen Jahren aber teilweise verringert habe. Die Schwäche des Yen habe den Aufbau von Carry-Trade-Positionen begünstigt – ein Renditeanstieg, eine Intervention der japanischen Behörden oder ein Schock bei risikoreichen Anlagen könnte jedoch deren Abverkauf und damit eine starke Aufwertung des Yen auslösen. Ergänzend setzt Carmignac aus taktischen Gründen auf kostspieligere Absicherungsinstrumente wie CDS auf Credit-Indizes und Optionen auf Aktienindizes.
Ziel sei es, die Portfolios durch eine turbulente Phase zu bringen, so Thozet abschliessend. Eine gute Absicherung beseitige das Risiko nicht, verhindere aber, dass aus einem vorübergehenden Rückschlag ein dauerhafter Verlust werde. Vor allem ermögliche sie es, investiert zu bleiben, Handlungsspielraum zu bewahren und nicht zum Verkauf gezwungen zu sein, wenn die Liquidität versiegt.