Candriam stuft Euro Investment Grade auf positiv hoch

Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam (Bild: Candriam)
Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam (Bild: Candriam)

Der Vermögensverwalter Candriam sieht in europäischen Unternehmensanleihen hoher Qualität die attraktivste Spread-Opportunität im aktuellen Umfeld – und begründet dies mit einer Kombination aus strukturellem Carry, sich verbessernden Technicals und nachlassenden Risikofaktoren.

20.07.2026, 14:24 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Candriam nimmt eine wesentliche Anpassung in seiner Fixed-Income-Positionierung vor: Euro Investment Grade wird von neutral auf positiv hochgestuft. Das ist die zentrale Botschaft im aktuellen Marktkommentar von Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam.

Carry statt Kompression

Die Argumente für die Höherstufung sind laut Jullien sowohl struktureller als auch taktischer Natur. Strukturell biete Euro Investment Grade attraktiven Carry mit Renditen im mittleren 3-Prozent-Bereich. Die Fundamentaldaten der Anlageklasse blieben solide: Der Rating-Drift sei positiv, Heraufstufungen übersteigen weiterhin Herabstufungen, und idiosynkratische Enttäuschungen seien begrenzt geblieben.

Taktisch hätten mehrere Belastungsfaktoren nachgelassen – insbesondere der ausgewogenere Ton der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Zinserhöhung im Juni sowie die geringeren Auswirkungen der geopolitischen Spannungen in der Strasse von Hormus als zunächst befürchtet. Auch die Technicals spielen in die Einschätzung: Das hohe Emissionsvolumen im zweiten Quartal hatte Cash Bonds gegenüber Derivaten underperformen lassen; für Juli und August erwartet Candriam nun einen deutlichen Rückgang des Primärmarktangebots.

«Die Übergewichtung ist kein Risk-on-Trade, sondern eine Carry-Opportunität in einer qualitativ hochwertigen Spread-Anlageklasse», sagt Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam. «Der Breakeven-Puffer über ein Jahr ist gross genug, um ein bedeutendes Spread-Ausweitungs-Szenario aufzufangen.»

Bevorzugt werden Banken, Finanzwerte, Versorger sowie defensives TMT-Exposure. Vorsichtiger bleibt Candriam bei Automobil, Software sowie Nahrungsmittel und Getränke, wo Disruptionsrisiken oder Ergebnisdruck sichtbar sind. Auch Euro High Yield wird – stärker taktisch motiviert – auf leicht positiv hochgestuft, wobei Renditen von annähernd 6 Prozent als attraktiv erachtet werden.

US-Duration zurück auf neutral

Im Bereich US-Zinsen kehrt Candriam zur Neutralität zurück. Ausschlaggebend war die erste Offenmarktausschuss-Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh: Die Abschaffung der Forward Guidance wurde von den Marktteilnehmern als hawkisch interpretiert, der Dot Plot signalisiert jedoch weiterhin keine kurzfristige geldpolitische Straffung. Das makroökonomische Bild sei ausgewogen – eine widerstandsfähige Wirtschaft mit positiven Überraschungen stehe stagnierenden Reallöhnen und einer niedrigen Sparquote gegenüber.

Einen selektiven positiven Bias behält Candriam bei US-Realrenditen bei, reduziert jedoch die Positionsgrösse. Die langfristigen Breakeven-Raten seien stärker gefallen, als allein durch den Ölpreisrückgang zu erklären sei – ein Zeichen, dass der Markt der Fed-Kommunikation unter Warsh ein gewisses Mass an Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Inflationsbekämpfung beimesse.

Euro-Zinsen: Bundesanleihen übergewichtet, Frankreich untergewichtet

Bei europäischen Staatsanleihen behält Candriam einen moderat positiven Bias im 10-jährigen Laufzeitensegment und ergänzt einen 10–30-Steepener. Die Wirtschaft im Euroraum bleibe insgesamt schwach, die Rezessionswahrscheinlichkeiten erhöht. Candriam sieht noch Spielraum für eine weitere EZB-Zinserhöhung im September, hält einen Schritt im Juli jedoch für unwahrscheinlich.

In der Länderallokation wird Frankreich untergewichtet – umgesetzt gegenüber ungarischen Euro-Anleihen, die einen deutlichen Carry-Aufschlag bieten. Das Haushaltsdefizit Frankreichs dürfte die Prognosen übersteigen, politische Unsicherheit könnte wieder an Bedeutung gewinnen.

Australien und Schwellenländer konstruktiv

Australien bleibt eine der stärksten Duration-Überzeugungen innerhalb der entwickelten Märkte. Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat drei Zinserhöhungen um 75 Basispunkte vorgenommen und signalisiert, dass sich der Straffungszyklus zunehmend auf Konsum, Wohnimmobilienmarkt und Arbeitsmarkt auswirkt. Candriam ist der Auffassung, dass die Markterwartung einer weiteren RBA-Erhöhung ausgepreist werden kann.

Bei Schwellenländern bleibt Candriam leicht konstruktiv, bevorzugt Schwellenländerwährungen und selektiven High-Yield-Carry gegenüber einem breiten Beta-Engagement. Neu ergänzt wurden Positionen in der indischen Rupie (INR) und der indonesischen Rupiah (IDR).

Beim US-Dollar behält Candriam einen negativen Bias bei, hat die Short-Position jedoch reduziert. Der japanische Yen bleibt die bevorzugte Ausdrucksform einer kleineren Dollar-Untergewichtung.

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