"US-Hypothekenmarkt bietet Chancen für Anleger"

Tom Mansley, Investment Director bei GAM Investments
Tom Mansley, Investment Director bei GAM Investments

Die Anlageklasse "Mortgage-backed Securities" bietet wieder attraktive Investmentchancen. Tom Mansley von GAM Investments erläutert, warum das heutige Marktumfeld für diese Anlage spricht.

17.06.2019, 09:33 Uhr

Redaktion: stf

Während der globalen Finanzkrise von 2007 bis 2009 standen in den USA hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-backed Securities, MBS) im Rampenlicht. "Aufgrund dieser Erinnerungen betrachten einige Anleger diese Anlageklasse nach wie vor mit Skepsis. Allerdings hat sich der MBS-Markt seither stark weiterentwickelt und bietet Fixed-Income-Anlegern die Möglichkeit, eines ihrer aktuellen Hauptprobleme anzugehen – ein Umfeld, in dem traditionelle Anleihen sehr niedrige oder sogar negative Renditen abwerfen", sagt Tom Mansley, Investment Director bei GAM Investments.

Der MBS-Markt sei extrem diversifiziert und biete ein breites Spektrum von Instrumenten, die sich für Anleger mit unterschiedlicher Risikobereitschaft und bei unterschiedlichsten Marktbedingungen eigneten. Bestimmte Arten von MBS besitzen laut dem Experten sogar das Potenzial, ein Portfolio von festverzinslichen Anlagen gegen steigende Zinssätze abzusichern – was mit traditionellen Anleihen nur eingeschränkt gelingt. Der MBS-Markt in den USA ist riesig: Mit einem Volumen von 8 Billionen US-Dollar macht er 23% des US-Anleihen- bzw. 15% des globalen Anleihenmarktes aus und liegt damit an zweiter Stelle hinter US-Treasuries. Anders als vor zehn Jahren sei dieser Markt heute sehr viel robuster und das systematische Risiko sei daher erheblich geringer als vor der Finanzkrise, so Mansley.

Gewährte Hypotheken weisen hohe Qualitätsstandards aus

Die Aussichten für diese Anlageklasse seien positiv. Altbestände an Emissionen aus der Zeit vor der Krise erwiesen sich als profitabel oder könnten zu gut prognostizierbaren Preisen liquidiert werden. Zudem hätten sie sich in den vergangenen Jahren als vergleichsweise hoch rentierliche und stabile Anlagen erwiesen. Aufgrund der strengen Emissions-Anforderungen nach der Krise würden gewährte Hypotheken sehr hohe Qualitätsstandards ausweisen. Für das laufende Jahr erwartet der Experte ein erhöhtes Volumen an Emissionen, unverändert hohe Qualität und sehr gute Erfüllung der Kreditverpflichtungen. Infolge der niedrigen Arbeitslosigkeit, der geringeren Konsumentenverschuldung in Relation zum Einkommen und der steigenden Hauspreise, sind die Ausfallraten in den USA so niedrig wie zuletzt in den 1990er Jahren.

Zahlungsausfälle in % der Gesamtkredite, saisonbereinigt

Quelle: Bloomberg. 31. März 1979 bis 31. Dezember 2018.
Quelle: Bloomberg. 31. März 1979 bis 31. Dezember 2018.

Hauspreise in den USA haben sich erholt

Gleichzeitig haben sich die Hauspreise in den USA von ihren Tiefständen aus dem Jahr 2011 erholt. Der extrem hohe Bestand und die geringe Nachfrage in den Jahren 2007 bis 2010 wurden korrigiert. "Aktuell herrscht am Wohnimmobilienmarkt eine gesunde Angebots- und Nachfragesituation. Der Bestand an zum Verkauf stehenden Häusern ist derzeit gering, die Neubautätigkeit liegt noch immer unter dem historischen Durchschnitt und die Nachfrage bleibt intakt. Sie wird von der steigenden Zahl neuer Haushalte und der seit dem Jahr 2015 erkennbaren Tendenz gestützt, dass diese neuen Haushalte Wohnraum bevorzugt kaufen", erklärt Mansley.

Die Hauspreise sind seit dem Jahr 2015 um durchschnittlich rund 6% pro Jahr gestiegen und haben sich wieder ihrem langfristigen Trend angenähert. Der Preisanstieg verlangsamt sich erwartungsgemäss stetig, da Angebot und Nachfrage am Wohnimmobilienmarkt wieder ins Gleichgewicht finden, während sich gleichzeitig die Bezahlbarkeit von Wohnraum stabilisiert. Mansley rechnet damit, dass sich der Preisanstieg in den USA weiter verlangsamen wird und auf absehbare Zeit bei durchschnittlich rund 3% zu liegen kommt. Darüber hinaus verbessere sich die Kreditwürdigkeit am US-Wohnimmobilienmarkt zusehends. Die Zahl der notleidenden Papiere sinke weiter, die Hauspreise seien gut unterstützt und die MBS-Nachfrage verharre auf hohem Niveau.

Wo liegen aktuell die Chancen für Anleger?

Im Verlauf von 2019 sind laut dem Experten keine grösseren Herausforderungen für den MBS-Markt zu erwarten. Trotzdem gebe es einige kleinere Aspekte, die etwas Sorge bereiten, beispielsweise ein potenzieller Konjunkturabschwung Ende 2019. Der Abschwung würde einen leichten Druck auf die Beschäftigung und die Hauspreise ausüben. Mansley geht jedoch nicht davon aus, dass sich dies auf die erwarteten Erträge auswirken wird.

Die grössten Chancen für den MBS-Markt sieht er dieses Jahre unter anderem am Markt für Wohnimmobilienhypotheken. Im kommerziellen Sektor bevorzugt Mansley Wohnanlagen und Gewerbekredite für kleine Unternehmen. Zusammenfassend könne man für die Anlageklasse im aktuellen Marktumfeld folgende drei Punkte hervorheben: Gute Renditen, niedrige Volatilität und geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen.

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