Carmignac: Wie man seine Portfolios vorbereitet, um entspannt den Sommer zu geniessen

Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac (Bild: Carmignac)
Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac (Bild: Carmignac)

Wenn Anleger in die Ferien fahren, verabschiedet sich mit ihnen oft auch die Marktliquidität. Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac, warnt deshalb in einer aktuellen Einschätzung vor erhöhter Anfälligkeit der Märkte in den Sommermonaten – und zeigt auf, mit welchen Instrumenten sich Portfolios kostengünstig absichern lassen.

23.07.2026, 19:03 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Nach mehreren Jahren solider Kursgewinne bei risikoreichen Anlagen seien die Portfolios vieler Investoren konzentrierter geworden, so Kevin Thozet, Mitglied des Investment Committee bei Carmignac in einem Kommentar. Ein Teil des Marktes verfüge dadurch nur noch über eine geringe Sicherheitsmarge.

Gleichzeitig mangle es nicht an potenziellen Störfaktoren: Der designierte künftige Chef der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, strebe eine flexiblere und weniger vorhersehbare Geldpolitik an. Die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten die Agenda von Präsident Donald Trump erschweren.

In China bleibe der private Konsum schwach, während die Jugendarbeitslosigkeit wieder steige. In Japan wiederum sei der Yen angesichts erhöhter Volatilität an den Devisen- und Zinsmärkten dem Risiko einer Auflösung von Carry-Trades ausgesetzt. Hinzu kämen hohe Verschuldungsniveaus, die wiederaufgeflammten Spannungen rund um die Strasse von Hormus sowie zahlreiche Neuemissionen, welche zusätzliche Liquidität binden.

Vier Wege zur Absicherung

  1. Eine erste Möglichkeit ist der Abschluss einer Kreditabsicherung. Der Käufer zahlt dabei eine Prämie und erhält im Gegenzug Schutz, falls sich Risikoprämien ausweiten oder ein Kreditereignis eintritt. Über den Index Itraxx Crossover lässt sich so ein liquider Korb europäischer Hochzinsunternehmen absichern. Zwar sei das Einengungspotenzial der Credit-Spreads angesichts der aktuell entspannten Marktlage begrenzt, doch biete dieser Ansatz eine attraktive Konvexität: Die Kosten stehen im Voraus fest, während der potenzielle Gewinn bei zunehmenden Marktspannungen beträchtlich ausfallen kann.
  2. Zweitens rückt Gold wieder stärker in den Fokus. Nach einem deutlichen Rückgang vom Höchststand und einer inzwischen entspannteren Positionierung der Anleger erscheine der Einstiegspunkt attraktiver. Zusätzlichen Rückenwind könnte Gold erhalten, sollten die aggressivsten Zinssenkungserwartungen an die Fed zurückgenommen werden.
  3. Drittens verweist Thozet auf defensive Währungen. Der Schweizer Franken sei langfristig zwar weiterhin teuer bewertet, habe aber gegenüber dem Stand vor sechs Monaten an Wert verloren und seine Rolle als sicherer Hafen bei den jüngsten geopolitischen Turbulenzen nicht vollständig erfüllt. Gerade diese ausbleibende Reaktion könne eine Chance darstellen, da der Frankenkurs ein Panikszenario derzeit nicht vollständig einpreise.
  4. Viertens lässt sich über den Kauf von Aktienmarkt-Optionen investiert bleiben und gleichzeitig eine Absicherungsschwelle definieren. Der maximale Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt, während die Absicherungswirkung mit der Schwere eines Marktrückgangs zunimmt. Solche Absicherungen seien besonders in teuren, konzentrierten Märkten mit geringer Korrelation zwischen den Wertpapieren sinnvoll.

Was die Absicherung kostet

Jede dieser Absicherungen hat laut Carmignac ihren Preis. Bei Gold entspricht dieser dem entgangenen Ertrag, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft, während Bargeld aktuell rund 2,5 Prozent Rendite liefert. Für einen in Euro investierenden Anleger, der Schweizer Franken kauft, ergeben sich die Kosten im Wesentlichen aus der Zinsdifferenz – bei einem Einlagensatz von 2,25 Prozent in der Eurozone und einem nahe Null liegenden Schweizer Zinssatz resultiert daraus ein negativer Carry von 2,25 Prozent. Beim Itraxx Crossover liefert der Spread einen Anhaltspunkt für die jährlichen Absicherungskosten: Bei 245 Basispunkten belaufen sich diese auf rund 2,45 Prozent pro Jahr.

«Sich abzusichern ist relativ einfach. Es auch kostengünstig umzusetzen, ist dagegen weitaus schwieriger», bringt Thozet die Herausforderung auf den Punkt.

Als kostengünstigere Alternative nennt Carmignac unter anderem den US-Dollar, der Schutz biete und gleichzeitig eine positive Rendite abwerfe. Traditionelle Staatsanleihen seien zwar bei einem deflationären Nachfrageschock weiterhin wirksam, bei einem inflationären Angebotsschock – etwa einer Sperrung der Strasse von Hormus – jedoch deutlich weniger. Zudem schränkten steigende Defizite und die wachsende Staatsverschuldung ihr Aufwärtspotenzial im Falle einer Konjunkturabkühlung ein. Bargeld wiederum sichere zwar den Nennwert, nicht aber die Kaufkraft, und auch der Dollar bleibe als Fluchtwährung den politischen Kurswechseln in den USA ausgesetzt.

Fokus auf Realzinsen und den Yen

Vor diesem Hintergrund setzt Carmignac den Schwerpunkt auf Realzinsen, insbesondere über inflationsgebundene Anleihen. Diese böten eine positive Realrendite, schützten damit die Kaufkraft und trügen dazu bei, die Risiken einer Konjunkturabkühlung und einer anhaltenden Inflation auszubalancieren.

Auch Long-Positionen im japanischen Yen hält Thozet für attraktiv. Zwar leide die Währung weiterhin unter einem negativen Carry, der sich in den vergangenen Jahren aber teilweise verringert habe. Die Schwäche des Yen habe den Aufbau von Carry-Trade-Positionen begünstigt – ein Renditeanstieg, eine Intervention der japanischen Behörden oder ein Schock bei risikoreichen Anlagen könnte jedoch deren Abverkauf und damit eine starke Aufwertung des Yen auslösen. Ergänzend setzt Carmignac aus taktischen Gründen auf kostspieligere Absicherungsinstrumente wie CDS auf Credit-Indizes und Optionen auf Aktienindizes.

Ziel sei es, die Portfolios durch eine turbulente Phase zu bringen, so Thozet abschliessend. Eine gute Absicherung beseitige das Risiko nicht, verhindere aber, dass aus einem vorübergehenden Rückschlag ein dauerhafter Verlust werde. Vor allem ermögliche sie es, investiert zu bleiben, Handlungsspielraum zu bewahren und nicht zum Verkauf gezwungen zu sein, wenn die Liquidität versiegt.

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