17.07.2026, 09:39 Uhr
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) lanciert als erste Anbieterin einen Schweizer Indexfonds auf den SMI Equal Weight Index – und gibt Anlegerinnen und Anlegern damit ein neues Instrument, um Klumpenrisiken im Schweizer...
Der Höhenflug der Chipaktien kehrt sich abrupt um – ein Cocktail aus enttäuschenden Unternehmensergebnissen, Inflation und geopolitischen Spannungen löst den schwersten Ausverkauf im Technologiesektor seit dem «Tarif-Schock» vom April 2025 aus.
Was in den vergangenen Monaten kaum denkbar schien, vollzieht sich seit Wochenbeginn mit wachsender Vehemenz: Die globale KI-Rally geht in den Rückwärtsgang. Am Freitag mussten Anleger in Asien, Europa und an den US-Terminbörsen schwere Verluste verkraften, als eine breite Rotation aus Technologiewerten einsetzte, die viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischte.
Den schwersten Einbruch erlitten die Märkte in Japan und Taiwan – zwei Regionen, die zu den grössten Profiteuren des KI-Booms geworden waren und nun die Zeche zahlen. Der Nikkei 225 brach zeitweise um bis zu 6,2 Prozent ein, Taiwans Taiex-Index verlor 6,5 Prozent. Beide Indizes steuern auf ihren schlimmsten Handelstag seit dem 7. April 2025 zu – jenem schwarzen Tag, als die US-Zollankündigungen die Märkte auf Talfahrt schickten. Der MSCI Asia Pacific Gesamtindex gab 2,9 Prozent nach und notiert auf dem tiefsten Stand seit über zwei Monaten.
Das Epizentrum des Erdbebens war der Halbleitersektor. Kioxia Holdings, der japanische Speicherchiphersteller, stürzte um mehr als 16 Prozent ab – ein Einbruch, der den Börsenwert des Unternehmens seit seinem Höchststand im Juni fast halbiert hat. Dabei hatte Kioxia noch vor wenigen Monaten als Paradebeispiel des KI-Booms gegolten: Der Kurs war innerhalb eines Jahres um mehr als 2'000 Prozent gestiegen. Nun illustriert der Kursverfall exemplarisch, wie gefährlich einseitige Wetten auf einen einzigen Megatrend sein können.
Auch Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), der weltgrösste Auftragsfertigter für Halbleiter, verlor trotz eines über den Erwartungen liegenden Quartalsberichts mehr als 7 Prozent. Die Botschaft der Anleger ist eindeutig: Gute Zahlen reichen nicht mehr aus – die Messlatte liegt nach der beispiellosen Rally so hoch, dass selbst solide Ergebnisse zum Verkaufsanlass werden.
Den Funken zur Eskalation lieferte ausgerechnet Netflix. Der Streamingriese brach nach Börsenschluss um 9 Prozent ein, nachdem das Unternehmen für das dritte Quartal ein zweites aufeinanderfolgendes Quartal mit verlangsamtem Umsatzwachstum prognostiziert hatte. Zwar ist Netflix kein KI-Konzern im engeren Sinne – doch in einer Phase, in der Investoren jeden Hinweis auf nachlassende Wachstumsdynamik im Technologiesektor mit Argwohn beobachten, wog die Prognose besonders schwer.
Am Donnerstag hatten bereits Speicherhersteller an der Wall Street für Unruhe gesorgt: Sandisk, Western Digital und Seagate verloren jeweils mehr als 9 Prozent, Intel und Micron büssten rund 6 Prozent ein. Der Nasdaq Composite fiel um 1,5 Prozent – und die Terminkurse für den Nasdaq 100 deuten auf weitere Verluste von 1,6 Prozent zur Eröffnung hin.
Hinter der Kursbewegung steckt ein handfestes Fundamentalproblem, das die Technologiebranche seit Monaten begleitet: Investoren beginnen zunehmend zu zweifeln, ob die gigantischen Investitionen in künstliche Intelligenz jemals proportionale Renditen abwerfen werden.
Die vier grössten US-amerikanischen KI-Konzerne – Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta – planen für das laufende Jahr zusammen Kapitalausgaben (Capex) von über 725 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Summe, die selbst gemessen an den Gesamtinvestitionen der gesamten globalen Digitalwirtschaft atemberaubend ist. Bislang haben diese Ausgaben zwar Börsenwerte in astronomische Höhen getrieben – doch greifbare, KI-spezifische Umsatztreiber liefern die Unternehmen erst in Ansätzen.
Auch Alphabet stand zuletzt unter Druck: Die Google-Mutter verlor am Donnerstag 4,4 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass der Konzern bei der Auslieferung seines nächsten Flaggschiff-KI-Modells Monate hinter dem Zeitplan zurückliegt.
Der Philadelphia Semiconductor Index – das wichtigste Barometer für die globale Chipbranche – hat seit seinem Rekordhoch im Juni rund 19 Prozent verloren. Ein entsprechender asiatischer Halbleiterindex steuert auf seinen schlechtesten Wochenwert seit Anfang März zu.
Den Technologiewerten macht ein sich ungünstig veränderndes Makroumfeld zusätzlich zu schaffen. Der Ölpreis legt seit Wochenbeginn kräftig zu – Brent-Rohöl liegt rund 10 Prozent im Wochenplus und steuert auf den besten Wochenwert seit April zu. Treiber sind die wiederaufgeflammten Spannungen im Nahen Osten, die neue Spekulationen über anhaltend hohe Energiepreise entfachen.
Dies wiederum befeuert Inflationssorgen – und damit die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed möglicherweise die Zinsen länger hochhalten oder sogar erneut anheben könnte. Fed-Vizepräsident Philip Jefferson deutete jüngst an, dass die Zentralbank Zinserhöhungen in Betracht ziehen sollte, falls die Inflation sich nicht weiter abkühle. Entsprechend büsste Gold auf Wochensicht stark ein – der grösste Wochenverlust seit Anfang Juni – da steigende Realsätze den zinslosen Vermögenswert belasten.
«Das Sentiment hat sich gedreht», brachte Wee Khoon Chong, Senior-Stratege bei BNY, gegenüber der «Financial Times» die Lage auf den Punkt. «Die Notenbanken sind weniger taubenhart, als wir erwartet hatten. Wir haben Runde zwei der Nahost-Spannungen, und die Ölpreise steigen erneut. Das bringt die Inflation wieder ins Bild.»
Bloomberg-Experte Mark Cranfield beschreibt die Lage in Asien als «Panikverkäufe»: «Die Geschwindigkeit und Tiefe der Rückgänge über Asiens wichtigste Börsenindizes beginnt nach Panikverkäufen auszusehen, da Anleger versuchen, die verbleibenden Jahresgewinne zu sichern.» Mit der Jahresmitte eben hinter uns seien die aufgelaufenen Verluste für Trader schmerzhaft spürbar.
Dennoch mahnen erfahrene Marktteilnehmer zur Besonnenheit. Tatsächlich: Ein nüchterner Blick auf die Zahlen relativiert das Ausmass der Verwerfungen. Selbst nach dem jüngsten Einbruch sind asiatische Chipwerte auf Jahressicht noch immer eindrucksvoll im Plus: Kioxia legte über zwölf Monate über 2'000 Prozent zu, TSMC hat sich mehr als verdoppelt. Samsung Electronics und SK Hynix – Produzenten der hochbandbreitigen Speicherchips für Nvidias KI-Beschleuniger – stehen auf Jahressicht 200 respektive 500 Prozent im Plus.
Was die Märkte gegenwärtig erleben, ist weniger ein Blasenplatzen als eine überfällige Bewertungskorrektur in einem von Euphorie getriebenen Sektor. Die Frage, ob sich die massiven KI-Investitionen der Hyperscaler in absehbarer Zeit in handfeste Ertragsströme verwandeln, bleibt offen – und die Earnings-Saison der kommenden Wochen wird darüber mehr Klarheit bringen.