Fünf Gründe für eine rasche Flucht aus der Rezession

Der Frühling kommt bestimmt und damit dürfte auch das Wirtschaftswachstum weiteren Auftrieb erhalten. (Bild: Shutterstock.com/Dmitry Abduraimov)
Der Frühling kommt bestimmt und damit dürfte auch das Wirtschaftswachstum weiteren Auftrieb erhalten. (Bild: Shutterstock.com/Dmitry Abduraimov)

Nach der schwersten Rezession seit fast einem Jahrhundert dürfte das weltweite BIP im Jahr 2021 um mehr als 5% zulegen. Die Privatbank Quintet präsentiert fünf Kernüberzeugungen, warum Anleger für die Weltwirtschaft und die globalen Märkte im Jahr 2021 zuversichtlich sein können.

07.01.2021, 14:32 Uhr

Redaktion: rem

Nach der Lockerung der Covid-Schutzmassnahmen dürfte sich das globale Wirtschaftswachstum schnell beschleunigen. Unterstützt durch zunehmend flächendeckende Impfungen, kontinuierliche politische Rückendeckung und eine geringere politische Unsicherheit sollte das weltweite BIP im Jahr 2021 um mehr als 5% zulegen. Nach Ansicht von Bill Street, Group Chief Investment Officer bei der Quintet Private Bank, erscheinen zu Jahresbeginn in diesem günstigen Umfeld US- und Schwellenländeraktien, europäische High-Yield- und Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährungen sowie alternative Anlagen als besonders attraktive Bestandteile eines ausgewogenen Portfolios. Längerfristig dürften Technologie-Aktien weiterhin überdurchschnittlich abschneiden. Street präsentiert fünf Kernüberzeugungen für die nächsten zwölf Monate sowie deren Auswirkungen für Anleger:

1. Der Frühling kommt: Es ist nicht zu früh, in die Frühphase des Zyklus‘ zu investieren.

Anlagen, die auf schnelles Wachstum ausgelegt sind, wie beispielsweise Aktien, dürften in der Frühphase des Zyklus‘ profitieren. Auch die Nachfrage nach kleineren und zyklischeren Unternehmen dürfte sich verstärken, während der Abschlag für Unternehmen von geringerer Qualität sinken dürfte. Die abnehmende Attraktivität von Safe-Haven-Anlagen wird den US-Dollar weiter schwächen, wovon die Schwellenmärkte profitieren. Street erwartet, dass auch Gold in dieser frühen Phase etwas von seinem Glanz verlieren wird.

2. Die ewige Null: Die Zentralbanken dürften die Realzinsen auf tiefstem Niveau halten.

Niedrige Realzinsen bedeuten, dass die Abzinsungssätze für Risikoanlagen niedriger ausfallen als in früheren Zyklen, so dass Aktien und höherverzinsliche Kredite gut unterstützt werden sollten. In der Frühphase des Zyklus‘ dürften Anlagen, die eng mit der sich optimierenden Wirtschaftstätigkeit korrelieren, wie z. B. Value-Aktien, überdurchschnittlich abschneiden. Mittelfristig werden nach Streets Einschätzung Wachstumsaktien – z. B. Aktien aus dem Technologie-Sektor – weiterhin von sehr niedrigen Zinssätzen profitieren. Private Equity, Private Credit und Venture Capital sowie die Überschneidung von Nachhaltigkeitsthemen mit Infrastruktur und Immobilien dürften ebenso wie Hedge-Fonds-basierte Multi-Strategy-Anlagen der Ertragssteigerung zuträglich sein.

3. Die Bedeutung der Regierungen: Eine koordinierte Finanz- und Geldpolitik wird vermutlich noch wichtiger.

Der EU-Rettungsfonds in Höhe von 750 Mrd. Euro zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben und Investitionen, der durch die Ausgabe gemeinsamer Schuldverschreibungen gedeckt werden soll, ebnet einer weiteren fiskalischen Integration den Weg. Diese wird zu einer Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar auf handelsgewichteter Basis führen. Der CIO der Quintet Private Bank geht davon aus, dass weltweit die Ausfallraten bei Unternehmen unter dem Niveau früherer Rezessionen bleiben werden, was Kredite von geringerer Qualität mit hohen Renditen unterstützt. Dies sollte auch der Erholung geschwächter Sektoren dienen und trotz des gewaltigen Covid-19-Einbruchs dafür sorgen, dass die Wirtschaft strukturell weniger in Mitleidenschaft gezogen wird als ursprünglich befürchtet, erwartet Street.

4. Eine multipolare Welt: Die grossen Volkswirtschaften dürften unabhängiger werden.

Angesichts der Auswirkungen der Pandemie auf Handelsströme, Lieferketten und den allgemeinen Verlauf der Globalisierung gewinnen laut dem CIO regionale Wirtschaftsblöcke in den nächsten zehn Jahren zunehmend an Einfluss. Dies dürfte neue Investitions- und Diversifizierungsmöglichkeiten über geografische Regionen hinweg eröffnen, die voraussichtlich über viele Jahre bestehen bleiben. Da sich das Anlageuniversum ausweitet und sich wichtige Volkswirtschaften entkoppeln, dürfte die Diversifizierung von Portfolios an Bedeutung gewinnen. "Auch wenn sich in allen Regionen attraktive Chancen ergeben, werden voraussichtlich insbesondere die Schwellenländer-Märkte aufholen", meint Street.

5. Eine grünere Zukunft: Nachhaltigkeit dürfte das Kernthema des strukturellen Wandels sein.

Die Welt hat ihr Engagement bei der Bekämpfung des Klimawandels erneut bekräftigt, Nachhaltigkeit ist zu einem Motor für den Strukturwandel geworden – und somit zu einem vorherrschenden Investitionskonzept. Die Märkte für grüne Anlagen werden in Grösse und Umfang exponentiell wachsen. "Zudem dürften sich Überschneidungen bei Technologie- und Umweltthemen abzeichnen, gerade auch im Greentech-Bereich, und die Politik wird dem wohl Rechnung tragen", schliesst Street seine fünf Kernüberzeugungen für die Weltwirtschaft und die globalen Märkte im Jahr 2021.

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