Infrastrukturunternehmen: Aussicht auf robuste Gewinne

Infrastrukturanlagen sind unterbewertet und bieten Einstiegsschancen (Foto Shutterstock)
Infrastrukturanlagen sind unterbewertet und bieten Einstiegsschancen (Foto Shutterstock)

Infrastrukturaktien waren während der Coronakrise nicht in Mode. Die robusten Gewinne und die günstigen Bewertungen von kotieren Infrastrukturanlagen bieten Einstiegsschancen, meint Jeremy Anagnos von CBRE Clarion, Manager der Nordea Global Listed Infrastructure Strategie.

20.07.2020, 15:09 Uhr

Redaktion: cwe

Der Infrastrukturbereich besteht aus vier Schlüsselsektoren: Kommunikation, Midstream-Energie, Versorgung und Verkehr. Diese Vermögenswerte weisen gemeinsame Merkmale auf – hohe Markteintrittsbarrieren, vorhersehbares Wachstum, ein beständiges Nachfrageprofil – und sind im Hinblick auf zyklische Marktbewegungen recht unelastisch. Sie altern und erfordern ständige Investitionen in Effizienz, Zuverlässigkeit, Sicherheit und neue Technologien.

Abnormales Verhalten während der Coronakrise

Börsennotierte Infrastrukturaktien haben ein defensives Profil. Wenn die Märkte aufgrund der Befürchtungen einer Kontraktion oder Rezession nachgeben, hat die börsennotierte Infrastruktur in der Vergangenheit nur 50-60 Prozent des Rückgangs der breiteren Aktienmärkte verzeichnet. Auf der anderen Seite machen börsennotierte Infrastrukturaktien tendenziell etwa 80 Prozent des Aufwärtstrends mit. In diesem Zyklus war das jedoch nicht der Fall. Seit die Märkte im Februar zurückgingen, hat die Infrastruktur rund 100 Prozent dieses Rückgangs mitgemacht – was kein normales Marktverhalten ist. Infrastrukturaktien waren nicht „en vogue“, da der Markt weiterhin Wachstumswerte bevorzugt – und das, obwohl die zugrunde liegenden Gewinne der meisten Infrastrukturunternehmen weiterhin robust sind.

Der Verkehrssektor – wie Flughäfen und mautpflichtige Strassen – wurden von der Krise besonders hart getroffen. Es wird jedoch erwartet, dass der Grossteil der Infrastruktur-Anlageklasse in diesem Jahr ein Gewinn- und Dividendenwachstum verzeichnen wird. "Während viele Aktien auf dem breiteren Markt die Gewinnprognose für dieses Jahr im Wesentlichen aufgegeben haben, erwarten wir, dass die Gewinnsaison im zweiten Quartal die Widerstandsfähigkeit vieler börsennotierter Infrastrukturunternehmen in den Vordergrund rücken wird", sagt Jeremy Aragnos, Manager der Nordea Global Listed Infrastructure Strategie.

Irrationaler Überverkauf bietet Einstiegschancen

"Der etwas irrationale Überverkauf börsennotierter Infrastrukturunternehmen bietet Anlegern Chancen", meint Jeremy Anagnos. Im Vergleich zum breiteren US-Aktienmarkt zeigt das EBITDA-Vielfache der gelisteten Infrastrukturaktien aktuell einem Abschlag von 15 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Darüber hinaus werden börsennotierte Vermögenswerte mit einem grossen Abschlag gegenüber dem privaten Infrastrukturmarkt gehandelt. In der Zwischenzeit wird die Dividendenrendite der börsennotierten Infrastruktur mit einer starken Prämie gegenüber der Rendite von Unternehmensanleihen gehandelt.

Infrastrukturanlagen sind bei Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungsunternehmen aufgrund der bereits erwähnten Merkmale nach wie vor sehr gefragt. Aber während die Nachfrage da ist, gibt es nicht viel Angebot, da aktuell vergleichsweise wenig neu Anlagen gebaut werden. Daher werden die weltweit vorhandenen Kerninfrastrukturanlagen wahrscheinlich weiter an Wert gewinnen.

Dekarbonisierung als zentrales Thema

Rund 60 Prozent des investierbaren Infrastruktursektors entfallen auf Energie. DIe Versorgungsunternehmen können eine wichtige Rolle spielen, um die Netto-Null-CO2-Ziele zu erreichen. Beispielsweise investiert der italienische Energieversorger Enel weltweit in Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen, um seine auf fossilen Brennstoffen basierenden Anlagen zu ersetzen.

Im Segment der Midstream-Energie transportiert das Unternehmen Cheniere Erdgas aus den USA nach China und Indien, die heute die höchsten Kohleverbraucher der Welt sind. "Wenn diese Länder es schaffen, zunehmend von Kohle auf Erdgas umzusteigen, wird sich die Kohlenstoffintensität erheblich verringern", sagt Jeremy Anagnos.

Autos emittieren offensichtlich viel Kohlenstoff. "Mit der geigneten Infrasturktur im Strassennetz, z.B. Ladestationen für Elektrofahrzeuge, können wir dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck zu verringern", sagt Anagnos. Im Bereich Kommunikation werden mehr Daten als je zuvor erzeugt, verwaltet und versendet. Rechenzentren verbrauchen viel Strom, um die Komponenten zu kühlen, die diese Systeme versorgen. Equinix, ein weltweit führender Anbieter von Rechenzentren, war richtungsweisend bei der Einbeziehung erneuerbarer Energien. Inzwischen stammen fast 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen.

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