Dynamischer Green-Bond-Markt wächst stark

Bild: Pixabay
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Die Zahl der Euro-Green-Bond-Emittenten ist seit Anfang Jahr bereits um rund einen Viertel gestiegen. Begrüssenswert sei, dass die Regulierung seitens der EU anziehe, meint Marcio da Costa von Bantleon. Dennoch bleiben Green-Bonds nur eine sinnvolle Beimischung für ein bereits diversifiziertes Anleihenportfolio.

17.05.2019, 10:56 Uhr

Redaktion: sif

Mittlerweile gibt es 140 Euro-Green-Bond-Emittenten und das Volumen ausstehender Euro-Green-Bonds beträgt 180 Mrd. Euro. Am 21. Mai kommt die erste grüne "AAA"-Staatsanleihe hinzu. Begleitet wird das starke Wachstum des Green-Bond-Marktes durch Massnahmen in der Regulierung. So hat die zuständige EU-Parlamentskommission kürzlich die Richtlinie zur Klassifizierung von Investments nach ökologischen und sozial nachhaltigen Kriterien gebilligt. Zudem sind auch Vorschläge zur bevorzugten Behandlung von EU Green Bonds im Gespräch – unter anderem im Rahmen der EZB-Kaufprogramme. "Unabhängig davon bleiben Green Bonds nur eine sinnvolle Beimischung für ein bereits diversifiziertes Anleihenportfolio, weil der Markt trotz des starken Wachstums weiterhin konzentriert ist", relativiert Marcio da Costa, Portfolio Manger bei Bantleon.

Grüne Staatsanleihen gibt es nur mit 10- bis 20-jährigen Laufzeiten

Investoren, die ausschliesslich in Green Bonds investieren – zum Beispiel über Green-Bond-ETFs oder Green-Bond-Fonds – können im Bereich der Staatsanleihen trotz des starken Marktwachstums nur 10-bis 20-jährige Laufzeiten erwerben. Der Grund ist die langfristige Orientierung der zu finanzierenden nachhaltigen Projekte. Eine Ausnahme würden polnische Euro-Staatsanleihen bilden, so da Costa. Diese werden allerdings vom Internationalen Währungsfonds als Schwellenlandanleihen kategorisiert.

Bei Unternehmensanleihen dominieren Emittenten aus den Sektoren Finanzen (30% des Green-Bond-Volumens) und Energieversorger (20% des Green-Bond-Volumens). Die grösste Green-Bond-Emission, eine französische Staatsanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2039, hat unverändert einen Marktanteil von 7,5% und einen entsprechenden Anteil in Green-Bond-ETFs. Diese Beispiele unterstreichen die hohe Konzentration des Marktes trotz des starken Wachstums, meint der Experte.

Niederländische Green-Bond-Emission angekündigt

Die Niederlande haben als erster "AAA"-Staatsanleihenemittent eine Green-Bond-Emission für den 21. Mai angekündigt. Die Anleihe soll mit einem Emissionsvolumen von 6 Mrd. EUR Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, saubere Transportmittel und nachhaltiges Wassermanagement fördern. Mit diesem Emissionsvolumen wird die Anleihe das zweithöchste Gewicht (2,5%) in den Green-Bond-Indizes haben.

"Gemäss dem Green-Bond-Framework des niederländischen Finanzministeriums ist in den nächsten Jahren eine Finanzierung von jeweils 3,5 Mrd. bis 5 Mrd. Euro für nachhaltige Investitionen geplant und folglich eine Aufstockung der grünen Anleihe bis auf ein ausstehendes Volumen von 10 Mrd. EUR", erklärt da Costa. Hinsichtlich der Laufzeit, die bei 20 Jahren liegen soll, biete die Anleihe jedoch keine Diversifikation zu bestehenden Emissionen, so der Portfolio Manager. So gebe es bei grünen Staatsanleihen weiterhin nur Investitionsmöglichkeiten in langen Laufzeiten. Dennoch rechnet da Costa bei der Neuemission mit einer überdurchschnittlich hohen Nachfrage, die die Neuemissionsprämie deutlich schmälern sollte.

Einheitliche EU-Taxonomie für Green Bonds

Regulatorisch betrachtet ging es für Green Bonds zuletzt am 12. März um die Richtlinie zur Klassifizierung von Investments nach ökologischen und sozial nachhaltigen Kriterien, der EU-Taxonomie: Die zuständige EU-Parlamentskommission hat den Entwurf gebilligt. Die Richtlinie wird definieren, wann ein Finanzprodukt als "green" und "nachhaltig" und damit als EU-Green-Bond bezeichnet werden darf. Der finale Entwurf des EU-Standards wird im Juni 2019 publiziert. Da Costa begrüsst die Schaffung einer einheitlichen Taxonomie, zumal sie Transparenz schaffe und Green Bonds für Investoren und Emittenten leichter zugänglich mache. "Die Anzahl der Emittenten sollte daher weiter steigen, wobei der Weg zum Green-Bond-Markt durch die einheitlichen Richtlinien auch für kleinere Emittenten geebnet wäre", so der Portfolio Manager. Mit der einheitlichen Vorgabe übernimmt die EU eine Vorbildrolle für andere Staaten, die sich bisher nicht um die Harmonisierung nachhaltiger Finanzprodukte bemüht haben.

Bevorzugte Behandlung von EU-Green-Bonds

Zusätzlich zur EU-Taxonomie sind auch Vorschläge zur bevorzugten Behandlung von EU-Green-Bonds im Gespräch. So soll die EZB in ihren Ankaufprogrammen beim Kauf grüner Anleihen diejenigen bevorzugen, die als EU-Green-Bonds gekennzeichnet sind. Ein zweiter Vorschlag behandelt ein attraktiveres Risikogewicht zur Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung nach Basel II. In diesem Fall hingegen hält da Costo einen regulatorischen Markteingriff dieser Art für überzogen, zumal sich dieser kontraproduktiv auf den Umfang des Investorenkreises auswirken könnte. "Dies liegt daran, dass Investoren ohne Nachhaltigkeitsfokus zumeist gegenüber einem Vergleichsindex aus konventionellen Anleihen gemessen werden", meint er. Da Costa ist folglich nicht bereit, Green Bonds mit einem Renditenachteil im Portfolio zu halten. Die attraktiveren regulatorischen Merkmale dürften seiner Ansicht nach zunächst zu einer erhöhten Nachfrage nach Green Bonds führen. In einem zweiten Schritt würde sich der Anlegerkreis jedoch auf Investoren mit Nachhaltigkeitsfokus beschränken, was Neuemissionen erschwere und damit das Marktwachstum bremsen könnte.

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