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SNB setzt bei der digitalen Strategie auf Wholesale – kein digitaler Franken für Privatkunden

Trotz der Diskussion rund um den digitalen Euro: Die SNB sieht noch keine Notwendigkeit eines digitalen Frankens (Bild: SNB)
Trotz der Diskussion rund um den digitalen Euro: Die SNB sieht noch keine Notwendigkeit eines digitalen Frankens (Bild: SNB)

Antoine Martin, Vizepräsident des SNB-Direktoriums, hat am Mittwoch am Point Zero Forum die Strategie der Nationalbank zur Digitalisierung des Geldsystems bestätigt: kein Retail-CBDC für Haushalte, dafür gezielte Innovation im Wholesale-Bereich und bei grenzüberschreitenden Zahlungen.

24.06.2026, 11:56 Uhr
Asset Management | Banken | Notenbanken | Vorsorge

Redaktion: asc

Die SNB plant vorerst keinen digitalen Franken für die breite Bevölkerung – Antoine Martin, Vizepräsident des SNB-Direktoriums, begründete am Point Zero Forum diese Haltung mit einem direkten Vergleich zum Euroraum: Während die Europäische Zentralbank mit dem digitalen Euro auf Fragmentierungsprobleme im Zahlungsverkehr reagiere, die in einer Währungsunion mit unterschiedlichen nationalen Systemen entstünden, existierten diese Reibungspunkte in der Schweiz schlicht nicht. «Der Zugang zu Zahlungsdienstleistungen für Haushalte und Händler in der Schweiz ist gut genug», so Martin.

Die Schweiz verfügt bereits über einen modernen und zuverlässigen Zahlungsverkehr mit etablierten elektronischen Möglichkeiten für Zahlungen zwischen Privatpersonen und Unternehmen.

Gleichzeitig hält sich die SNB die Tür offen: Sollte der digitale Euro ein grosser Erfolg werden, will man die gewonnenen Erkenntnisse neu bewerten. Vorerst aber bleibt die Position unverändert.

Instant Payments als pragmatischer Schritt

Im Retailbereich setzt die SNB stattdessen auf die Weiterentwicklung bestehender Infrastrukturen. Mit der Einführung von Instant Payments – Echtzeitzahlungen rund um die Uhr – will die SNB das bestehende System verbessern, ohne einen systemischen Umbau vorzunehmen. Im grenzüberschreitenden Retailverkehr laufen zudem Gespräche mit der EZB über eine Verknüpfung der jeweiligen Schnellzahlungssysteme, die Schweizer Konsumentinnen und Händlern künftig direkten Zugang zum europäischen Zahlungsraum ermöglichen soll.

Projekt Helvetia: Wholesale-CBDC als Kernelement

Der eigentliche Innovationsschwerpunkt der SNB liegt im Wholesale-Bereich. Im Rahmen von Projekt Helvetia – in Zusammenarbeit mit der SIX Digital Exchange (SDX) – stellt die SNB seit Dezember 2023 digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute auf der DLT-basierten Plattform zur Verfügung; das Projekt wurde 2025 um zwei weitere Jahre verlängert. Parallel dazu wird mit DX Digital ein alternativer Ansatz – synchronisiertes Settlement über das bestehende RTGS-System – erprobt. Martin betonte, dass man bewusst mehrere technologische Wege teste, ohne sich frühzeitig auf eine einzige Lösung festzulegen.

Projekt Agora: Grenzüberschreitende Zahlungen im Fokus

Ein weiterer Baustein ist die Beteiligung am BIZ-geführten Projekt Agora. Das internationale Konsortium mit mehreren Zentralbanken und rund vierzig regulierten Finanzinstituten hat zum Ziel, grenzüberschreitende Wholesale-Zahlungen effizienter zu gestalten – durch Reduktion von KYC-Redundanzen und bessere Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Plattformen. Martin räumte ein, dass die Koexistenz von Legacy-Systemen und DLT-Plattformen mittelfristig eine der zentralen Herausforderungen darstellt: Wie stellt die SNB als Zentralbank auf mehreren parallelen Plattformen die nötige Liquidität sicher?

Public-Private Partnership als Grundprinzip

Grundsätzlich sieht Martin die Rolle der SNB nicht in der technologischen Vorreiterschaft, sondern in der Sicherung des öffentlichen Interesses: Stabilität, Vertrauen und die Verankerung des Systems in Zentralbankgeld. Innovation hingegen sei Aufgabe des Privatsektors. Mit dem Pilotbetrieb gehe die SNB keine Verpflichtung ein, Wholesale CBDC dauerhaft einzuführen – das Ziel sei es, technologisch auf dem Laufenden zu bleiben, um bei einer Weichenstellung nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Mit seinen Äusserung macht Martin die SNB-Strategie erneut klar: Sie ist kohärent, aber auch bewusst defensiv. SNB und Privatwirtschaft testen parallel verschiedene Wege: eine SNB-CBDC positioniert sich als Wholesale-Lösung für Banken, während private Initiativen wie der laufende CHF-Stablecoin-Sandbox-Test – bei dem unter anderem auch die UBS dabei ist, wie UBS-CEO in seiner Rede ausführte – eher Retail-Zahlungsverkehr und DeFi-Integration adressieren. Diese Arbeitsteilung dürfte bis auf weiteres das Schweizer Modell definieren – vorausgesetzt, der digitale Euro entwickelt sich nicht zu einer ernsthaften Benchmark, an der die SNB-Zurückhaltung politisch neu gemessen wird.

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