Weltgrösste Pensionskasse baut Stewardship-Aufsicht aus

Im Bild: Rentenbüro in der Stadt Suginami, Japan (Bild: Adobe Stock)
Im Bild: Rentenbüro in der Stadt Suginami, Japan (Bild: Adobe Stock)

Der japanische Staatsfonds Government Pension Investment Fund (GPIF), mit einem Vermögen von umgerechnet rund 1'700 Milliarden US-Dollar der weltweit grösste Pensionskassen-Investor, verschärft seine Erwartungen an externe Vermögensverwalter. Das geht aus dem am 17. April 2026 veröffentlichten «Stewardship Activities Report 2025-2026» hervor.

31.07.2026, 10:05 Uhr

Redaktion: asc

GPIF investiert nicht direkt in Aktien, sondern ausschliesslich über externe Vermögensverwalter im Rahmen diskretionärer Mandate – ein struktureller Unterschied etwa zu vielen Schweizer Vorsorgeeinrichtungen, die zumindest Teile ihres Aktienportfolios selbst verwalten oder die Stimmrechtsausübung an spezialisierte Dienstleister delegieren. Entsprechend konzentriert sich die Stewardship-Strategie des Fonds auf die Beaufsichtigung, Bewertung und Weiterentwicklung der Manager – nicht auf eigene Dialoge mit Unternehmen. Gleichwohl gibt der «Stewardship Activities Report 2025-2026» Impulse - auch im Umgang mit Drittanbietern in dieser Frage.

Drei Prioritäten für die 5. Mittelfristperiode

Laut dem Bericht setzt GPIF für die laufende Objektiveperiode drei Schwerpunkte: erstens ein am Kapitalkostenbewusstsein und Aktienkurs orientiertes Management der Portfoliounternehmen, zweitens Nachhaltigkeitsinitiativen und -offenlegung, drittens wirksame Corporate Governance. Im Geschäftsjahr 2025 führte der Fonds dazu Einzelinterviews mit seinen inländischen Aktienmanagern, um konkrete Engagement-Fallbeispiele zu verstehen. Dabei zeigte sich: Das Bewusstsein der Unternehmen für das Thema habe sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich verbessert, substanzielle Massnahmen blieben aber oft hinter dem Problembewusstsein zurück. Zu den beobachteten Fortschritten zählten überarbeitete Ausschüttungspolitiken, der Abbau von Überkreuzbeteiligungen und verbesserte Offenlegungen zu ROE, ROIC und Kapitalkosten – wobei GPIF betont, dass diese Veränderungen selten allein auf den Dialog mit Investoren zurückzuführen seien, sondern auch auf Druck der Tokioter Börse und anderer Aktionäre.

Vier «Excellent»-Kategorien zu einer «Excellent Sustainability Disclosure» verschmolzen

Ein zentrales Element des Berichts betrifft die Reform der Offenlegungsbewertung: GPIF fasste die bisher separat geführten Kategorien «Excellent Integrated Report», «Excellent Governance Report», «Excellent TCFD Disclosure» und «Excellent TNFD Disclosure» zu einer einzigen «Excellent Sustainability Disclosure» zusammen. Damit lassen sich japanische und ausländische Unternehmen erstmals direkt vergleichen. Das Ergebnis: 95 Prozent der bei japanischen Unternehmen ausgezeichneten Offenlegungen sind freiwillig, zwei Drittel davon integrierte Berichte. Bei ausländischen Unternehmen liegt der Anteil freiwilliger Offenlegungen bei 58 Prozent, während 36 Prozent auf gesetzlich vorgeschriebene Formate entfallen – meist Nachhaltigkeitsberichte. Unter den nominierten japanischen Unternehmen erhielten unter anderem Ajinomoto, ITOCHU und Hitachi die meisten Nennungen; bei ausländischen Titeln führten Microsoft, Unilever und GSK.

Engagement-Kennzahlen: Dialog mit 57,7 Prozent der gehaltenen Unternehmen

Zwischen Januar und Dezember 2025 führten GPIFs inländische Aktienmanager mit 1'039 Unternehmen – 57,7 Prozent der gehaltenen Titel nach Anzahl, aber 96,5 Prozent nach Marktkapitalisierung – Engagement-Dialoge. 62,6 Prozent dieser Gespräche entfielen auf passive Mandate, was die Bedeutung des «Engagement-Enhanced Passive»-Modells unterstreicht, das GPIF seit 2018 mit vier Managern (Asset Management One, FIL Investments Japan, Sumitomo Mitsui Trust Asset Management, Resona Asset Management) betreibt. Fast die Hälfte aller Dialoge (49,2 Prozent) fand auf Stufe Geschäftsleitung oder höher statt.

Governance-Reform und Corporate Governance Code im Fokus

Angesichts der ersten Revision des japanischen Corporate Governance Code seit fünf Jahren führte GPIF von Februar bis März 2026 Dialoge mit seinen Managern zu vier Themen: Prinzipienbasierung des Kodex, Förderung von Wachstumsinvestitionen, vorgezogene Offenlegung der Jahressicherheitsberichte vor Generalversammlungen sowie Stärkung der Verwaltungsratssekretariate. Bei der Frage der vorgezogenen Offenlegung zeigten sich divergierende Positionen zwischen ausländischen und inländischen Managern – ein Punkt, den GPIF als offenen Diskussionspunkt für die kommenden Monate bezeichnet.

Vergleich zur Schweiz: gesetzliche Pflicht, aber gebündelte Stimmrechtsvertretung statt Manager-Bewertung

Der GPIF-Ansatz – Stewardship fast ausschliesslich über die systematische Evaluation und Weiterbildung externer Manager – unterscheidet sich deutlich vom Schweizer Modell. Hierzulande nehmen Pensionskassen ihre Stimmrechte bei kotierten Schweizer Aktiengesellschaften direkt war und dokumnentieren dies; ein einheitliches Nachhaltigkeitsreporting existiert jedoch erst seit Kurzem mit dem freiwilligen ASIP-Standard.

In der Praxis delegieren viele Kassen die Stimmrechtsausübung insbesondere auch bei ausländischen Aktien. Anders als GPIF, das primär die Stewardship-Qualität seiner Vermögensverwalter bewertet, bündelt die Schweizer Praxis Stimmrecht und Engagement oft in einer einzigen spezialisierten Institution – ein pragmatischerer, aber auch weniger granularer Ansatz als das mehrstufige Milestone-Management, das GPIF-Manager wie Asset Management One oder Sumitomo Mitsui Trust mittlerweile einsetzen, um einzelne Engagement-Themen über acht respektive sechs Stufen bis zur Lösung zu verfolgen.

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