19.10.2026, 08:57 Uhr
KI ist nicht nur Software, sondern auch Kupfer, Strom und Netze. Während Anleger auf die dominierenden Tech-Titel setzen, entstehen viele der wichtigsten strukturellen Veränderungen ausserhalb der grossen Indizes,...
Die Aktien der Bank Julius Bär sind am Dienstag mit starken Aufschlägen in den Handelstag gestartet. Die Finanzmarktaufsicht Finma hatte am Morgen den seit langem erwarteten Abschluss ihrer Untersuchung zu den Signa-Kreditverlusten bekanntgegeben. Damit ist nun auch der Weg für Aktienrückkäufe frei.
Zahlreiche Analysten zeigen sich am Dienstag erleichtert über das Ende der Untersuchung: Nun falle eine grosse Last von der Bank, heisst es etwa bei der Luzerner Kantonalbank. Auch der Abschlag auf den Julius Bär-Aktien könne sich jetzt reduzieren, so die RBC-Analysten. Während die Finma-Restriktionen nun nach und nach aufgehoben würden, könne Julius Bär graduell zu einem normalen Geschäft übergehen.
Der Markt habe den Abschluss der Untersuchung erwartet, stellt auch die Bank Vontobel in einem Kommentar fest. Julius Bär habe viele Sofort-Massnahmen bereits umgesetzt, welche die Finma im Verlauf ihrer Untersuchung angeordnet habe. Der zuständige Analyst verweist dabei auf die erneuerte Geschäftsleitung, den Ausstieg aus dem Geschäft mit privaten Schulden oder eine Neudefinition des Risiko-Appetits.
Der Abschluss des während 20 Monate dauernden Verfahrens sei eine positive Nachricht für Bär, heisst es bei Octavian. So könne sich das Management nun klar auf das Kerngeschäft fokussieren. Die Analysten erwarten nun Aktienrückkäufe für das Jahr 2027, wobei die Experten den Umfang auf 600 Millionen Franken pro Jahr veranschlagen.
Auch die UBS-Analysten verweisen auf den von Julius Bär bereits bei der Finma eingereichten Antrag auf ein Aktienrückkaufprogramm - dies während die Finma ihre zusätzlichen Kapitalanforderungen gleichzeitig verringert hat. Ein Aktienrückkauf über rund 600 Millionen Franken läge für die Experten allerdings am oberen Ende der möglichen Bandbreite.
Die Bank gehe nun aus der Aufräumphase strukturell gestärkt hervor, zeigt sich auch die ZKB überzeugt. Die verbleibenden zusätzlichen Kapitalanforderungen beeinträchtigten die Schwelle für Aktienrückkäufe nicht: Da das Jahresende kurz bevorstehe, könnten im laufenden Jahr 2026 wohl noch Rückkäufe von rund 100 Millionen Franken erfolgen.
Die Finanzmarktaufsicht Finma tadelt in ihrer Mitteilung die Zürcher Vermögensverwalterin schwer: Julius Bär habe «in schwerer Weise» gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen, schreibt die Behörde in einer Mitteilung vom Dienstag. Allerdings habe die Bank bereits viele von der Finma auferlegte Sofortmassnahmen ergriffen, räumt die Behörde ein.
Nicht zuletzt habe Julius Bär auf Aufforderung der Finma im Jahr 2025 ihren Risikoappetit neu definiert. So habe sie sich von gewissen Kunden getrennt und auch das Geschäft mit privaten Unternehmenskrediten (Private Debt) eingestellt. Zudem habe die Bank den personellen Wandel auf Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungsstufe vollzogen.
Die Untersuchung der Finma war von dem hohen Kreditabschreiber von Julius Bär auf die Darlehen an den gescheiterten Immobilienkonzern Signa des österreichischen Investors René Benko im Jahr 2024 ausgelöst worden. Die Bank musste damals Kredite über mehr als 600 Millionen Franken abschreiben. In einer zusätzlichen Untersuchung ging es um Geschäftsbeziehungen mit russischen politisch exponierten Personen (PEP).
Mit dem Abschluss der Untersuchung muss Julius Bär nun aber der Finma unter anderem weiterhin bis 2032 Berichte einreichen, in denen sie über ihre Risikokultur Rechenschaft ablegt. Gleichzeitig wird nun ein 2025 Verbot neue Geschäftsbeziehungen mit gewissen PEP-Kunden stufenweise abgebaut.
Bis zum Abschluss des Prozesses muss Julius Bär zudem noch zusätzliche Eigenmittel von 250 Millionen Franken halten. Die Anforderung habe während des laufenden Verfahrens zeitweise höher gelegen, heisst es. Ausserdem zieht die Finma einen Gewinn von rund 10 Millionen Franken ein, die Julius Bär im Zusammenhang mit den beiden Kunden erzielt habe.
Julius Bär selbst nimmt den Abschluss zur Kenntnis und «anerkennt die Schlussfolgerungen», wie die Bank gleichentags mitteilte. Sie verweist darauf, dass sich die Angelegenheiten ereigneten, bevor das heutige Führungsteam ernannt wurde. Dieses habe inzwischen eine Reihe von Massnahmen ergriffen, um die Altlasten anzugehen.
Die Bank setze nun Strategiezyklus 2026-2028 planmässig fort und halte auch an ihren Mittelfristzielen fest. Die Finma-Forderung, zusätzliches Kernkapital (CET1) in Höhe von 250 Millionen Franken zu halten, resultiert in einer faktischen Mindestanforderung für die Kapitalquote.
Vom Abschluss sollen nun auch die Aktionäre profitieren: Die Bank habe nun bei der Finma einen Antrag zur Durchführung eines Aktienrückkaufprogramms durchgeführt, heisst es.
Für das alte Julius Bär-Management ist derweil die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen: Die Finma hat laut der Mitteilung nun Verfahren gegen drei ehemalige Mitarbeitende der Bank eröffnet, die «möglicherweise für die Verletzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen oder internen Weisungen verantwortlich» sind. Namen nennt sie allerdings keine.