«Digitale Vermögenswerte werden in den der nächsten Jahren zum festen Bestandteil institutioneller Portfolios»

Christophe Racine ist Head DACH Region bei 3iQ (Bild: 3iQ / AMAS)
Christophe Racine ist Head DACH Region bei 3iQ (Bild: 3iQ / AMAS)

Der kanadische Asset Manager 3iQ Digital Asset Management baut seine Präsenz in der Schweiz und der DACH-Region gezielt aus. Im Interview erklärt Christophe Racine, Head DACH Region bei 3iQ, welche Rolle die Schweiz in der langfristigen Strategie des Unternehmens spielt.

03.08.2026, 08:33 Uhr
Asset Management | Finanzplätze | Fintech | Interviews | Vorsorge

Redaktion: asc

3iQ ist seit Anfang dieses Jahres Mitglied der AMAS. Welche Rolle wird die Schweiz in der langfristigen Strategie von 3iQ spielen?

Seit unserer Gründung in Kanada im Jahr 2012 hat sich 3iQ durch Innovation, Expertise und kontinuierliche Weiterentwicklung eine starke globale Erfolgsbilanz als führender Asset Manager alternativer digitaler Vermögenswerte aufgebaut. Vor rund zehn Jahren haben wir die ersten an der Börse von Toronto notierten Bitcoin- und Ethereum-ETPs auf den Markt gebracht und anschliessend das Staking in unsere Ethereum- und Solana-ETPs integriert, um die Renditen für Anleger zu steigern. Seitdem hat 3iQ mehrere weitere regulierte ETPs auf den Markt gebracht. Zudem haben wir die weltweit erste «Digital Assets Managed Account Platform» (QMAP) eingeführt, eine Hedgefonds-Anlagelösung, die innovative, risikogesteuerte Anlagelösungen in institutioneller Qualität bietet, um ein Engagement in digitale Vermögenswerte zu ermöglichen.vDie Schweiz ist ein logischer Schwerpunkt unserer langfristigen Strategie. Das Land ist bei der Regulierung digitaler Vermögenswerte führend und bietet eine Kombination aus regulatorischer Klarheit, einem globalen Finanzsektor und einem innovationsfreundlichen Umfeld. Diese Eigenschaften machen die Schweiz zu einem der weltweit attraktivsten Standorte für die institutionelle Verwaltung digitaler Vermögenswerte.bUnsere institutionellen Kunden sind sich der attraktiven Risiko-Rendite-Eigenschaften digitaler Vermögenswerte bewusst, erwarten jedoch, dass operative Risiken minimiert werden. Mit QMAP haben wir eine Plattform geschaffen, die genau diesen Anforderungen gerecht wird, indem sie Infrastruktur, Governance und operative Effizienz auf institutionellem Niveau bietet.

Digitale Vermögenswerte haben sich von einer Nischenanlage zu einer zunehmend akzeptierten institutionellen Anlageklasse entwickelt. Welche Entwicklungen stimmen Sie besonders optimistisch?

Der Wandel in den letzten Jahren war bemerkenswert. Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel sowohl in der Marktstruktur als auch in der Regulierung. Etablierte Vermögensverwalter steigen in diesen Bereich ein und bringen innovative Anlagelösungen auf den Markt, die für Anleger einen greifbaren Mehrwert schaffen. Anfang dieses Jahres gab Dynamic, ein Geschäftsbereich von 1832 Asset Management L.P. (Teil der Scotia Bank) in Kanada, die Ernennung von 3iQ zum Unterberater des «Dynamic Active Multi-Crypto ETF» bekannt – eines liquiden alternativen Fonds, der an der Cboe Canada Inc. notiert werden soll. Der DXMC bietet kanadischen Anlegern einen vereinfachten, aktiv verwalteten Zugang zu einer Reihe von Krypto-Vermögenswerten. Der DXMC ist eines von vielen Beispielen für diese Entwicklung: ein aktiv verwalteter ETF, der ein diversifiziertes Engagement in ausgewählten Krypto-Assets sowie in Unternehmen bieten soll, die von der Entwicklung oder Einführung der Blockchain und damit verbundener Technologien für digitale Vermögenswerte profitieren könnten. Digitale Vermögenswerte sind längst nicht mehr nur eine Domäne von Technikbegeisterten. Heute verzeichnen wir eine wachsende Nachfrage seitens Staatsfonds, Family Offices, Privatbanken, Versicherungsgesellschaften, institutioneller Vermögensverwalter und anderer professioneller Anleger. Ebenso ermutigend ist die rasante Professionalisierung des Ökosystems. Institutionelle Anleger haben nun Zugang zu regulierten Verwahrungslösungen, einer professionellen Handelsinfrastruktur, unabhängigen Fondsverwaltern, transparenten Governance-Rahmenbedingungen und robusten Risikomanagementprozessen. Die Schweiz spielt weiterhin eine führende internationale Rolle. Dank ihres innovationsfreundlichen regulatorischen Rahmens und ihrer starken Finanzindustrie hat sie ein äußerst wettbewerbsfähiges Ökosystem für digitale Vermögenswerte entwickelt, das institutionellen Anlegern vorbildliche Bedingungen bietet. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Wettbewerbsvorteil zu erhalten und weiter auszubauen, um die Position der Schweiz als weltweit führender Standort für Asset Management zu festigen.

Trotz dieser Fortschritte bestehen nach wie vor Vorbehalte gegenüber digitalen Vermögenswerten. Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Hindernisse für eine breitere Akzeptanz in der Vermögensverwaltung?

Ich glaube, eine der grössten Herausforderungen ist die Aufklärung und die Bereitschaft, sich objektiv mit dieser Anlageklasse auseinanderzusetzen. Viele Institutionen befinden sich noch in einem frühen Stadium, was das Verständnis dafür angeht, wie digitale Vermögenswerte über einfache «Buy-and-Hold»-Strategien hinaus in professionell verwaltete Portfolios integriert werden können. Dank unserer globalen Präsenz beobachten wir erhebliche regionale Unterschiede. Während in Nordamerika und Teilen Asiens eine rasche institutionelle Akzeptanz zu verzeichnen ist, bleibt Europa etwas zurückhaltender. Gleichzeitig wächst die Nachfrage seitens der Anleger weiter. Eine aktuelle Schweizer Studie der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit der Luzerner Kantonalbank hat gezeigt, dass fast jeder fünfte Einwohner der Schweiz bereits digitale Vermögenswerte besitzt oder in diese investiert hat. Diese wachsende Kundennachfrage wird Finanzinstitute zunehmend dazu ermutigen, ihr Angebot an digitalen Vermögenswerten auszuweiten.

Die Schweiz gilt weithin als einer der weltweit führenden Standorte für Innovationen im Bereich Blockchain und digitale Vermögenswerte. Wie schätzen Sie die Bereitschaft Schweizer Investoren und Finanzinstitute ein, digitale Vermögenswerte in ihre Portfolios zu integrieren?

Wir beobachten eindeutig eine wachsende Offenheit auf dem gesamten Schweizer Markt. Vor einigen Jahren stiessen Diskussionen über Anlagestrategien für digitale Vermögenswerte, insbesondere Hedgefonds-Lösungen, oft auf Zurückhaltung. Heute hat sich die Diskussion deutlich gewandelt. Finanzinstitute treten aktiv an uns heran, um strategische Partnerschaften, Produktentwicklung und Wissenstransfer zu besprechen. Diese zunehmende Offenheit wird nicht nur durch ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein getrieben, sondern auch durch die steigende Nachfrage sowohl von institutionellen als auch von Privatkunden, die von ihren Banken, Family Offices und Vermögensverwaltern professionelle Anlagelösungen für digitale Vermögenswerte verlangen. Als globaler Spezialist können wir diese Institutionen durch massgeschneiderte Anlagelösungen und den Austausch internationaler Best Practices unterstützen.

Welche digitalen Vermögenswerte oder Anlagethemen stossen derzeit bei institutionellen und professionellen Anlegern auf das grösste Interesse, und was treibt diese Nachfrage an?

Neben etablierten Bitcoin- und Ethereum-Anlagelösungen verzeichnen wir derzeit eine besonders starke Nachfrage nach risikogesteuerten, ergebnisorientierten Lösungen wie marktneutralen und konvexen Anlagestrategien. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir im vergangenen Jahr eine strategische Partnerschaft mit Further Asset Management, einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Anlageverwalter für digitale Vermögenswerte, geschlossen haben, um einen neuen, staatlich abgesicherten, marktneutralen Fonds für digitale Vermögenswerte aufzulegen, bei dem 3iQ sowohl als Berater als auch als strategischer Partner ausgewählt wurde. Einer der Ankerinvestoren, ein grosses Family Office mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, investierte in die BTC-Anteilsklasse, um seine Bitcoin-Bestände innerhalb eines regulierten Rahmens gewinnbringend einzusetzen. Dies ist ein Thema, das bei BTC-Inhabern zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Über Bitcoin hinaus weitet sich das institutionelle Interesse zunehmend auf Ethereum, Staking-Strategien, tokenisierte reale Vermögenswerte (RWAs), Stablecoins und aktiv verwaltete Portfolios mit digitalen Vermögenswerten aus. Diese Entwicklungen schaffen völlig neue Anlagemöglichkeiten. Wir glauben, dass wir nicht mehr nur einen kurzfristigen Markttrend beobachten, sondern vielmehr die Anfangsphase eines grundlegenden Wandels der globalen Kapitalmärkte.

3iQ baut seine Präsenz in der Schweiz und in der gesamten DACH-Region aus. Wo stehen Sie heute, und welche Prioritäten setzen Sie für das künftige Wachstum?

Die Schweiz und der europäische Markt im weiteren Sinne stellen für 3iQ wichtige strategische Prioritäten dar. So haben wir beispielsweise einen Antrag auf eine FINMA-Lizenz gestellt, der derzeit von der Aufsichtsbehörde geprüft wird. Wo auch immer wir weltweit tätig sind, streben wir danach, einen aktiven Beitrag zum lokalen Finanzökosystem zu leisten. Deshalb sind wir besonders stolz darauf, in diesem Jahr Mitglied der AMAS geworden zu sein. Ebenso wichtig ist es, durch Lizenzierung und enge Zusammenarbeit mit den lokalen Aufsichtsbehörden eine starke Regulierungskultur aufrechtzuerhalten. Dank unserer langjährigen Erfahrung können wir Lösungen anbieten, die auf die spezifischen Bedürfnisse lokaler institutioneller Anleger zugeschnitten sind, unabhängig davon, ob diese ein beta-orientiertes Engagement oder aktiv verwaltete Alpha-Strategien anstreben. Gleichzeitig freuen wir uns, globale Erkenntnisse und Innovationen aus anderen Regionen in die Schweiz und nach Europa einzubringen und unser Fachwissen sowohl mit Kunden als auch mit Branchenorganisationen wie AMAS zu teilen.

Wenn wir fünf Jahre in die Zukunft blicken: Welche Rolle werden digitale Vermögenswerte in diversifizierten Portfolios spielen, und welche Entwicklungen werden die Branche am stärksten prägen?

Ich bin überzeugt, dass digitale Vermögenswerte innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zu einem festen Bestandteil diversifizierter institutioneller Portfolios werden. 3iQ baut weiterhin auf unserer langen Tradition der Innovation auf, indem wir ständig neue Möglichkeiten im Bereich der DeFi-Lösungen der nächsten Generation und der Tokenisierung realer Vermögenswerte erkunden. Über ihr Renditepotenzial hinaus bieten digitale Vermögenswerte aufgrund ihrer Korrelationseigenschaften attraktive Diversifizierungsvorteile. Da institutionelle Anleger sich zunehmend auf den Portfolioaufbau statt auf einzelne Anlageklassen konzentrieren, wird dies noch an Bedeutung gewinnen. Mehrere strukturelle Trends werden diese Entwicklung vorantreiben. Es wird erwartet, dass die Kundennachfrage weiterwächst, unterstützt durch makroökonomische Faktoren wie Inflation und fiskalische Expansion. Technologische Innovationen – insbesondere die Tokenisierung von Finanzanlagen – werden die Kapitalmärkte grundlegend umgestalten. Gleichzeitig werden regulatorische Klarheit in der Schweiz und die fortschreitende Harmonisierung der europäischen Regulierung durch MiCA institutionellen Anlegern mehr Sicherheit bieten. In Verbindung mit einer Infrastruktur auf institutionellem Niveau – einschliesslich regulierter Verwahrungslösungen, professioneller Handelsplattformen und erfahrener Asset Manager – werden diese Entwicklungen die Einführung digitaler Vermögenswerte in der gesamten Investmentbranche weiter beschleunigen.

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