17.06.2026, 08:37 Uhr
Die Welt spricht über künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität und Reindustrialisierung. Doch hinter all diesen Trends steht dieselbe Engstelle: Strom. Nicht Daten, Chips oder Kapital könnten zum...
Charles-Edouard Bilbault, Global Equities Portfolio Manager bei Rothschild & Co Asset Management, ist überzeugt: Metalle sind keine Industrierohstoffe mehr – sie sind strategische Infrastruktur. In einem neuen Research-Papier legt er dar, warum die Kombination aus Energiewende, KI-Boom und geopolitischer Neuordnung die Nachfrage nach Metallen bis 2050 um den Faktor 2,3 treiben könnte – und warum die Märkte das noch nicht eingepreist haben.
Die grossen Rohstoffzyklen der Geschichte folgten immer denselben Treibern: Urbanisierung, Industrialisierung, Globalisierung. Jede dieser Phasen multiplizierte den Pro-Kopf-Metallverbrauch um ein Vielfaches. Nun, so die These von Charles-Edouard Bilbault, steht die Welt am Beginn eines neuen solchen Zyklus – getrieben von Elektrifizierung, Digitalisierung und dem Streben nach wirtschaftlicher Souveränität.
«Metalle sind keine reinen Industrierohstoffe mehr», schreibt der Portfolio Manager in seinem aktuellen Papier zum Fonds R-co Strategic Metals & Mining von Rothschild & Co Asset Management. «Sie werden zu strategischen Pfeilern der Elektrifizierung, Digitalisierung und wirtschaftlichen Souveränität – in einer Welt, die zunehmend von Handelsspannungen, technologischen Rivalitäten und Fragen der Versorgungssicherheit geprägt ist.»
Das strukturelle Argument ist einfach und überzeugend: Die Nachfrage nach strategischen Metallen beschleunigt sich, während die Angebotsseite strukturell nicht mithalten kann. Neue Lagerstätten werden zu selten entdeckt, bestehende Reserven schrumpfen, und die Entwicklungszyklen sind ausserordentlich lang. Zwischen der ersten Exploration und der Inbetriebnahme einer Mine vergehen laut Bilbault typischerweise rund 15 Jahre. Dieser Zeithorizont macht kurzfristige Angebotsanpassungen praktisch unmöglich – selbst wenn die Preissignale klar wären.
Die Folge ist eine strukturelle Angebotslücke, die sich in den kommenden Jahren weiter öffnen dürfte. Bilbault vergleicht das entstehende Ungleichgewicht mit den grossen Rohstoffzyklen vergangener Jahrzehnte – und sieht das Besondere darin, dass dieses Ungleichgewicht von den Märkten noch nicht vollständig antizipiert wird.
Bilbault identifiziert vier voneinander unabhängige, aber gleichzeitig wirkende Nachfragetreiber, die den Zyklus von einem zyklischen Preisphänomen zu einem langfristigen strukturellen Megatrend machen.
Einen besonders relevanten Punkt hebt Bilbault für institutionelle Anleger hervor: die Diskrepanz zwischen der wachsenden strategischen Bedeutung des Sektors und seiner nach wie vor marginalen Rolle in den meisten Portfolios. Metall- und Bergbauunternehmen sind in den grossen Aktienindizes nach wie vor stark unterrepräsentiert, während einzelne Technologietitel ein Vielfaches ihres Gewichts auf sich vereinen. «Es sind oft diese Phasen des relativen Desinteresses, in denen sich die besten langfristigen Opportunitäten herausbilden», schreibt Bilbault.