Weltraum-Investments: Zwischen realem Potenzial und spekulativem Hype

Mark Hawtin ist Leiter des Global Equities-Teams bei Liontrust Asset Management (Bild: Liontrust)
Mark Hawtin ist Leiter des Global Equities-Teams bei Liontrust Asset Management (Bild: Liontrust)

Der Börsengang von SpaceX hat die Investmentlandschaft elektrisiert – und zugleich ein Bewertungsproblem ersten Ranges aufgeworfen. Mark Hawtin, Leiter des Global Equities-Teams bei Liontrust Asset Management, analysiert in seinem aktuellen Marktkommentar, warum die Weltraumwirtschaft trotz unbestreitbarer langfristiger Chancen Anleger derzeit zur Besonnenheit mahnt.

14.08.2026, 06:07 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

SpaceX ist Ende Juni mit einem Marktwert von 1,75 Billionen US-Dollar zum Ausgabepreis an die Börse gegangen – mehr als das Vierfache des Niveaus von nur einem Jahr zuvor. Das S-1-Dokument des Unternehmens prognostiziert einen Total Addressable Market (TAM) der Weltraumwirtschaft von 28,5 Billionen US-Dollar und bezeichnet ihn als «den grössten umsetzbaren Gesamtmarkt in der Geschichte der Menschheit».

Mark Hawtin, Leiter des Global Equities-Teams bei Liontrust Asset Management, relativiert in seinem Marktkommentar diese Zahl jedoch deutlich: Der tatsächliche Weltraumanteil am TAM liegt bei unter 2 Prozent. Den mit Abstand grössten Posten bildet das KI-Potenzial, das auf 93 Prozent des Gesamtvolumens veranschlagt wird – obwohl es derzeit keinerlei KI-getriebene Umsätze im Weltraum gibt und keinerlei Zeitrahmen für den prognostizierten TAM genannt wird.

«Es gleicht eher einem Investitions-Schwarzen-Loch, in dem die Fundamentalanalyse auf null Volumen reduziert wird und die üblichen Gesetze der Bewertung ausser Kraft gesetzt werden», so Hawtin. Andererseits sei die Investitionschance im Weltraum durchaus real – nur eben nicht zu den aktuellen SpaceX-Konditionen.

Staatliche Ausgaben als struktureller Treiber

Hinter dem Boom steht ein geopolitisch aufgeladener Wettlauf. Die Artemis-Abkommen aus dem Jahr 2020, mittlerweile von 70 Ländern unterzeichnet, legen nicht bindende Verhaltensregeln für den Weltraum fest. China hat sie nicht unterzeichnet – was die USA dazu veranlasst, die Dominanz im Weltraum als strategisch dringliche Angelegenheit zu behandeln. In Washington gilt das Motto: Wer den Mond oder den Mars zuerst erobert, gewinnt.

Die Konsequenz schlägt sich in den Budgets nieder. Laut Schätzungen von Stifel werden die USA 2027 rund 59,7 Milliarden US-Dollar für den Weltraumsektor ausgeben – ein Anstieg von 76 Prozent gegenüber den 34 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026. Zusätzlichen Schub verleihen Rüstungsprojekte wie «Golden Dome», die sowohl für Verteidigungs- als auch für Raumfahrtunternehmen erhebliche Umsatzchancen eröffnen.

Kommerzialisierung schafft breiteres Anlegerfeld

Bemerkenswert ist laut Hawtin die zunehmende Öffnung des Sektors für kommerzielle Anbieter. Während staatliche Raumfahrtagenturen in den USA und China nach wie vor einen bedeutenden Teil der Ausgaben beanspruchen, rücken private Unternehmen als Vorzugspartner in den Vordergrund. Das erweitert das Anlageuniversum über die oligarchisch geprägten Schwergewichte SpaceX und Blue Origin hinaus: Unternehmen wie Northrop Grumman und Lockheed Martin können Startaktivitäten an kommerzielle Anbieter auslagern. Northrop ist zudem direkt als Aktionär bei Firefly beteiligt – ein Zeichen für die fortschreitende Konsolidierung und Diversifikation im Sektor.

Hawtin zweifelt nicht an Elon Musks visionärer Kraft, warnt aber davor, diese Begeisterung unreflektiert in eine Aktienposition umzumünzen. Der kurzfristige Hype habe die Bewertung von SpaceX von der aktuellen Realität abgekoppelt. Für Anleger mit Blick auf das Risiko-Ertrags-Verhältnis biete der Weltraumsektor attraktivere Einstiegspunkte bei anderen Titeln – auch wenn die Reise zum Verständnis des Markts noch Lichtjahre andauern dürfte.

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